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Zwei Varianten stellten die Architekten im Gemeinderat vor. Der Unterschied: In diesem Entwurf hat das eigentliche Hotel im hinteren Bereich vier statt drei Geschosse.

Als Ersatz für Forsthaus am See

Pfahlbau-Hütten und Gletscher-Zitat: Geplantes Hotel am Starnberger See greift regionale Geschichte auf

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Verstreute „Pfahlbauhütten“ statt massiver Hotelkomplex: Um das Forsthaus am See zu ersetzen, greifen Pöckinger Architekten die regionale Geschichte auf. Und sie wollen mit Biergarten, Mini-Wasserfall und hübscher Promenade nicht nur Touristen einen Gefallen tun.

Pöcking– Die Architekten Florian Wiesler und Tobias Schmidt wissen, wie man Eindruck hinterlässt: nicht mit technischen Details, sondern mit einem kurzweiligen Vortrag, Drohnenfotos, einem gut gemachten Imagefilm und einer Idee mit Tiefgang. Eine modern interpretierte, den Hang am Seeufer hinauf gestaffelte Pfahlbausiedlung würden sie gerne als Ersatz für das Forsthaus am See entwickeln. Ihren Entwurf stellten die Vertreter des Pöckinger Büros WSM am Donnerstagabend höchst professionell im Gemeinderat vor. Ein Auftritt, den die Lokalpolitiker erst mal sacken lassen wollen. Ob sie das Projekt unterstützen, wollen sie nach der Sommerpause entscheiden. Bürgermeister Rainer Schnitzler signalisierte aber: „Es gibt nicht allzu viele gute Hotels direkt am Starnberger See.“

Das 90-Betten-Etablissement soll die regionale Geschichte aufgreifen. Um die Roseninsel herum, tief im Seeschlick, liegen bis zu 6000 Jahre alte Überreste von Pfahlbauten. Zeugnisse historischer Besiedlung und seit 2011 Unesco-Welterbe. Abstrahiert könnten sie eines Tages auf dem Forsthaus-Areal stehen. Die Architekten zeigten in ihren Animationen holzverkleidete Häuser mit großen Fenstern. Sie sollen „als Zitat der Gletschergeschichte“ auf Säulen aus Nagelfluhgestein ruhen.

Wiesler und Schmidt sind nicht die ersten Architekten, die sich mit dem Areal in Premiumlage befassen. Anfang 2018 hatte ein Südtiroler Büro die Gemeinden Pöcking und Feldafing grundsätzlich überzeugt – aber die Eigentümerin nicht. Ihre Bedenken laut Wiesler: Das geplante terrassenförmige, aus einem Block bestehende Hotel erzähle keine Geschichte und könne eigentlich überall in Europa stehen.

Variante zwei: Hier hat das Hotel drei Geschosse. 

Den Eindruck der Beliebigkeit will das nun beauftragte Pöckinger Büro unbedingt vermeiden. Wiesler: „Es gibt wenige so schöne Plätze am Starnberger See, mit dem Blick auf die Roseninsel und in die Berge. Da sollte man ganz gehörige Sorgfalt an den Tag legen und möglichst wenig in die Natur eingreifen.“ Auf der Großleinwand im Beccult präsentierte der Architekt ein Negativbeispiel: einen hellen, massiven Komplex direkt am Ufer. „Den sieht man aus zehn Kilometern Entfernung“, so Wiesler, der auf „dunkle und nicht-technische Oberflächen“ setzt. Tatsächlich fügen sich die Pfahlbau-Häuser leicht verstreut und zurückgesetzt in den Seeuferwald ein. Da ist selbst das Weilheimer Forstamt beinahe begeistert: Der Eingriff sei „verschwindend gering“, das Landschaftsbild werde „langfristig eher verbessert“, heißt es in einer Stellungnahme, die im Gemeinderat zitiert wurde.

Das Ziel: „Größtmögliche Akzeptanz bei der Bevölkerung“

Einen Gefallen tun wollen die Pöckinger, die mit den Starnberger Landschaftsarchitekten von Terrabiota kooperieren, nicht nur Hotelgästen. Die aufgehübschte Promenade soll mit Treppen zum Verweilen einladen, der kleine Bach im südlichen Bereich zu einem Mündungsbecken mit kleinem Wasserfall ausgeweitet werden. Ein öffentlicher Biergarten und ein Restaurant in erster Reihe sind angedacht. Auch mit solchen Maßnahmen wolle man für „größtmögliche Akzeptanz bei der Bevölkerung“ sorgen.

Für das eigentliche Hotel im hinteren Bereich liegen zwei Varianten vor, mit drei und mit vier Geschossen. Unter und hinter dem Gastronomiebereich soll die Tiefgarage entstehen. Auch an bezahlbare Schlafräume für das Personal haben die Architekten gedacht – „in den nicht ganz so attraktiven Bereichen des Hotels“.

Die Pöckinger Gemeinderäte beschäftigt die Verkehrssituation. Das Areal ist nur über die Königinstraße erreichbar. Laut Wiesler sollen Hotel- und Gastronomie in Sachen Parkplätzen „autark“ sein. Er räumte auf Nachfrage aber ein, dass ein Parkleitsystem nötig sein wird.

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Firmenevents, Hochzeiten und wieder Konzerte: Die Veranstaltungsdichte im Pöckinger Beccult nimmt zu. Um die Buchungen und die Vermarktung des Hauses kümmert sich nun eine Halbtagskraft der Gemeinde. Die lange Suche nach einem Wirt scheint erfolgreich gewesen zu sein.

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