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Pöcking

Die Feuerwehr und das 4000-Euro-Tablet

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Pöcking - Da mussten selbst die an große Summen gewöhnten Gemeinderäte in Pöcking kurz schlucken. Die Anschaffung eines neuen Verwaltungsprogramms für die Freiwillige Feuerwehr soll 13 200 Euro kosten.

Der Bedarf ist zweifelsohne gegeben, berichtete der neue Geschäftsleiter der Gemeinde Pöcking, Sven Neumann, zu Beginn der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Dienstagabend. Zahlreiche Verwaltungsaufgaben, die die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr zu erledigen haben, ließen sich durch die Einführung der Software „MP Feuer“ dramatisch vereinfachen. Sei es die Erfassung der Personaldaten oder des Ausbildungsstandes der Feuerwehrleute oder auch die Verwaltung der Geräte und Ausrüstungsstände. „So können wir im Vorfeld von Neu- oder Ersatzbeschaffungen blitzschnell den Bestand und den Bedarf ermitteln“, warb Neumann, der seine Premiere im Rat gab, für das Projekt.

Das sahen auch die Gemeinderäte ein, stolperten aber über den Preis des Ganzen. Denn neben der Software muss auch die entsprechende Technik angeschafft werden. Und das ergibt zusammen unter dem Strich Kosten von 13 200 Euro.

Allein 4000 Euro davon sollen für ein Tablet aufgewendet werden. Das behagte den Gemeinderäten nun so gar nicht. Sie verwiesen darauf, dass Tablets auf Windowsbasis im Fachhandel schon für einen Bruchteil des Preises angeboten werden.

Wasserdicht und stoßsicher

Die anwesenden Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr sorgten für Aufklärung. Beim 4000-Euro-Tablet handele es sich um ein wasserdichtes und stoßgeschütztes Gerät nach Industriestandard, das auch im Einsatz verwendet werden könne.

Das erklärte zwar Einiges, sorgte aber nicht für Einsehen bei den Gemeinderäten. Sie fragten sich, was passiert, wenn es in drei oder vier Jahren keine Updates mehr für das Gerät geben würde.

Simone Greve (Grüne) meint: „Egal ob Industriestandard oder nicht, wir müssen uns darauf einstellen, dass wir alle vier Jahre ein neues derartiges Gerät bezahlen müssen.“ Sie wollte wissen, „ob es wirklich nötig ist, dass das Gerät auf den Einsatz mitgeschleppt“ wird. Das wurde am Ende nicht beantwortet. Annette von Nordeck (FDP) versuchte zu vermitteln, als gerade gerätselt wurde, ob die Software auf einem deutlich billigeren Tablet aus dem Elektromarkt laufen würde: „Warum kaufen wir nicht eins und probieren es aus?“ Auch Albert Luppert (PWG) räumte ein: „Ich tue mich schwer, so viel Geld dafür auszugeben. Insbesondere mit Blick darauf, dass die Nutzbarkeit derartiger Geräte zeitlich begrenzt ist.“

Der Erste Bürgermeister Rainer Schnitzler schlug daraufhin vor, dass der Haupt- und Finanzausschuss erst einmal das veranschlagte Budget freigeben soll, die Kameraden der Feuerwehr gemeinsam mit der Verwaltung aber noch einmal genau prüfen sollen, ob sich eventuell doch noch eine praktikable und preiswertere Lösung findet. Dem schlossen sich die Mitglieder des Ausschusses am Ende auch an und stimmten einstimmig für die Anschaffung. Nun muss sich zeigen, ob die 13 200 Euro wirklich komplett ausgegeben werden.

Was der Kreisbrandinspektor dazu sagt, lesen Sie hier

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