Kindertagesstätte
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Kindergartengebühren sind dank eines Zuschusses des Freistaats günstig in Bayern (Symbolbild). 

Einrichtung der Gemeinde

Kranke Kinder, „Luftbuchungen“, Impfpflicht: Viele Sorgen im Pöckinger Kindergarten

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Eltern, die kranke Kinder bringen, schlecht erreichbar sind und die Buchungszeiten nicht einhalten: Damit kämpft der Pöckinger Gemeindekindergarten seit geraumer Zeit. Das wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung deutlich.

Pöcking– Beim Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ schaltete sich Jugendreferentin Karin Wania-Michels (CSU) ein. An sie seien Sorgen rund um den Gemeindekindergarten herangetragen worden. Problem Nummer eins: „Einige Eltern buchen den Kindergartenplatz bis 16 Uhr, holen ihre Kinder dann aber schon um 14 Uhr ab.“ Ausreichend Personal muss die Gemeinde trotzdem vorhalten. Gesetzlich muss sie einen Schlüssel von 1:11 erfüllen, also je eine Erzieherin für elf Kinder zur Verfügung stehen. Die Gemeinde hat sich einst selbst einen Schlüssel von 1:8 auferlegt, um die Kinderbetreuung zu verbessern. Wird der Schlüssel allerdings übererfüllt, kann das negative Folgen für die Kommune haben. Die von Wania-Michels angesprochenen „Luftbuchungen“ können förderschädlich sein, erklärt Geschäftsleiter Sven Neumann auf Nachfrage des Starnberger Merkur. „Der Staat zahlt nur für die Zeiten, die tatsächlich in Anspruch genommen werden.“

Der Gemeinde droht also, dass sie Zuschüsse zurückzahlen muss, wenn die Buchungszeiten regelmäßig nicht eingehalten werden. Diese Sorge hätten auch andere Gemeinden im Landkreis. „Die Eltern buchen heute so, morgen so“, sagte Neumann in der Sitzung. Die Zeiten könnten die Erziehungsberechtigten monatlich ändern. Den Grund für deren Sprunghaftigkeit sieht Neumann in den günstigen Gebühren. 40 Euro im Monat zahlen Eltern in Pöcking maximal – dank des neuen Zuschusses des Freistaats von 100 Euro. So ließe sich ein Ganztagsplatz – Montag bis Freitag von 7.30 bis 16 Uhr – laut dem Geschäftsleiter „locker stemmen“.

Kinder mit Magen-Darm-Virus oder Grippe abgegeben

Die zweite Anmerkung von Jugendreferentin Wania-Michels im Gemeinderat: „Es werden immer wieder kranke Kinder mit Magen-Darm-Virus oder Grippe abgegeben – und die Eltern sind dann nicht zu erreichen.“ Neumann betonte: Es gelte, sie dafür zu sensibilisieren, dass kranke Kinder im Zweifel besser daheim aufgehoben sind – „am besten dann, wenn sie abgeholt werden“.

Die Kindergartenleitung treibt derzeit noch ein weiteres Thema um – die Impfpflicht gegen Masern, die ab 1. März gilt. „Wir haben erst jetzt vom Landratsamt erfahren, wie wir das umsetzen müssen“, sagt Neumann. Lange sei nicht klar gewesen, in welchen Fällen man Kinder abweisen muss und welche Ausnahmen es gibt. Nun ist aber klar: Den Impfnachweis müssen Eltern von Kindern liefern, die nach dem 1. März neu aufgenommen werden. Für Kinder, die die Einrichtung bereits besuchen, gilt eine Frist bis zum Juli 2021. Und was passiert, wenn doch ein Kind Masern zu haben scheint? Neumann: „Auffälliges wird ans Gesundheitsamt gemeldet – es kann einzelne Kinder dann ausschließen.“ Die Leiterin des Kindergartens bereite derzeit ein Schreiben vor, um alle Eltern über die Rahmenbedingungen der Impfpflicht zu informieren.

Bürokratische Zwickmühlen und Komplikationen hatten im vergangenen Jahr einen anderen Pöckinger Kindergarten in Bedrängnis gebracht. Die Montessorikrippe war von Landratsamt und Gemeinde aufgefordert worden, 257 000 Euro an Zuschüssen zurückzuzahlen – weil sie Förderrichtlinien nicht eingehalten haben soll. Die hohen Forderungen trieben die Einrichtung in die Insolvenz. Zum 1. November übernahm der Verein Montessori Biberkor aus Berg die Trägerschaft.

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