Lola Montez, gemalt von Karl Stieler, für die Schönheiten-Galerie von Ludwig I. in Nymphenburg.
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Lola Montez kam 1846 nach München. Sie gab sich als spanische Tänzerin aus. König Ludwig I. erhob sie in den Adelsstand.

Marita Krauss aus Pöcking bei Aktion für Lola Montez

Weltumspannende Grüße zum Geburtstag

  • vonSandra Sedlmaier
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In vielen Orten weltweit wird am morgigen Mittwoch des 200. Geburtstags von Lola Montez gedacht. Unter anderem mit einem Beitrag aus Pöcking von ihrer Biografin Prof. Marita Krauss und deren Ehemann Erich Kasberger.

Pöcking/Grass Valley – Lola Montez’ Geburtstag jährt sich am 17. Februar zum 200. Mal – ein Grund für ihre Pöckinger Biografin Prof. Marita Krauss, sich an einer weltumspannenden Hommage für die Frau zu beteiligen, die die Bayern vor allem als Geliebte von König Ludwig I. kennen. Die Bibliothek des Städtchens Grass Valley im Nevada County im US-Bundesstaat Kalifornien organisiert anlässlich von Lola Montez’ Geburtstag ein Online-Event, bei dem Krauss und ihr Ehemann Erich Kasberger dabei sind. Sie zeigen ihre Lesung, die sie im Herbst im Literaturhaus in München anlässlich der Präsentation von Krauss’ Biografie gaben.

Lola Montez (1821-1861) war eine schillernde Persönlichkeit. Sie wurde als Elizabeth Gilbert in Irland geboren, brannte mit 16 durch, um einer Vernunftehe zu entgehen, erfand sich als angebliche spanische Tänzerin unter dem Namen Maria de los Dolores Porrys y Montez neu und lebte in Indien, Paris, England, München, Amerika und Australien. Sie war blitzgescheit, führte ein selbstbestimmtes Leben und verdiente – zumindest später mit ihren Auftritten über ihr bewegtes Leben in den USA – eigenes Geld. Mit nur 39 Jahren starb sie an einer Lungenentzündung in New York.

Die Lola-Montez-Lesung von Marita Krauss und Erich Kasberger ist vergnüglich und wird gerade mit englischen Untertiteln versehen. „Das ist gar nicht so einfach, weil wir auch bayerische Schmähgedichte präsentieren“, erzählt die Autorin. Darunter ein „Lola-Vaterunser“, mit dem die bayerische Bevölkerung gegen „die spanische Hure“ gehetzt hatte. Das Historiker-Ehepaar hat eigens für die Geburtstagspräsentation auch noch eine Einleitung vorbereitet, die gerade im Beccult abgedreht und inzwischen nach Kalifornien verschickt wurde.

Warum ausgerechnet Grass Valley in Kalifornien? „Lola Montez lebte dort zwei Jahre, von 1853 bis 1855“, berichtet Krauss. „Damals hatte sich der Goldrausch von der Küste in die Berge zurückgezogen. In Grass Valley hat man mit modernster Technik Gold abgebaut.“ Lola Montez habe sich an einer Goldmine beteiligt, ein Haus erworben, einen Grizzly-Bären im Garten gehalten sowie Kakteen gepflanzt. „Dann wurde es ihr vermutlich zu langweilig und sie ging zu Auftritten nach Australien“, sagt Krauss.

Lola Montez’ Geburtsort in der Provinz Sligo in Irland werde sich an der Geburtstagsgala beteiligen, weiß die Historikerin. „Dort will ein Lola-Montez-Nightclub etwas beisteuern, aber auch die örtliche Bibliothek, die eine Miniatur von Lola besitzt.“ In New York würden Blumen am Grab abgelegt.

Mit dem Autor Bruce Seymour, dessen Montez-Biografie 1996 erschien, pflegt Marita Krauss einen regen E-Mail-Austausch, er nimmt ebenfalls an dem Gedenken teil. Und auch eine Familie vom Starnberger See ist dabei: „Die Familie von Jordan aus Deixlfurt gehört zu den Nachfahren einer Familie, die mit Lola befreundet war“, sagt Krauss. „Auch sie schickt einen Gruß.“

Im Dezember erschien Marita Krauss’ Biografie im C.H.Beck-Verlag über die Frau, die mit 25 als spanische Tänzerin König Ludwig I. den Kopf verdrehte (wir berichteten). Wobei, wie die Geschichtsprofessorin feststellte, die Beziehung zum König sich ganz anders darstellte als bisher angenommen. „Die Wahrnehmung war ja immer, er sei ihr hörig gewesen und ihr zu Füßen gelegen. Er lag ihr zwar zu Füßen, aber es war eine sehr keusche Beziehung“, sagt Krauss, die für die Arbeit an der Biografie erstmals einen Einblick in die Tagebücher des Königs werfen konnte. „Sie waren nur zweimal miteinander im Bett.“ Aber Ludwig sei jeden Tag zu Lola gekommen, sie hätten Händchen gehalten und miteinander den spanischen Dichter Calderón und „Don Quijote“ gelesen. „Es wurde auf Spanisch und Französisch parliert. Ludwig war anspruchsvoll, aber Lola konnte ihm genügen.“

Die Arbeit am Leben Lola Montez’ hat Marita Krauss Spaß gemacht. Sie wollte keine Biografie schreiben ohne neue Quellen. Da war es ein Geschenk, die Tagebücher einsehen zu können. „Ludwig fühlte sich immer verantwortlich und versuchte, sie zu schützen, weil sie so schlecht behandelt wurde“, sagt die Historikerin. Als er erkannte, wie Lola ihn belogen hatte – er war immer davon ausgegangen, sie sei Spanierin –, fand er langsam den Weg aus der Beziehung. „Mein Buch ist ein Buch des Abschieds von einer großen Liebe und einer großen Illusion geworden“, sagt Krauss. Ludwigs Galanterie im ritterlichen Sinne sei auch Lola bewusst gewesen. „Später, als sie im letzten Abschnitt ihres Lebens als Vortragsreisende unterwegs war, schrieb sie voller Charme und mit großer Empathie über Ludwig I.“

Das Online-Event

über Lola Montez ist ab Mittwoch, 17. Februar, über die Facebook-Seite der Bücherei in Grass Valley zu sehen: www.facebook.com/nevadacountylibrary. Dort heißt es: „Happy Birthday Lola Montez! One of Nevada County’s most famous historical residents, Lola Montez, turns 200 today! We’re kicking off a series of programs about Lola today on our Facebook at 1 pm. Check it out. (Alles Gute, Lola Montez! Eine der berühmtesten historischen Persönlichkeiten des Nevada County wird heute 200. Wir bereiten eine Reihe von Programmen heute auf unserer Facebook-Seite vor. Schau nach.)“ Beginn ist um 13 Uhr lokaler Zeit in Kalifornien, das heißt 22 Uhr abends in Deutschland.

Lesung im Beccult

Professor Marita Krauss präsentiert ihre Lola-Montez-Biografie am Montag, 8. März, um 19.30 Uhr im Pöckinger Beccult – allerdings als digitale Veranstaltung. Wer dabei sein möchte, muss sich per E-Mail anmelden an kulturmontag@poecking.de, Betreff: Lola Montez. Dann bekommt derjenige den Link zugeschickt, mit dem er sich in die Veranstaltung einklinken kann. Wenn jemand mehrere Besucher anmeldet, ist von jedem eine eigene Mailadresse nötig. Die Teilnahme ist kostenlos. Das Buch „Ich habe dem starken Geschlecht überall den Fehdehandschuh hingeworfen – das Leben der Lola Montez“ ist im vergangenen Jahr im C.H.Beck-Verlag erschienen und kostet 24 Euro. 

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