Hier realisiert Pöcking ein Großprojekt: Bürgermeister Rainer Schnitzler vor der Wiese an der Weilheimer Straße, wo das neue Feuerwehrhaus und der Bauhof geplant sind.
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Hier realisiert Pöcking ein Großprojekt: Bürgermeister Rainer Schnitzler vor der Wiese an der Weilheimer Straße, wo das neue Feuerwehrhaus und der Bauhof geplant sind.

DAS BRINGT DAS JAHR 2021

Neue Treffpunkte im Zentrum Pöckings

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Feuerwehrhaus, bezahlbarer Wohnraum, ein echtes Ortszentrum: Pöcking hat viel vor im Jahr 2021. Im Interview spricht Bürgermeister Rainer Schnitzler über die anstehenden Projekte, klagt über gestiegene Anforderungen an Gemeinden und erklärt, wo Pöcking noch besser werden muss.

Pöcking – Herr Schnitzler, was hat die Gemeinde Pöcking 2021 alles vor?

Ach, wir haben so viele Projekte, davon mehrere große – unter anderem die Planung der neuen Feuerwehrhäuser an der Weilheimer Straße und in Maising.

Klingt nach viel Arbeit. Schaffen Sie alles?

Das Feuerwehrwesen ist ja eine kommunale Pflichtaufgabe. Dazu kommt bezahlbares Wohnen, gerade im Landkreis Starnberg ist das ein riesiges Thema. Am Kinibauerweg sanieren wir 13 alte Wohnungen und wollen, wenn möglich, bis zu zehn neue dazubauen. An der Franziska-Günther-Straße stellt sich noch die Frage, ob wir ein Sechs-Familien-Haus abreißen und neu bauen. Auf dem Grundstück der Gemeinde dort wäre auch Platz für wohl vier weitere Wohnungen. Details soll aber noch ein Planungsgutachten ergeben.

Ein riesiges Thema. Woran merken Sie das?

Die Leute sprechen mich oft darauf an – dass der Sohn oder die Tochter wegziehen musste, weil sie hier keine Wohnung gefunden haben. Mittlerweile tun sich ja nicht mehr nur prekäre Bevölkerungsschichten schwer auf der Suche, sondern der ganz normale Mittelstand: Handwerker, Erzieherinnen, Altenpflegerinnen oder Journalisten. Und die Preise explodieren ja weiter.

Am Raiffeisenplatz soll an der Stelle des früheren Lagerhauses ein neues Wohn- und Geschäftshaus gebaut werden.

Ja, und auch der Platz bedarf dringend einer Sanierung. Wir wollen ihn begradigen, das alte Pflaster liegt auf unterschiedlichen Höhen, am Asphalt wurde lange nichts gemacht. Der Charakter soll zur Ortsmitte passen. Auf der anderen Straßenseite hat sich ja schon ein Wochenmarkt entwickelt – der könnte sich dort fortsetzen.

Der Platz hat also das Potenzial für einen neuen Treffpunkt?

Ja, er soll ein zentraler Ort werden. Pöcking ist von der historischen Struktur ja kein sogenanntes Haufendorf mit Kirche, Wirtshaus und Rathaus in der Mitte und Wohnhäusern drumherum. Pöcking war ursprünglich ein Straßendorf mit alten Bauernhäusern. Und am Raiffeisenplatz führen alle überörtlichen Verbindungsachsen zusammen. Wenn Pöcking ein Zentrum hat, ist es genau da.

Das Zentrum in Possenhofen wurde mit der Wiederbelebung des Gasthauses Schauer ja schon aufgehübscht.

Aber wir sind noch nicht ganz fertig, zum Beispiel mit der Parkplatzsituation. Außerdem müssen wir das Mietshaus gegenüber anpacken. Jetzt, wo die Fassade des Gasthauses so schön ist. Die des Mietshauses ist noch gelb, es sollte ein schönes Gesamtbild werden.

Und die Gemeinde stellt eine Wohnung angeblich für Gastronomie-Personal zur Verfügung.

Ja, eine Wohnung ist frei, die haben wir den Wirten angeboten. Da sind wir wieder beim Thema bezahlbares Wohnen. Die Leute in der Gastro können sich das Wohnen vor Ort oft nicht leisten.

Was steht 2021 noch an?

Unser gemeinsames Kommunalunternehmen mit der Gemeinde Feldafing ist auf der Suche nach weiteren Brunnen für die Wasserversorgung. Die geoelektrischen Messungen laufen gerade im Vorfeld von Probebohrungen. Es geht darum, herauszufinden: Wo macht Bohren überhaupt Sinn? Die Auswertung wird 2021 sein. Das Wassernetz ist ziemlich ausgelastet. Wir brauchen eine größere Versorgungssicherheit, auch um ein gewisses Wachstum ermöglichen zu können. Und dann läuft noch die Machbarkeitsstudie für einen Radweg von Starnberg nach Feldafing, der überwiegend auf Pöckinger Gebiet liegen wird. Die bekommen wir hoffentlich 2021 präsentiert. Der Weg ist Teil des Alltagsradnetzes des Landkreises und soll im Bereich der Seeuferstraße verlaufen.

Das freut Sie als leidenschaftlicher Radler sicher.

Ich fände das schon gut. Wobei ich ein sicherer Fahrer bin, auch auf der Straße. Aber wer mit Familie und Kindern fährt, dem kann da unten schon unwohl werden. Es gibt viele Bereiche rund um den See, wo man fernab des Autoverkehrs radeln kann, am Ostufer ist eine ganze Straße für den Autoverkehr gesperrt. Aber zwischen Starnberg und Feldafing ist die Straße stark befahren. Und wer ausweicht, muss weit abseits im Wald oder durchs Badegelände fahren. Dort ist es aber teilweise verboten, es kommt zu Konflikten. Es ist aber auch ein Thema für den Alltagsradler, der eine schnelle Verbindung von Pöcking nach Starnberg braucht, ohne 25-mal absteigen und Straßen queren zu müssen.

Worauf freuen Sie sich noch im neuen Jahr?

Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn sich die Pandemie soweit eindämmen lässt, dass Kultur- und Vereinsleben, die Begegnungen mit Menschen, wieder möglich sind. Und hoffentlich noch in der ersten Hälfte von 2021. Unser Beccult ist vielleicht baulich fertig, aber der Betrieb läuft wegen Corona noch nicht, wie wir uns das vorgestellt haben. Der Gemeinderat und andere Gremien tagen dort, aber Kultur fand bisher kaum statt.

Apropos Beccult: Die Arbeiten an den Außenanlagen haben sich lange verzögert. Woran lag’s?

Wir hatten Ärger mit der Baufirma. Es wurden Termine nicht eingehalten, es gab ständig neue Ausreden. Das war keine schöne Zusammenarbeit.

Was besorgt Sie mit Blick auf 2021?

Wie es finanziell mit der Kommunalfinanzierung weitergeht. Wie brechen die Steuern wegen Corona ein? Der Landkreis hat enorm viel vor, hohe Ausgaben stehen an. Das Herrschinger Gymnasium, Arbeiten an Kliniken, der Landratsamt-Anbau. Das macht mir Sorgen. Es läuft ja so: Der Kreis stellt seinen ungedeckten finanziellen Bedarf fest, und danach richtet sich dann die Kreisumlage, die die Gemeinden zahlen müssen.

Und noch was?

Es kommen ständig neue Leistungsversprechen von der großen Politik, die die Kommunen übernehmen sollen. Das Problem ist: Es werden neue Standards gesetzt, es wird aber nie gefragt, wer das alles finanzieren soll. Die laufenden Kosten nehmen laufend zu – zum Beispiel im ganzen Bereich Kinderbetreuung.

Und bei Förderprogrammen zahlt die Gemeinde oft die Hälfte. Immer wenn es nicht reicht, soll die Gemeinde noch was drauflegen. Was meinen Sie, warum Gemeinden landauf, landab Gewerbegebiete planen? Eine Gemeinde mit den Aufgaben von heute ist ohne Gewerbesteuereinnahmen nicht finanzierbar.

Ist das auch der Grund für das neue Gewerbegebiet am Schmalzhof?

Nicht nur – aber auch. Es geht auch um Arbeitsplätze. Firmen aus dem Ortskern, die erweitern wollen, brauchen Platz. Und die Anforderungen beim Immissionsschutz sind gestiegen, Beschwerden von Anwohnern über laute Betriebe nicht selten.

Seit Jahren drohen der Gemeinde Pöcking Gewerbesteuer-Rückzahlungen in Höhe mehrerer Millionen Euro. Seit Jahren tut sich aber nichts in dem Gerichtsverfahren, das ein finanzstarkes Unternehmen betrifft. Oder mittlerweile doch?

Leider nicht. Mir wurde zugetragen, dass sich die Sache wegen Corona weiter verzögern könnte.

Uns wurde zugetragen, dass ein großer Gewerbesteuerzahler Pöcking demnächst eventuell komplett verlässt?

Unser großer Gewerbesteuerzahler wird voraussichtlich 2021 noch da sein, was danach passiert, ist ungewiss. Ich freue mich über jedes Jahr.

Ein Standortwechsel hätte große Auswirkungen auf den Landkreis. Pöcking schultert schließlich einen großen Anteil der Kreisumlage.

Pöcking ist seit 25 Jahren mit Starnberg der größte Gewerbesteuerzahler. Künftig werden wir uns wohl wieder bei Gemeinden in unserer Größe einsortieren.

Und das hängt an dieser einen Firma?

Ich darf zu konkreten Steuerfällen keine öffentlichen Auskünfte geben. Aber die Einnahmen werden auf jeden Fall weniger – und nicht unerheblich.

Wo muss Pöcking noch besser werden?

Beim Thema Digitalisierung zum Beispiel. Wir müssen die Homepage überarbeiten und die Online-Dienstleistungen verbessern – damit Bürger die Leistungen der Gemeinde digital abrufen können. Dazu kommt die Breitbandversorgung – wir wollen uns beim bayerischen Gigabit-Förderprogramm anmelden. Auch weil das Homeoffice immer wichtiger wird. Dafür braucht man ja eine gute Verbindung.

Sind Sie mit der Personalsituation im Rathaus zufrieden?

Momentan sind alle Stellen mit guten Leuten besetzt. Man könnte bei den ganzen Bauthemen natürlich immer mehr brauchen, aber das ist eine Kostenfrage. Gemeinden machen die Erfahrung, dass es momentan wieder einfacher ist, Fachkräfte zu bekommen. Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, wird der öffentliche Dienst attraktiver.  

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