Vorsichtiger Optimismus: Christian Burggraf, Leiter der Jugendherberge Possenhofen, arbeitet mit seinen Mitarbeitern auf eine Öffnung hin. Wann die möglich sein wird, weiß er nicht einmal in Ansätzen.
+
Vorsichtiger Optimismus: Christian Burggraf, Leiter der Jugendherberge Possenhofen, arbeitet mit seinen Mitarbeitern auf eine Öffnung hin. Wann die möglich sein wird, weiß er nicht einmal in Ansätzen.

Öffnungszeitpunkt nicht abzusehen

Jugendherbergsleiter am Starnberger See: „Ich hätte gerne eine Perspektive“

  • vonSandra Sedlmaier
    schließen

Die Jugendherberge in Possenhofen bereitet sich ganz langsam auf eine mögliche Öffnung vor. Denn wann Herbergsleiter Christian Burggraf aufsperren darf, steht weiter in den Sternen. Immerhin steht der Jugendherbergsstandort Possenhofen nicht zur Disposition.

Possenhofen – Die wunderbare Lage am See, die gute Ausstattung der Zimmer – nein, eine Schließung des Standorts Possenhofen steht beim Deutschen Jugendherbergswerk keineswegs zur Debatte. „Possenhofen ist einer der stärksten Standorte“, sagt der Chef der Jugendherberge, Christian Burggraf. Aber nicht im Corona-Jahr 2020. Burggraf meldet einen gravierenden Rückgang bei den Übernachtungen und einen massiven Rückgang bei den Schulklassen. Der Umsatz ist 2020 um 62 Prozent eingebrochen. Jetzt hofft er zumindest bald auf Informationen, wie sich diesjährige Saison entwickeln könnte.

Der Leiter der Jugendherberge spricht nicht einmal von einer möglichen Öffnung seines Hauses. Er wünscht sich zunächst nur „eine Öffnungsperspektive“. „Ich und wir als Verband tragen die politischen Entscheidungen mit, aber es muss irgendwie weiter gehen“, sagt Burggraf. „Ich hätte gerne eine Perspektive, auf die man hinarbeiten kann. Es macht einen Unterschied, ob man in drei Wochen oder in zwei Monaten aufmachen darf.“

Burggraf hatte auf Ostern spekuliert, aber es wird wohl frühestens Pfingsten werden. „Wir haben für Ostern ein paar Buchungen vorliegen“, erzählt er. Darunter ein Sprachcamp, dessen Organisatoren schon damit rechneten, dass sie nicht kommen könnten. Und ein paar Familien, „die dringend einen Tapetenwechsel bräuchten“, wie Burggraf sagt. Einige seien vom vergangenen Jahr umgebucht worden. Das sei auch heuer wieder passiert: Es werde auf 2022 umgebucht. Hoffnung auf die Zukunft.

Rund 12 000 Übernachtungen weniger als 2019

Der Blick in die Vergangenheit, wie das vergangene Jahr ausgesehen hat, ist nicht so schön. „2019 hatten wir 28 245 Übernachtungen, 2020 waren es nur 10 413“, berichtet Burggraf. „Das ist ein Rückgang von 63 Prozent.“ Vor allem fehlten die Schulklassen. 9929 Schüler waren 2019 am Starnberger See zu Gast, 2020 betrug deren Zahl 756 – ein Rückgang von 92 Prozent. Ursache für Letzteres ist nicht nur Corona, sondern auch die verzögerte Öffnung erst im Mai. „Zwischen Pfingsten und den Sommerferien passiert kaum etwas im Bereich Schule“, ist Burggrafs Erfahrung. „Ein paar Schulklassen kamen noch aus anderen Bundesländern, als wir hier noch Sommerferien hatten. Aber die klassischen Klassenfahrten fanden einfach nicht statt.“ Die Übernachtungsdefizite machen sich bei den Umsatzzahlen bemerkbar: minus 62 Prozent, von 1,2 Millionen im Jahr 2019 auf 456 000 Euro im Jahr 2020. Die Zahlen decken sich mit den Ergebnissen, die das Deutsche Jugendherbergswerk für alle seine Einrichtungen meldet: 61 Prozent weniger Übernachtungen, 60 Prozent weniger Umsatz.

Dabei ist das Gebäude in Possenhofen gut eingerichtet, das Hygienekonzept funktionierte, so Burggraf. Die Gänge sind breit genug, es war eine Einbahnstraßenregelung möglich. Einen Corona-Fall gab es bisher nicht.

Vergangenes Jahr waren Burggrafs elf Mitarbeiter in Kurzarbeit. Jetzt fangen sie langsam an, das Gebäude für die Öffnung vorzubereiten, streichen Wände, richten her. Und hoffen, dass sie irgendwann erfahren, wann sie aufsperren dürfen. Dann lohnt sich das Staub wischen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare