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Die Figuren sind gereinigt von Moos und Schimmer, auch neu eingelassen mit Firnis, um Wind und Wetter zu trotzen.

Kreuzigungsgruppe

Kleinod auf dem Kalvarienberg

Die Kreuzigungsgruppe auf dem Kalvarienberg in Possenhofen erstrahlt seit einigen Tagen im neuen Glanz. Dem vorangegangen waren intensive Bemühungen Pöckinger Bürger.

Possenhofen Es war einer der Lieblingsplätze der Kaiserin Sisi, der Possenhofener Kalvarienberg. Oft soll sie vom Possenhofener Schloss aus hier hinaufgeritten sein. Die heute vielbefahrene Straße gab es damals noch nicht, die Kaiserin ritt auf einsamen Waldwegen.

Wer heute hinaufpilgern will, muss sein Auto am Schloss oder am Bahnhof abstellen und beherzt in der engen S-Kurve an der Possenhofener Straße die Straßenseite wechseln, um in den schmalen Pfad gegenüber der Jugendherberge in den Kreuzweg einzubiegen. Der Steig schlängelt sich gemächlich den Hügel hinauf. Oben angekommen, kann man nicht nur den herrlichen Blick über den See genießen, sondern auch die im Jahr 1648 hier aufgestellte Kreuzigungsgruppe bewundern.

Ein Wening-Kupferstich, der 1701 entstanden ist, zeigt, dass der Kalvarienberghügel zu seiner Entstehungszeit noch fast baumlos war. Auf dem Stich scheint das Schloss Possenhofen nur einen Steinwurf entfernt, eine Wiese und eine Treppe verband das Schloss und den Gipfel mit der Kreuzigungsgruppe, der großen Figur der Schmerzhaften Maria und einer etwas entfernt gelegenen Ölberggruppe, die in einer Kapelle, die wohl erst vierzig bis fünfzig Jahre später dazu gekommen ist, untergebracht ist. Auf dem Sockel der Marienstatue war einst die Zahl 1648 zu lesen.

„Die Jahreszahl legt nahe, dass mit der Stiftung Dank und Erleichterung für das ersehnte Ende des 30-jährigen Krieges verbunden waren“, schreibt die Kirchenhistorikerin Gertrud Rank. Die Possenhofener waren während des Krieges von schwedischen und bayrisch-kaiserlichen Soldaten malträtiert worden, der Herr der Hofmark, Hans Caspar Hörwarth wurde gefoltert und misshandelt, kam nur knapp mit dem Leben davon.

Darüber hinaus hatten nur wenige Possenhofener die heftig grassierende Pest überstanden. „Ihr persönliches Golgatha hatten sie alle erlebt“, schreibt Gertrud Rank. Sie erforscht gerade die Geschichte des Possenhofener Kalvarienbergs und der Kreuzigungsgruppe, die nun rechtzeitig zum Osterfest aus den Münchner Restaurierungswerkstätten zurückgekommen ist. Vier Mann brauchte es, um die lebensgroßen Figuren, die aus einem Eichenstamm geschnitzt wurden, ab- und wieder aufzuhängen. Nun strahlen die Figuren wieder in ihrer weißen Fassung, sie sind gereinigt worden von Moos und Schimmel, auch neu eingelassen mit Firnis, um in den nächsten Jahren Wind und Wetter zu trotzen.

Fast fünf Wochen lang haben sich die vier bis fünf Mitarbeiter der Restaurierungswerkstatt Erwin Wiegerling in Gaißach bei Bad Tölz der Restaurierung der Figuren gewidmet. Nach Angaben des Münchner Restaurators Stefan Hundbiß sind die Figuren im 17. Jahrhundert aus Eiche geschnitzt worden. Viele verschiedene Fassungen liegen über dem rohen Holz, aber sie lassen keine genaue Datierung zu. Dass die Kreuzigungsgruppe vor dem Verfall gerettet wurde, ist vor allem den beiden Pöckingern Gerhard Köstler und Martin Erhard zu danken.

Sie haben den Kontakt zu Robert Brannekämper hergestellt, ein Münchner Landtagsabgeordneter, der sich bei der Stadt für eine Restaurierung stark gemacht hat. „Die Figuren waren in einem erbärmlichen Zustand“, bestätigt er. Er war es auch, der sich dafür eingesetzt hat, dass ein kunsthistorisches Gutachten erstellt wird, an dem gerade der Münchner Kirchenhistoriker Dr. Michael Schmid arbeitet.

Das Bistum Augsburg hat schon in einem Schreiben an Karin Wania-Michels von der Zukunftswerkstatt Pöcking, die sich ebenfalls für die Restaurierung engagierte, die Besonderheit des Possenhofener Kalvarienbergs bestätigt. Darin heißt es: „Aufgrund der historischen Bezüge und der hohen künstlerischen Qualität spricht vieles dafür, einen Münchner Bildhauer als Urheber der Figurengruppen zu vermuten. Möglicherweise käme Balthasar Ableithner in Frage“.

Das entspräche der Vermutung des Hobbyhistorikers Gerhard Köstler. Es wäre eine kleine Sensation. Balthasar Ableithner war der Hofbildhauer von Herzog Albrecht VI. und schuf die Evangelisten Markus, Lukas und Johannes in der Theatinerkirche. Damit wären die Figuren von Possenhofen dann in ausgesprochen nobler Gesellschaft.

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