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Den Wahlkampf zum Dialog nutzen: Gabi Fuchs (r.) vom Helferkreis betr eut einen Afghanen (l.) und einen Mann aus Niger in ihren Asylverfahren. In Pöcking stellte sie die Männer CSU-Landtagskandidatin Dr. Ute Eiling-Hütig vor. 

Serie zur Landtagswahl: 30 Minuten mit...

Dialog bei Weißwurst und Weißbier

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Wir begleiten die Landtagskandidaten unseres Stimmkreises bei ihrem Wahlkampf – eine halbe Stunde, die Aktion schlägt der Politiker vor. Heute: Dr. Ute Eiling-Hütig (CSU) mit ihrem Info-Stand beim Metzger.

Pöcking – Die erste Weißwurst ist noch nicht gezuzelt, das erste Weißbier noch nicht getrunken, da kommt auf Dr. Ute Eiling-Hütig der erste schwere Fall zu. Gabi Fuchs nutzt an diesem Samstagvormittag die Gelegenheit, um in Pöcking mit der CSU-Landtagsabgeordneten ins Gespräch zu kommen. Eiling-Hütig will vor der Metzgerei Lutz um Stimmen werben. Es sind viele CSU-Politiker und -Sympathisanten da, es wird mehr ein parteiinterner Austausch, zwei Besucher tragen Ute-Eiling-Hütig-T-Shirts. Gabi Fuchs vom Helferkreis kommt mit gelber Jacke und vielen Fragen. „Es ist wichtig, dass Sie die Herren kennen lernen“, sagt sie. Neben ihr stehen ein Afghane (19) und ein Mann aus Niger (31).

Abschiebe-Praxis: „In manchen Fällen ist das ungünstig“

Der Afghane ist gerade im Berufsgrundschuljahr, hat die Zusage für eine Zimmerer-Ausbildung schon in der Tasche – nun kam der Ausreisebescheid. „Er soll dorthin abgeschoben werden, wo die Taliban herrschen“, sagt Fuchs. Eiling-Hütig: „Es gibt auch unbekriegte Gebiete in Afghanistan.“ Fuchs: „Dort soll er ohne Familie leben?“ Eiling-Hütig: „In manchen Fällen ist das ungünstig.“ Solche Fälle gibt es häufiger. Wunsch trifft auf Realität, Integration auf Abschiebepraxis. „Oft werden Asylbewerber während der Ausbildung abgeschoben“, sagt ein Mann verärgert. „Das stimmt nicht“, sagt Eiling-Hütig. „Drei plus zwei funktioniert hier im Landkreis.“ Laut dieser Regelung darf ein Flüchtling, der seine Ausbildung begonnen hat, diese auch abschließen – selbst wenn sein Asylantrag negativ beschieden wird. „Plus zwei“ steht für eine zweijährige Anschlussbeschäftigung.

Vor Ort lässt sich das aber schwer klären. Eiling-Hütig möchte bei den Behörden noch mal nachfragen. Vorerst bleibt es ein weiterer Fall von vielen auf ihrem Schreibtisch. „Das sind ganz unterschiedliche Bürger-Anliegen“, sagt sie. Darunter sind Fragen zu Baugenehmigungen, aber auch Parkscheingenehmigungen. „Bei einigen Dingen kann ich aus rechtlichen oder sachlichen Gründen nicht helfen“, sagt die Landtagsabgeordnete.

Auf Seehofer wird Eiling-Hütig oft angesprochen

„Möchte jemand Weißwürste, ein Weißbier“, fragt einer der anwesenden CSU-Politiker in die Runde. „Ein kleines Wasser, für die Stimmbänder“, bittet Eiling-Hütig. Eine Viertelstunde später schenkt sie sich selbst eins ein. Vor zwei Wochen hat Ministerpräsident Markus Söder Eiling-Hütig angerufen. Fazit? „Ein totaler Spurwechsel wird schwierig. Ich habe ihm deutlich gesagt, dass man mit den Helferkreisen zusammenarbeiten soll, die kennen die Leute vor Ort.“

Währenddessen sprechen sie an den Tischen über Seehofer. „Wie der unsere Chancen torpediert, ist eine Katastrophe“, sagt eine Frau. „Asyl ist nicht Thema Nummer eins in der Bevölkerung, das kapiert er einfach nicht.“ Sie habe schon mehrere Parteivorsitzende erlebt, bis hin zu Franz Josef Strauß. „Seehofer ist der ungeschickteste überhaupt.“ An einem anderen Tisch munkeln sie, ob es wirklich für 40 Prozent reicht. Eiling-Hütig kommt um kritische Fragen zu ihrem Parteivorsitzenden nicht umhin. „Die Leute fragen, ob das wirklich stimmt, was in der Zeitung steht. Vieles kann ich erklären. Ich bin aber nicht immer zu hundert Prozent glücklich mit seinen Aussagen.“ Eiling-Hütig kann sich im Wahlkampf kaum eine Breitseite erlauben. Sie sagt aber: „Tun ist besser als reden.“

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