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80 Urnennischen stellte die Gemeinde Pöcking im Jahr 1999 im neuen Friedhof zur Verfügung. 2016 waren sie komplett vergeben. 

Friedhof Pöcking

Neue Bestattungskultur, mehr Urnengräber in Pöcking

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Familien leben und sterben nicht mehr über Generationen in einem Ort. Weil das die Bestattungskultur verändert, muss die Gemeinde Pöcking reagieren. Das Konzept für drei verschiedene Urnengrabstätten wurde nun im Finanzausschuss vorgestellt – und für gut befunden.

Pöcking Fritz Erhard weiß nicht nur, dass biologisch abbaubare Urnen innerhalb von sechs Jahren verrotten. Er kann auf jede Detailfrage antworten, wenn es um Friedhöfe geht: 17 Stück hat er in seinem Leben geplant, unter anderem den neuen in Pöcking. Nur logisch also, dass die Gemeinde den Landschaftsarchitekten aus Lenggries, der lange in Pöcking lebte, Anfang 2018 mit einem Konzept betraute. Nun ist es fertig: Am Dienstagabend stellte Erhard im Haupt- und Finanzausschuss seine Pläne vor, wie die Gemeinde auf die veränderte Bestattungskultur reagieren kann.

„Wir brauchen dringend Urnengräber“, hatte Bürgermeister Rainer Schnitzler zuvor betont. „Familien leben nicht mehr über Generationen in einem Ort.“ Deshalb seien Bestattungsformen, die langfristig funktionieren und wenig Pflege erfordern, besonders gefragt. Im vergangenen Jahr wurden mehr Verstorbene in Urnen als in klassischen Gräbern beerdigt. 2017 seien es sogar zwei Drittel der Toten gewesen. Die Ausschussmitglieder trafen am Ende eine wegweisende Entscheidung: Sie empfahlen dem Gemeinderat, drei verschiedene Urnengrabstätten in Auftrag zu geben. „Damit sollten wir für die nächsten 20 Jahre zukunftsfähig aufgestellt sein“, sagte Schnitzler.

Erhard begann mit den Urnenerdgräbern am neuen Friedhof: Die Urnen werden dabei im Boden versenkt, die Grabstelle markieren Granitplatten, die die Hinterbliebenen nach Wunsch beschriften lassen können. Erhard empfahl, 75 Stück anzuschaffen. Simone Greve (Grüne) erinnerten die Platten im Plan an „Soldatengräber. Kann man das ein bisschen individueller gestalten?“, fragte sie. Erhard beruhigte: Die Platten seien in zwei Grautönen vorgesehen, auch unterschiedliche Größen seien möglich. Dazwischen sollen mindestens 80 Zentimeter frei bleiben, damit die Besucher dazwischen gehen können.

Als zweite Form stellte der Landschaftsarchitekt den Urnenhain vor: Auf einer etwa 1000 Quadratmeter großen Wiese auf dem neuen Friedhof soll eine sogenannte teilanonyme Bestattung möglich sein. Das Konzept: Die Grabstellen der biologisch abbaubaren Urnen auf der Wiese werden nicht markiert, aber die Angehörigen kennen sie. Ob der Name des Verstorbenen auf der geplanten Tafel auftaucht, können die Verwandten selbst entscheiden. Dazu zeigte Erhard ein Computermodell: Die runden oder elliptischen Namensschilder aus Messing werden auf Holzbrettern befestigt, die wiederum von einer Stahlkonstruktion getragen werden. Rund um die Tafel könnte eine Bank Gelegenheit zum Verweilen bieten. „Der Ort soll sich würdig von der Umgebung abheben“, sagte Erhard. Dafür sollen die zwölf Lärchen sorgen, die angeordnet in einem speziellen Raster auf der Wiese gepflanzt werden. Theoretisch wird dort Platz für fast 200 Urnen sein.

72 Grabstätten soll eine neue Urnennischenwand im alten Friedhof bieten – und zwar an der Mauer auf Höhe des Piuswegs. Erhard würde auf ein „handelsübliches, vorgefertigtes, dreistöckiges“ System setzen, davor müsse man auf dem teilweise buckligen Gelände ein Fundament schaffen. Das Gremium war sich einig: Die Nischenwand müsse einfach und schlicht, nicht verschnörkelt und ausgefallen sein – „damit man sie auch in 20 Jahren noch kriegt“, sagte Bürgermeister Schnitzler. Die Gemeinde behält sich eine Erweiterung um weitere 72 Grabstellen vor. Denn sie kann auf Erfahrungswerte zurückgreifen: Die 80 Nischen im neuen Friedhof waren 1999 errichtet – und 2016 vergeben.

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