Der Raser-Unfall bei Possenhofen vom November 2019 landete nun vor Gericht.
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Der Raser-Unfall bei Possenhofen vom November 2019 landete nun vor Gericht.

Unfallopfer musste zur Psychotheraphie

Illegales Autorennen am Starnberger See: Junge Raser verurteilt - Zeugen liefern eindeutige Beweise

Ein Feldafinger (20) und sein Starnberger Kumpel (19) lieferten sich am 1. November 2019 ein illegales Autorennen. Nun saßen die beiden auf der Anklagebank des Starnberger Jugendgerichts.

  • Auf dem Weg ins Fitnessstudio liefern sich ein BMW- und ein Audifahrer ein illegales Autorennen.
  • Ein Mercedes-Fahrer kommt ihnen entgegegen - und hat keine Chance auszuweichen.
  • Vor Gericht schilderte das Unfallopfer aus Pöcking die Schrecksekunden.

Possenhofen – Die beiden Freunde traten an jenem Freitag auf dem Weg ins Fitnessstudio gehörig aufs Gas. Auf der Seeuferstraße zwischen Niederpöcking und Possenhofen raste der Starnberger in seinem Audi, dicht gefolgt vom BMW des Feldafingers. Nichts ahnend, kam ihnen ein Mercedes-Fahrer entgegen, der auf Höhe des Kiosks Steg 1 keine Chance hatte auszuweichen.

Im Zeugenstand schilderte das Unfallopfer (60) aus Pöcking die Schrecksekunden: „Ein Fahrzeug kam sehr schnell aus der Kurve heraus. Etwa ein Drittel der Fahrzeugbreite war auf meiner Fahrspur, das Auto hat sich dann aber wieder zurückbewegt.“ Als nach dem Audi dann auch der BMW auf den 60-Jährigen zu brauste, kam es zum Zusammenstoß. „Plötzlich konnte der Fahrer seinen BMW nicht mehr fangen und ist im 90-Grad-Winkel in mein Fahrzeug rein.“

Illegales Autorennen bei Possenhofen: Junge Raser vor Gericht

Seine auf dem Beifahrersitz sitzende Lebensgefährtin (58) habe zunächst keine Luft mehr bekommen und musste mit Rippenfraktur und Prellungen, unter anderem am Brustkorb, ins Krankenhaus gebracht werden. Der Pöckinger verletzte sich am Zeh, biss sich beim Aufprall auf die Zunge und erlitt zudem eine Handfraktur sowie Schürfwunden am Kopf. Der Mercedes endete als Totalschaden.

Nach Unfall: Opfer aus Pöcking verarbeitet traumatisches Geschehen mit Psychotherapie

Die Pöckingerin konnte das traumatische Geschehen nur schwer verdauen: „Ich dachte wirklich, dass wir das nicht überleben, Es knallte, es quietschte, es splitterte Glas. Ich hatte wahnsinnige Brustschmerzen, war eingeklemmt am Bein.“ Die Frau musste von der Feuerwehr freigeschnitten werden und den Unfall mit einer Psychotherapie verarbeiten.

Während der 20-jährige Raser ein Schädelhirntrauma erlitt, zog sich dessen 16-jähriger Beifahrer mehrere Brüche sowie Schnittwunden im Gesicht zu. Er sagte vor Gericht: „Er wollte seinen Freund einholen und hat in der Kurve die Kontrolle verloren.“ Beide Täter stritten nachdrücklich ab, ein Autorennen gefahren zu sein. Der BMW-Fahrer habe ohnehin jede Erinnerung an den Unfalltag verloren.

Illegales Autorennen im Landkreis Starnberg: Raser erleidet Schädelhirmtrauma

Ein Beweis für das hohe Tempo: Der Tacho blieb beim Unfall bei 84 km/h stehen. An der Seeuferstraße sind allerdings nur 60 km/h erlaubt. Verdachtsmomente lieferte ein Familienvater, der die Angeklagten wenige Wochen zuvor bei Driftübungen auf einem Starnberger Supermarktparkplatz beobachtet hatte. Der Verkehrssachverständige ergänzte das Bild um ein Detail: „Die Winterreifen des BMW waren stark abgefahren. Die Reifen waren öfter am Durchdrehen, das war klar.“

Für die Staatsanwältin stand fest: „Das Rennen ergibt sich schon aus der Aussage des Beifahrers, der BMW-Fahrer habe am Audi-Fahrer dranbleiben wollen. Zudem haben Zeugen bestätigt, dass es bei beiden Autos das gleiche Manöver war – dicht aufeinander.“ Jugendrichter Ralf Jehle verurteilte den Unfallverursacher wegen fahrlässiger Körperverletzung und „verbotenen Kraftfahrzeugrennens“ zu einem Freizeitarrest plus 80 Sozialstunden.

Gericht: Raser aus Starnberg zu Freizeitarrest und Sozialstunden verurteilt

Sein Freund wurde nur wegen des Rennens verurteilt und kam mit 80 Sozialstunden davon. In einem Jahr bekommen die beiden ihren Führerschein wieder. „Es ging für beide darum, den anderen abzuhängen und sich nicht abhängen zu lassen. Sie waren hier unterwegs wie zwei Geschosse. Ich bin der Überzeugung, dass der Raserei-Paragraf hier seine Berechtigung findet“, so der Jugendrichter.

Mehrere Sportwagen lieferten sich kürzlich auch auf der Garmischer Autobahn A95 ein illegales Autorennen - mit teils verstörenden Szenen.

Nilda Frangos

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