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Sonnenuntergang am Starnberger See

Tourismus

Das Millionengeschäft mit der schönen Landschaft

Pöcking – Der Verband verzeichnet weiter steigende Übernachtungszahlen – 260 Millionen Euro Umsatz sind es allein im Landkreis.

Ein Hauch von Abschied lag über der Versammlung des Tourismusverbandes im Pöckinger Rathaus: Nach 40 Jahren wird der Verband aller Wahrscheinlichkeit nach heuer seine Selbstauflösung beschließen und aus Synergie-Gründen mit der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Landkreis Starnberg (gfw) verschmolzen (wir berichteten). Hinsichtlich der finanziellen Verbandsanteile und künftigen Stimmrechte habe man bereits einen „fairen Kompromiss gefunden“, sagte der Vorsitzende Bernhard Sontheim. 80 Prozent der Alt-Anteile gehen in die gfw über, ebenso 100 Prozent der noch vom Tourismusverband bis 31. Dezember 2016 generierten neuen Mitglieder. 

Holländer "kommen neuerdings auch ohne Wohnwagen"

Mit jenen Gemeinden, die nicht Vollmitglied des alten Tourismusverbandes sind und wie Münsing, Seeshaupt und Bernried unter „Interessengemeinschaft“ (IG) firmieren, wird die „gfw neu“ Dienstleistungsverträge abschließen. „Es wird dann Unterstützung in touristischen Belangen, aber keine Wirtschaftsförderung geben“, stellte Sontheim klar, dass man durch Nicht-Landkreisgemeinden „unseren eigenen Unternehmen keine Konkurrenz machen“ werde. Klaus Götzl, seit 29 Jahren Geschäftsführer des demnächst dahinscheidenden Verbandes, konnte für das Berichtsjahr 2015 einige positive Trends vermelden, aber auch zu beachtende neue Entwicklungen. 

So weist der Landkreis in absoluten Zahlen insgesamt 284 824 Gästeankünfte aus, ein Plus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr; rechnet man den Verband (inklusive IG-Gemeinden und Dießen) und dessen 106 791 Ankünfte (+ 5,0 %) hinzu, war die Tendenz mit dann insgesamt 391 615 Gästeankünften und einem Plus von 1,8 Prozent noch erfreulicher. Auch die Übernachtungszahlen stiegen weiter an, „seit 1976 stetig“, so Götzl: 728 039 (ein Plus von 3,4%) verzeichnete der Landkreis im Jahr 2015 insgesamt (693 995 gewerblich, ein Zuwachs gegenüber 2014 von 3,9 Prozent; privat 34 044); nimmt man die IG-Gemeinden und Dießen dazu (473 303 Gästeankünfte), so ergibt sich eine Gesamtzahl von 1 201 342 bzw. ein Plus von 5,6 Prozent. Beim „touristischen Besucher-Plus“ 2015 an der Spitze lagen die Holländer (+ 28,8%), die laut Götzl „neuerdings auch ohne Wohnwagen kommen“. 

Götzl: "Der Trend geht Richtung Ferienwohnungen"

Weiter stark im Kommen auch die bereits in absoluten Zahlen vorne liegenden Schweizer (+ 17,4%), ein Umstand, den der Ko-Geschäftsführer und Pressebeauftragte Werner Schmid auf die guten Kontakte zur Tourismusmesse Zürich zurückführte. An dritter und vierter Stelle beim „Zuwachs“ folg-ten 2015 Touristen aus Österreich (+ 13,6%) und Italien (+ 9,3%). Interessantes Detail: Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer polnischer Landkreisgäste lag mit vier Tagen am höchsten, mit jeweils 2,75 Tagen folgten Briten und Russen. Schlüsselt man nach Kontinenten auf, fühlten sich offenbar afrikanische Touristen mit knapp fünf Tagen am wohlsten. Als Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus für den Landkreis eine Konstante: Gewerbliche (134,10 Euro pro Übernachtung) und private Übernachtungen (78,50 Euro) sowie 7,3 Millionen Tagesgäste mit einem durchschnittlichen Umsatz von 22,50 Euro generierten 2015 einen Bruttoumsatz von insgesamt 260,1 Millionen Euro – die drei IG-Gemeinden plus Dießen weitere 235,6 Millionen Euro. 

Im Landkreis bedeutet dies laut Gaststättenverband Dehoga 1608 Arbeitsplätze, im gesamten Verbandsgebiet 1842 allein durch Tourismus. Klaus Götzl: „Leider ziehen sich die Jungen seit fünf, sechs Jahren aus dem Sektor Privatvermietungen mit Frühstück zurück, der Trend geht Richtung Ferienwohnungen.“ Stark zu beachten seien neuerdings auch weltweit agierende Blogger, die im Auftrag von Reise-Portalen unterwegs sind und direkt vor Ort ihre Eindrücke rund um den Globus schicken.

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