Forsthaus-Planung
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Pfahlbauten-Dorf mit vier Ebenen: Die Animation zeigt den Biergarten am Seeufer und immer weiter Richtung Hang die Gastronomie, Wellnessbereich und Hotelbereich. 

Ortsentwicklung

Nächster Schritt zum Pfahlbauten-Hotel

  • Stephan Müller-Wendlandt
    vonStephan Müller-Wendlandt
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Dem Neubau des Forsthauses am See ist die Eigentümerin einen großen Schritt näher gerückt. Der Pöckinger Gemeinderat stimmte am Donnerstag dem Vorentwurf für das Hotel-Restaurant zu, das an die historischen Pfahlbauten angelehnt ist. Kritik kam mit Blick auf den Naturschutz nur von den Grünen.

Possenhofen – Eine Art Hüttendorf soll das Forsthaus am See in Possenhofen ersetzen – in Anlehnung an die historischen Pfahlbauten im Bereich der Roseninsel, deren Überreste mittlerweile zum Weltkulturerbe gehören. Das neue Hotel-Restaurant wird in vier Ebenen terrassenförmig angelegt (wir berichteten). Am Donnerstagabend erläuterte Architekt Florian Wiesler im Pöckinger Gemeinderat noch einmal die Grundzüge der Neubauplanung. Danach sprach sich das Gremium grundsätzlich dafür aus. Das Projekt ist damit einen Schritt weiter.

In der ersten Ebene nah am Seeufer dominiert der großzügige Biergarten. In der zweiten Ebene darüber ist die Gastronomie untergebracht. Die dritte Ebene umfasst den Wellnessbereich des Hotels. Und der Beherbergungsbetrieb ist in der vierten Ebene vorgesehen, dort bilden dreigeschossige Bauten sozusagen die Hangkante des Geländes ab. 125 Stellplätze seien eingeplant, erklärte Wiesler, etwa 20 Prozent mehr als die 97 gemäß der Stellplatzverordnung erforderlichen.

Bürgermeister Rainer Schnitzler sprach von einer deutlichen Verbesserung der Planung: „Die Pfahlbauten passen zur Historie des Ortes.“ Er begrüßte die Wahl des nachhaltigen Baumaterials Holz und hoffte, dass auch die Energieversorgung für den Hotel- und Restaurantbetrieb nachhaltig sein werde. Kritik regte sich nur in den Reihen der Grünen. Christian Fries und Simone Greve monierten die Herausnahme weiterer 2000 Quadratmeter Grund aus dem Landschaftsschutzgebiet. Sie fürchten zudem eine weitere Verschärfung der Verkehrsbelastung in dem Bereich.

Schnitzler wies darauf hin, für den Landschaftsschutz würden Ausgleichsflächen geschaffen, zudem solle der Bach renaturiert werden. Vizebürgermeister Albert Luppart (PWG) räumte ein, dass der Verkehr ein Problem sei, „aber das betrifft den ganzen Landkreis und nicht nur Possenhofen“. Durch die Ertüchtigung der Königinstraße als Erschließung könne die Situation etwas entschärft werden. Schnitzler ergänzte: „Heuer war es im Sommer trotz der Corona-Beschränkungen und ohne Hotelbetrieb dort unten voll.“ Gegen die vier Stimmen der Grünen sagte der Gemeinderat schließlich Ja zum aktuellen Entwurf. Nun geht es für die Architekten an die Details.

Das Forsthaus am See hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Es war im 19. Jahrhundert für den Fischer Kugelmüller von der Roseninsel errichtet worden, nachdem dieser das Eiland an König Maximilian II. verkauft hatte. Später diente das Gebäude laut Homepage der Gemeinde Feldafing als Wohnhaus für den Pächter des Lenné-Parks und dessen Gehilfen. Seine Glanzzeit erlebte das Forsthaus in den 1980er und 1990er Jahren unter dem damaligen Eigentümer und Wirt Otto Robl. Für eine illustre Gesellschaft wurde die Gastronomie wegen ihrer Lage am See zum beliebten „Wallfahrtsort“. Prominenz aus Show-Business, Sport, Kultur, Wirtschaft und Politik gaben sich dort ein Stelldichein. So feierte zum Beispiel Franz Beckenbauer bei Robl 1989 seinen 44. Geburtstag mit weiteren Fußballstars wie Uwe Seeler und dem Brasilianer Carlos Alberto.

Nach dem Tod Robls ging das Forsthaus in den Besitz seiner Tochter Eva über. Die glamourösen Zeiten verblassten und endeten mit dem Auszug des Pächter-Ehepaares Alexandra und Bernhard Graf, das seine ganze Kraft forthin auf den Betrieb des Restaurants auf der Ilkahöhe verlegte. 2016 schloss Eva Robl das Forsthaus. Wiederbelebt wurde das Restaurant zwei Jahre später. Der Pöckinger Gastronom Michael Heinen (Sportgaststätte und „Garibaldi“) eröffnete ein italienisches Lokal – auf Zeit, denn die Eigentümerin hatte sich bereits für einen Neubau entschieden. Eine Sanierung das Altbestandes kam für sie aus wirtschaftlichen Überlegungen nicht in Frage. Auch wegen der Erweiterungspläne des benachbarten Yachthafens Goetzke hatte der Gemeinderat bereits 2015 die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschlossen, einschließlich des Forsthaus-Areals.

Mehrere Neubau-Varianten waren im Gespräch. 2018 gefiel ein Entwurf den Kommunalpolitikern. Von der Umsetzung dieses Planes nahm Eva Robl aber dann doch Abstand, weil ein 80-Zimmer-Hotel sich laut Gutachtern nicht rechnen würde. Im Juli 2020 erreichte den Gemeinderat dann die Idee der WSM-Architekten. Der Beschluss wurde aber zunächst noch vertagt. Die Planer sollten ein Modell bauen. Das präsentierten sie nun am Donnerstag.

Neues Forsthaus im Video

Eine Animation der neuen Gebäude ist auf dem Youtube-Kanal „WSM Architekten“ zu sehen.

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