Blick ins Pöckinger Hallenbad und aufs Becken, in dem kein Wasser ist.
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Ohne Wasser und geschlossen: Das Pöckinger Hallenbad genügt nicht den Anforderungen, die die Corona-Pandemie an einen Badebetrieb stellt. Die Abstände reichen nicht aus und auch die Lüftung nicht.

Zu wenig Lüftung, zu wenig Platz

  • vonSandra Sedlmaier
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Den Beschwerden von Bürgern über das geschlossene Pöckinger Hallenbad begegnet das Rathaus mit einem Prüfbericht. Der erklärt, warum das Bad in Corona-Zeiten nicht geöffnet sein kann. Gleichzeitig ist klar: Die Gemeinde Pöcking steht zum Ozon-Hallenbad und will es wieder öffnen, sobald es geht.

Pöcking – Das Pöckinger Hallenbad ist mit vier 25-Meter.-Bahnen klein, aber die Pöckinger lieben es. Immer wieder melden sich Bürger im Rathaus, weil sie nicht nachvollziehen können, warum das Bad wegen Corona geschlossen ist. Diesen Beschwerden begegnet die Gemeinde Pöcking nun im Detail. Sie hat ausführlich geprüft, warum die Schließung notwendig ist. Der Bericht wurde jetzt im Haupt- und Finanzausschuss vorgestellt. Das Fazit: Die Raumdimensionen sind insgesamt zu klein, um Abstände einhalten zu können. Zudem ist die Lüftung nicht ausreichend. Das macht einen Betrieb während der Pandemie unmöglich. „Wir sind nicht vergleichbar mit einem Spaßbad oder dem Seebad.“ Gleichzeit unterstreicht der Geschäftsführende Beamte, Sven Neumann, dass die Gemeinde unbedingt am Hallenbad festhält. Eine dauerhafte Schließung stehe nicht zur Debatte.

Die Hallenbad-Mitarbeiter sind laut Neumann aktuell im Bauhof und im Bauhof tätig. Nur einmal in der Woche sehen sie im Bad nach dem Rechten. Im Moment ist das Becken ohne Wasser, das Bad coronabedingt geschlossen. Denn: „Um einen Hallenbadbetrieb durchzuführen, sind die gesetzlichen Schutz- und Hygienemaßnahmen einzuhalten“, heißt es in dem Bericht. Zudem müsse ein Lüftungskonzept vorliegen. Beides ist nicht gegeben.

Beim Thema Sicherheit und Hygiene listet der Prüfbericht eine ganze Latte an Fakten auf, die gegen eine Öffnung sprechen. Dazu zählt, dass die Flächen für den Ein- und Austritt zum Teil nur 1,20 Meter breit sind und dass auch im Umfeld des Beckens nicht genug Platz ist, um Begegnungen zu vermeiden. Das Hallenbad sei für einen Einbahnverkehr nicht ausgerichtet, heißt es weiter.

Auch im Eingangsbereich ist das Bad alles andere als coronatauglich. Das fängt beim Kassenbetriebssystem an, das nicht kontaktlos arbeitet und keinen Spuckschutz bietet. Auch dort sei es schwierig, die Abstände einzuhalten – die Verwaltung geht davon aus, dass die Überwachung der Abstände zusätzliches Personal erfordern würde, ebenso wie die Aufnahme der Kontaktdaten und die Terminplanung. Auch das regelmäßige Desinfizieren der Griffe an Kabinen, Türen, WCs, Liegen, Duschknöpfen und Spinden könnte nur durch zusätzliche Mitarbeiter erledigt werden. Kosten würde auch der Einbau von Trennwänden im Duschbereich kosten. Und die Föhne könnte man mangels Abstandswahrung gar nicht nutzen.

Ein weiteres großes Manko für einen Betrieb unter Corona-Bedingungen stellt die Lüftungsanlage für das Schwimmbad dar. „In der Regel funktioniert die Lüftung mit 40 Prozent Außenluft und 60 Prozent Umluft“, erklärt Neumann. Das sei aber nicht coronageeignet. Zwar könne man die Zufuhr der Außenluft nach oben regeln, aber nur, wenn die Außentemperaturen das mitmachen. „Bei über 15 Grad ist ein Außenluftzufuhranteil von 100 Prozent möglich.“ Würde man bei tieferen Temperaturen dennoch einen höheren Außenluftanteil erzwingen, würde das die Anlage beschädigen. Im Bereich der Umkleiden wäre die Lüftung dagegen ausreichend, sagt Neumann. „Dort ist eine Anlage, die immer mit 100 Prozent Außenluft arbeitet.“

Auch der Schwimmbetrieb selbst müsste wegen der Pandemie permanent überwacht werden. Und die Sammelumkleiden könnten gar nicht genutzt werden. „Aufgrund der Abstandsregelungen sind maximal acht Einzelumkleiden, vier für Frauen, vier für Männer, nutzbar“, sagt Neumann.

Simone Greve (Grüne) schlug vor, prüfen zu lassen, ob man die Lüftungsanlage umrüsten kann. Neumann hält dies für sinnvoll: „Corona wird uns noch länger begleiten. Und Viren in den Aerosolen sind immer da.“

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