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Marktszene, alles selbst gemacht: Die Workshop-Teilnehmer erarbeiteten zunächst Ideen für Bühnenbild und Kostüme, dann setzten sie alles in die Tat um. 

Ferienprogramm

Vom Palast ins Elendsviertel

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Schauspielerin und EKP-Gruppenleiterin Carola Bambas hat mit 17 Theaterkindern zwischen sieben und 13 Jahren eine Stoffsammlung erarbeitet, bevor sie mit ihnen in nur fünf Tagen das Stück „Prinz und Bettelkönig“ einstudierte.

Pöcking – „Koch präsentiert exotische Speisen“, „Wachen“, „viele Diener“, „Privatlehrer“, „spielt Schach und Polo“: Das sind die Eigenschaften, die die Kinder des Theaterworkshops des Pöckinger Ferienprogramms einem Prinzen zuschreiben. Das Bettlerkind dagegen trägt „immer die gleiche Kleidung, schmutzig“, „Mutter arbeitet, Vater trinkt“, „das Essen kommt aus dem Müll“ und die Familie ist „liebevoll, aber arm“. Die Stoffsammlung hat die Schauspielerin und EKP-Gruppenleiterin Carola Bambas mit 17 Theaterkindern zwischen sieben und 13 Jahren erarbeitet, bevor sie mit ihnen in nur fünf Tagen das Stück „Prinz und Bettelkönig“ einstudierte. Den Eltern wurde im katholischen Pfarrsaal eine Aufführung präsentiert, die so lange wie eine Schulstunde dauerte, aber keine einzige Minute langweilig war.

Der Workshop, der von der Stiftung für Pöcking und dem Eltern-Kind-Programm unterstützt wird, hat allen Spaß gemacht. Das sah man der Vorstellung von Anfang bis Ende an. Die Kinder Mila Djurkovic, Marlene Drobisz, Quirin Engelhardt, Ann-Sophie Gerstetter, Florian und Sophia Grießhammer, Philippa Henckmann, Benjamin und Helena Kirschnek, Tobias Lutzenberger, Luisa und SophiaNeßwitz, Lea-Elisa Radler, Sara Rahimi, Marie-José Schimert, Emma Schmits und Jack Temmler haben in dieser kurzen Zeit viel geleistet – Bühnenbild gemalt, Kostüme gesucht, Plakate gepinselt, Texte gelernt, Szenen entwickelt, Rollen einstudiert. „Die Entwicklung der Kinder war erstaunlich“, berichtete Bambas stolz, die die Kunstpädagogin Dominique Gartmann und die Betreuerin Amelie Engelhardt mit ins Boot geholt hatte. Viele Kinder kannte sie von vorherigen Workshops, weshalb sie diesmal Neues probieren konnte und das Ganze mit Improvisation anging. „Das sprudelte nur so“, berichtete sie über die Proben. Herrliche Bühnenbilder bauten die Kinder, und auch bei den Kostümen wurden keine Mühen gescheut.

Die Bettlerkinder schlenderten abgerissen durchs Publikum, baten um Almosen, bei den Jahrmarktszenen schlugen Akrobaten Räder und die Atmosphäre wurde mit Spielmannsmusik richtig authentisch. Die Schauspieler begeisterten und ließen vergessen, dass alles nur Theater ist. Ein versoffener Andrew torkelte verlottert über die Bühne, der vornehme Prinz wurde von einer französisch parlierenden Dienerschaft angekleidet – seine Garderobe wanderte durch viele Hände, bis sie bei ihm landete. Kein Wunder, dass der Bettler auch mal ein König sein will, der herrliche Speisen aufgetischt bekommt. Und der König will mal normal leben und Freunde haben.

„Elendsviertel? Ein seltsamer Name“, murmelte der Prinz und ließ sich neugierig auf einen Kleider- und Rollentausch ein. Für beide eine tolle Erfahrung. Der Bettlerjunge beherrschte schnell den hochnäsigen Gang, der Prinz genoss seine Freiheit beim Volk auf der Straße, kehrte aber doch rechtzeitig zu seiner Krönung in den Palast zurück. Dazu knicksten brav die Zimmermädchen, der Hoffriseur legte das Haar des Prinzen in Form und die Dienerschaft trug untertänigst das Essen auf. Die durchwegs netten Ideen wurden von Anfang bis Ende mit viel Freude umgesetzt. Dafür gab es viel Applaus und für jeden Mitspieler eine Prinzenrolle. In Form von Keksen.

In der ersten Woche der Sommerferien findet der nächste Theaterworkshop im Rahmen des Ferienprogramms statt. Diesmal für die älteren Kinder zwischen 10 und 16 Jahren.

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