Ein eingespieltes Team: Abdoul-Aziz Maiga (r.) ist schon längst im Pöckinger Zimmereibetrieb von Ludwig Gansneder angekommen. Im August beendete er seine Lehre.
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Ein eingespieltes Team: Abdoul-Aziz Maiga (r.) ist schon längst im Pöckinger Zimmereibetrieb von Ludwig Gansneder angekommen. Im August beendete er seine Lehre.

steiniger weg

Paradebeispiel für Integration: Flüchtling arbeitet als Geselle bei Zimmerei - doch er ist nur geduldet

  • Laura Forster
    VonLaura Forster
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Abdoul-Aziz Maiga ist 2015 aus Westafrika nach Deutschland geflüchtet. Heute ist er Mitglied bei der Feuerwehr Pöcking, spricht nahezu fehlerfrei Deutsch und arbeitet als Geselle in der Zimmerei von Ludwig Gansneder. Sein Aufenthaltsstatus lautet jedoch: geduldet.

Pöcking – Zimmermeister Ludwig Gansneder und Geselle Abdoul-Aziz Maiga blicken sich an. Eine Mischung aus Stolz und Dankbarkeit spiegelt sich in den Augen der beiden wider. Dankbarkeit dafür, dass sein Chef immer an den 34-jährigen Mann aus dem Niger geglaubt hat – auch dann, als die Hoffnung fast verloren schien. Stolz darauf, dass Abdoul-Aziz Maiga vor ein paar Wochen seine Ausbildung als Zimmerer mit Bravour abgeschlossen hat und auch sonst sein Leben in Pöcking auf bewundernswerte Weise meistert.

Vor sechs Jahren machte sich Abdoul-Aziz Maiga auf den Weg nach Europa – ohne Freunde, ohne Familie. Nach ein paar Zwischenstopps in Frankreich und Norddeutschland kam er nach Pöcking in die Flüchtlingsunterkunft an der Maisinger Straße, wo er auch heute noch lebt. Maiga sieht es als glückliche Fügung, dass er damals in der Gemeinde am Starnberger See gelandet ist. „Die Leute haben mich sofort aufgenommen“, sagt er. „Viele haben mir ihre Hilfe angeboten, ohne die ich es wahrscheinlich auch nicht geschafft hätte.“ Heute ist er in der Gemeinde angekommen, er ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und kocht jeden Samstag beim Sozialdienst „Jeder für Jeden“ – am liebsten afrikanisches Essen oder Kartoffelsalat. Zwei Mal pro Woche nimmt er am Deutschunterricht teil, der vom Helferkreis organisiert wird.

Aus einem Praktikum wird eine Ausbildungsstelle

Die ehrenamtlichen Unterstützer organisierten 2015 auch das Praktikum bei der ortsansässigen Zimmerei Gansneder. „Zuhause habe ich Reifen gewechselt und als Metallschmied gearbeitet, aber ich wollte unbedingt eine handwerkliche Lehre machen“, sagt der 34-Jährige. Umso mehr freute er sich über das Vertrauen, das ihm der Kreishandwerksmeister schenkte. Obwohl Abdoul-Aziz Maiga erst seit drei Monaten Deutsch lernte, entschied sich Ludwig Gansneder nach zwei Praktikumstagen dafür, ihm einen Ausbildungsvertrag anzubieten. „Wir hatten schon einige Praktikanten aus der Flüchtlingsunterkunft, doch keiner war so wissbegierig, motiviert und höflich wie Abdoul“, sagt Gansneder. Obwohl der Anfang nicht leicht war, vor allem der Berufsschulunterricht fiel ihm schwer, meisterte Maiga sein erstes Lehrjahr.

Doch dann kam der Schock: Der Mann aus dem Niger bekam keine Arbeitserlaubnis und musste die Ausbildung stoppen. „Das war eine sehr schwere Zeit“, sagt Maiga. Die Hoffnung gab er jedoch nie auf – er verbesserte weiter sein Deutsch und verinnerlichte die Bücher der Berufsschule. Zwei Jahre harter Kampf und unheimlich viele Behördengänge später durfte er seine Ausbildung fortsetzen. „Ich war unglaublich erleichtert und bin meinen Chef sehr dankbar“, sagt er.

Anfang August feierte Maiga seine Freisprechung. „Es ist ein tolles Gefühl, es endlich geschafft zu haben“, sagt er. Gansneder war gleich klar, dass er den Mann aus Westafrika übernehmen will.

Abdoul-Aziz Maiga fühlt sich in seinem Team angekommen

Zurzeit arbeitet er zusammen mit seinen Kollegen auf einer Baustelle in Pöcking. Im Team fühlt er sich wohl und wurde von Anfang an respektiert. Dieses Jahr fängt ein Flüchtling aus Afghanistan seine Lehrer bei der Zimmerei an. „Es gibt einen treffenden Spruch der Handwerkskammer: Bei uns zählt nicht, wo du herkommst, sondern wo du hinwillst“, sagt Ludwig Gansneder. Wenn es nach Abdoul-Aziz Maiga geht, möchte er am liebsten hoch hinaus. „Ich finde, man lernt nie aus“, sagt er. Die Bundesregierung kann seine Träume jedoch jederzeit platzen lassen, denn der 34-Jährige ist nur geduldet. Dank der 3+2-Regel darf er mit großer Wahrscheinlichkeit noch zwei weitere Jahre als Zimmerer in Deutschland bleiben. „Nach der Ausbildung haben Geflüchtete den Anspruch, zwei weitere Jahre als Gesellen arbeiten zu können“, sagt Gansneder.

Trotz der vielen Rückschläge und Unsicherheiten bleibt Abdoul-Aziz Maiga stark. Seine Kraftquelle sind die täglichen Videoanrufe und Sprachnachrichten mit seiner Frau und seinem fast zweijährigen Sohn. Die beiden leben im Niger. Nafissa konnte ihren Mann in den letzten Jahren zwei Mal in Deutschland besuchen. Den kleinen Abdoul-Samad hat der 34-Jährige aufgrund der Pandemie noch nicht kennenlernen können. Seine große Hoffnung ist, bald wieder mit seiner Familie vereint zu sein. lf

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