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Die Erfinderin des Museumskoffers: Roswitha Wenzl, Leiterin des Kinder- und Jugendprogramms, vor dem geschlossenen Kaiserin Elisabeth Museum in Possenhofen. 

Einrichtung in Possenhofen

Kaiserin Sisi im Koffer: Geschlossenes Museum bietet kreativen Ersatz an

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Das Kaiserin-Elisabeth-Museum in Possenhofen wird heuer wohl nicht mehr öffnen. In der Öffentlichkeit präsent bleiben will es trotzdem – nicht nur mithilfe der neuen Webseite, sondern auch mit den Museumskoffern. Sie sind vor allem, aber nicht nur für Schulklassen gedacht.

Possenhofen – Rosemarie Mann-Stein spricht von „unserer Frauschaft“, wenn sie die rund 20 Damen meint, die durch das Kaiserin Elisabeth Museum in Possenhofen führen. „Für viele ist das ein wichtiger Lebensinhalt geworden“, sagt die Museumsleiterin. „Traurig und enttäuscht“ seien sie alle. Mann-Stein hat sich mit Pöckings Bürgermeister Rainer Schnitzler darauf geeinigt, das Sisi-Museum heuer nicht mehr aufzusperren. „Wir haben einfach zu wenig Platz und können die Abstandsregeln nicht einhalten. Der mittlere Raum ist gerade mal zehn Quadratmeter groß“, erklärt die Chefin. Noch dazu kämen viele Gruppen mit Bussen in die Einrichtung am Starnberger See.

Präsent in der Öffentlichkeit wollen die Pflegerinnen der kaiserlichen Geschichte aber trotzdem bleiben. „Ich freue mich, dass ich mit unserer neuen Internetseite mehr Möglichkeiten habe“, sagt Mann-Stein. Sie plant eine Powerpoint-Präsentation zur nun entfallenen Sonderausstellung über Herzogin Sophie Charlotte, Verlobte von König Ludwig II. und jüngere Schwester von Sisi. „Damit die Leute wenigstens eine Idee davon bekommen, was wir zeigen wollten.“

Der Inhalt des Koffers: Bücher, Puzzles, Rätsel und mehr

Aber das Sisi-Team bringt Kaiserin und Co. den Menschen heuer nicht nur digital näher – sondern auch ganz analog per Koffer. Erfinderin der Sisi-Mobil-Museumskoffer ist Roswitha Wenzl. Sie hatte die Idee vor etwa vier Jahren bei der Entwicklung eines Kinder- und Jugendprogramms. Ursprünglich war es für Lehrer von Grundschulklassen gedacht, zur Vorbereitung auf den Museumsbesuch. Im sogenannten Bildungskoffer finden sich Bücher über die Kindheit der späteren Kaiserin, CDs mit Zither- und Volksmusik von Herzog Max in Bayern, Memory-Spiele mit Motiven von Museumsobjekten, Puzzles, Rätsel, Bilder zum Ausmalen oder Anziehpuppen zum Ausschneiden. 

Nun, in Corona-Zeiten, könne der Koffer eine „lebendige Ergänzung im Heimat- und Sachkundeunterricht“ sein. Das Sisi-Museum verleiht ihn ab sofort unabhängig vom Museumsbesuch. „Wir hatten trotz geschlossener Schulen schon Anfragen von Lehrern, die sich auf den Unterricht vorbereiten wollen. Darauf möchten wir möglichst flexibel reagieren“, sagt Wenzl. Mit dem Koffer könnten die Kinder nicht nur gedanklich, sondern auch sinnlich an die lokale Geschichte herangeführt werden. Und sogar Sisis Handschrift nachahmen. „Es gibt Vorlagen und Aufgabenmappen für die Schüler“, erklärt Wenzl.

Die Handschrift der Kaiserin lernen

Die Jugendbeauftragte geht mit dem Angebot speziell auf die Bedürfnisse und Interessen des Nachwuchses ein. „Kinder kriegt man nicht ins Museum, wenn sie nur an Vitrinen vorbeilaufen dürfen, nichts anfassen und bloß nichts schmutzig machen sollen“, sagt sie. Das Kinder- und Jugendprogramm bot in der Vergangenheit immer wieder auch die Möglichkeit, Prinz und Prinzessin zu spielen oder alte, höfische Tänze zu lernen.

Lehrer, Erzieher, Vereine, Jugendherbergen, Schullandheime und übrigens auch Familien können sich den Koffer ausleihen. Es gibt zwei davon: einen für Schulkinder mit Arbeitsmaterial und einen für Kindergartenkinder mit Stoffen und Borten zum Verkleiden und Dekorieren. Die Leihgebühr für Koffer und Materialientasche beträgt 20 Euro, die Ausleihzeit in der Regel bis zu 14 Tage.

Für Wenzl ist der Koffer ein symbolisches Museumsstück, er passt zur Kaiserin. „Sisi ist ja ihr Leben lang gereist“, sagt sie. Weiterhin viel zu Hause bleiben wird das Museumsteam heuer – schon wegen seiner Zusammensetzung. Die Damen sind in fortgeschrittenem Alter. Wenzl betont: „95 Prozent gehören Risikogruppen an.“

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