Nachhaltig zu leben, ist Georg Panteleev wichtig. Der 18-Jährige programmiert eine App, die dem Nutzer seine Konsumgewohnheiten aufzeigt. Damit bewirbt er sich bei einem bundesweiten Start-up-Wettbewerb.
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Nachhaltig zu leben, ist Georg Panteleev wichtig. Der 18-Jährige programmiert eine App, die dem Nutzer seine Konsumgewohnheiten aufzeigt. Damit bewirbt er sich bei einem bundesweiten Start-up-Wettbewerb.

Beitrag zu bundesweitem Start-up-Wettbewerb

Nachhaltiger Konsum mithilfe des Handys: Junger Pöckinger entwickelt App als Hilfestellung

  • vonSandra Sedlmaier
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Wer bestimmt, wie sich die Wirtschaft und damit die Welt entwickeln? Letztlich der Konsument. An dieser Stelle hakt Georg Panteleev (18) aus Pöcking ein. Er entwickelt eine App fürs Handy, die Verbrauchern hilft, ihre Ausgaben im Blick zu behalten und auch deren Auswirkungen auf die Umwelt.

Pöcking – Beim Konsum folgen wir unseren Gewohnheiten. Wir kaufen häufig den gleichen Joghurt, kaufen uns im selben Café morgens einen Kaffee zum Mitnehmen und holen uns gerne eine Pizza, wenn der Hunger groß ist und es schnell gehen muss. Nur: Wer hat im Blick, wie viel Geld er diesen Monat schon für Kaffee ausgegeben hat? Und wie viele Stunden er für diesen Kaffeegenuss monatlich arbeitet? Die App, die der 18-jährige Georg Panteleev gerade erarbeitet, hilft ihren Nutzern, ihre Kaufgewohnheiten zu reflektieren und durch Konsumtipps zu verändern.

„Man lernt, wie man ungewollte, impulsive Käufe vermeidet, womit man seinen Geldbeutel und die Umwelt schont“, sagt Panteleev. Die Idee für die App „Purchase Habits“ (Kaufgewohnheiten) begeistert die Non-Profit-Organisation Startup Teens so sehr, dass Panteleev im diesjährigen Wettbewerb der Organisation bereits unter den letzten fünf im Bereich Sustainability & Diversity, also Nachhaltigkeit und Vielfalt, ist.

Idee kommt Panteleev während der Abi-Vorbereitung

Finanz-Apps gibt es viele, das weiß Georg Panteleev sehr wohl. Aber welche Finanz-App ist datensicher und gibt Tipps, wie man spart? Wie man nachhaltiger konsumiert? Diese Lücke fiel dem 18-Jährigen während der Abiturvorbereitung im Frühjahr auf. Corona bescherte ihm zusätzliche Zeit. Informatik hatte er zwar am Otto-von-Taube-Gymnasium in Gauting gehabt, aber eine App hatte er noch nie programmiert. „Informatik in der Schule und eine App programmieren – das sind völlig unterschiedliche Welten“, sagt er. „Wie das Grundschul-Abc und Goethe.“

Der 18-Jährige näherte sich dem Programmieren ganz praktisch: „Ich habe mir einen Kurs aus dem Internet heruntergeladen. Erstmal habe ich gar nichts verstanden und folgte stur den Anweisungen.“ Nach einem Monat sei er dann langsam durchgestiegen – und fing Feuer. Im Januar, so ist sein Plan, soll die App im App-Store kostenlos erhältlich sein. Derzeit arbeitet er zwölf Stunden täglich an seiner App.

Gleich unter den besten Fünf bei „Startup Teens“ gelandet

Eine schöne Bestätigung für ihn ist, dass er bei „Startup Teens“ unter die besten fünf in seinem Bereich „Sustainability & Diversity“ gekommen ist. Insgesamt gibt es sieben Bereiche, und der Wettbewerb stößt offensichtlich auf große Resonanz. „3500 Schüler haben 670 Businesspläne eingeschickt“, berichtet Georg Panteleev. „Am 8. Oktober entscheidet es sich, ob ich es ins Finale geschafft habe.“ Bestenfalls darf er seine Idee in Berlin vor Investoren präsentieren. Ob es so weit kommt, entscheidet ein Voting im Internet auf der Seite startupteens.de.

Der Pöckinger Abiturient will eine Finanz-App schaffen, die immer den aktuellen Kontostand anzeigt und aufweist, wohin das Geld geht. Aber er will dem Nutzer auch klar machen, wo der Mehrwert für einen Kauf liegt – und wenn es den nicht gibt, dann könnte man auf die Anschaffung auch verzichten.

Nachhaltige Freude statt kurzem Konsumfeuerwerk

Panteleev selbst lebt relativ minimalistisch. „Irgendwann ist mir aufgefallen, wie viele Dinge ich besitze, von denen ich gar nichts mehr wusste.“ Für alle hatte er Geld ausgegeben, alle sind irgendwann produziert worden und für alle wurden dabei Ressourcen verschwendet. Der junge Pöckinger will nicht, dass nicht mehr konsumiert wird – aber wenn Dinge gekauft werden, dann sollten sie zumindest nötig sein oder nachhaltig, und dazu gehört eine nachhaltige Freude und kein kurzes Konsumfeuerwerk.

Panteleev will Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität München studieren. Ideen für weitere Apps hat er schon. Er weiß, er kann die Welt nicht retten. „Aber ich will in 20 Jahren stolz sein auf das, was ich gemacht habe.“

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