Technik in den Schulen wird immer wichtiger. Nicht nur in Pandemiezeiten.
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Ob alle Lehrkräfte in Pöcking einen Dienst-Laptop kriegen, ist noch unklar (Symbolfoto)

Ärger über Freistaat in Pöcking

Grundschule wird digitalisiert: Aber die Programme müssen die Lehrer wohl selbst zahlen

  • Stephan Müller-Wendlandt
    vonStephan Müller-Wendlandt
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Die Pöckinger Grundschule soll bis Ende 2021 digitalisiert sein. Doch die Gemeinde ist sauer auf den Freistaat: Die Fördermittel reichen nicht ganz aus, um passende Geräte für alle Lehrkräfte anzuschaffen. Und die Programme für den Unterricht müssten die Pädagogen selbst kaufen.

Pöcking – Bis Jahresende wird die Grundschule komplett digital ausgerüstet sein. Damit rechnet Pöckings Gemeinde-Geschäftsleiter Sven Neumann. Die Ausschreibung für das Projekt Digitales Klassenzimmer hatte der Gemeinderat bereits im September beschlossen. Jetzt wurde sie ergänzt. Und dabei kam eine Menge Ärger auf den Freistaat zum Vorschein.

Auf Empfehlung von Simon Küffer, Berater für Digitalisierung der Grund- und Mittelschulen im Landkreis, sollen die Arbeitsplätze der Lehrkräfte mit „All-in-one-Rechnern“ ausgestattet werden: Alle Bestandteile stecken im Monitor, es gibt keinen Kabelsalat. Die All-in-one-Rechner seien leistungsfähiger als Laptops, kosteten aber nicht mehr, sagt er. Die Grundschule benötigt 15 Geräte für ihre Räume. Die Klassleiter kriegen Dienst-Laptops, um virtuellen Unterricht anzubieten oder Präsenzunterricht vorzubereiten.

Ob es nicht lästig sei, diese Geräte ständig mitschleppen zu müssen, fragte Simone Greve (Grüne) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Das sei nicht erforderlich, erklärte Tina Beer, Klassleiterin an der Grundschule. Es reiche ein Speicherstick, um die Unterrichtsinhalte im Klassenzimmer präsent zu haben. Das helfe auch einer Vertretung, wenn zum Beispiel eine Lehrkraft erkrankt sei.

Für die Ausrüstung der Lehrer müsste eigentlich der Freistaat aufkommen

Für die Ausrüstung der Lehrer müsste eigentlich der Freistaat aufkommen, sagte Neumann. Die Gemeinde müsse sich normalerweise nur um die Ausstattung und den Unterhalt der Schulen kümmern. Der Freistaat habe sich aber dieser konkreten Aufgabe entledigt und sie auf die Gemeinden abgewälzt. Und das Förderprogramm reiche nicht aus, um die Rechner zu finanzieren. „Für 750 Euro bekommt man kein Gerät, das den Anforderungen genügt“, so Neumann. So sei im Rathaus entschieden worden, den sogenannten Verwaltungsaufwand in den Anschaffungspreis zu investieren, das seien immerhin 250 Euro pro Gerät. „Und was man dann in Händen hält, ist nur die Hardware“, ereiferte sich Neumann dem Merkur gegenüber. Die Software, also die nötigen Programme, um mit den Rechnern auch arbeiten zu können, müssten die Lehrkräfte selbst finanzieren. „Da lässt sie der Arbeitgeber auch wieder im Stich.“

Neumann hat sich an die Ausschreibung gemacht und die Förderanträge an die Regierung geschickt. Zehn, im Idealfall 13 Rechner sollte das Lehrerkollegium bekommen. Acht Geräte sind bewilligt und mittlerweile geliefert worden. „Damit sind wir die erste Grundschule im Landkreis, die diese Förderung bekommen hat“, sagte Bürgermeister Rainer Schnitzler.

„Und das reicht dann aus?“, fragte Greve. Lehrerin Beer musste verneinen: „Wir sind neun Klassleiter, eine Kollegin oder ein Kollege muss sich selbst einen Laptop anschaffen.“ Die Grünen-Gemeinderätin war entsetzt: „Das kommt ja gar nicht in Frage. Den neunten Rechner werden wir doch auch noch bezahlen können“, sagte sie an Bürgermeister und Geschäftsleiter gewandt. Dafür erntete sie nicht nur Beifall von Beer, sondern auch Zustimmung im Plenum. Neumann hofft, dass die Gemeinde weitere Laptops vom Freistaat gefördert bekommt. „Sollten nicht alle bewilligten Anträge abgerufen werden und noch Geld im Topf sein, könnten wir nachträglich begünstigt werden“, erklärte er dem Merkur.

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