Der historische Schmalzhof am nördlichen Ende des Pöckinger Gemeindegebiets
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Der historische Schmalzhof am nördlichen Ende des Pöckinger Gemeindegebiets soll umgebaut und um Gewerbeflächen erweitert werden. Unter anderem interessieren sich ein Produzent ätherischer Öle und ein IT-Unternehmen für die Flächen.

Konzept für Sanierung und Umbau für neues Gewerbe stößt auf Wohlwollen im Ausschuss

Pöcking: Neues Leben im Schmalzhof

  • Stephan Müller-Wendlandt
    vonStephan Müller-Wendlandt
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Der historische Dreiseithof auf dem Gelände von Gut Schmalzhof bei Pöcking soll erhalten und saniert werden.

Pöcking – Nachdem der Pöckinger Gemeinderat vor einigen Jahren dazu einen Grundsatzbeschluss befasst hatte, lag seinem Bau- und Umweltausschuss am Montagabend eine erste detailliertere Planung auf dem Tisch. Das weitere Verfahren soll in einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan münden. In einem städtebaulichen Vertrag soll sich der Antragsteller zur Übernahme der Kosten im Rahmen der Bauleitplanung verpflichten. Dazu hatte Baurechtsanwalt Dr. Gerhard Spieß der Gemeinde geraten. Der Ausschuss folgte der Empfehlung der Bauverwaltung mehrheitlich, das Verfahren fortzusetzen. Johannes Neumann, früherer Kreisbaumeister von Aichach-Friedberg und heutiger Berater, erläuterte im Ausschuss, wie es mit der einstigen Hofstelle auf dem Gutsgelände weitergehen soll.

Der U-förmige Gebäudekomplex (Dreiseithof) soll umfassend saniert und zu einem Wohn- und Gewerbeensemble mit einem Nutzungsverhältnis von 50:50 umgebaut werden. Allein für die Nutzung dieser Hofstelle sind 71 Kfz-Stellplätze erforderlich. 20 Plätze sollen vor der nördlichen Gebäudefront in Richtung Bundesstraße 2 angelegt, weitere sieben im südlichen Bereich. Ein größerer Parkplatz mit 54 Stellflächen ist westlich des Dreiseithofs vorgesehen. Erschlossen werden soll dieser Parkplatz sowie die Hofstelle vom Maxhof-Kreisel aus durch das neue Gewerbegebiet.

Südlich dieser Erschließungsstraße ist auf dem ursprünglichen Gutsgelände eine weitere Fläche für eine Gewerbeansiedlung samt Tiefgarage angedacht. Konkrete Pläne liegen dafür nicht vor. Allerdings interessiert sich ein IT-Unternehmen für dieses Areal. Auch der Parkplatz westlich der Hofstelle könnte bei Bedarf in Gewerbeflächen umgenutzt werden. Damit würde ein Gebäuderiegel zum benachbarten neuen Handwerker- und Gewerbehof entstehen.

Für die 20 Parkplätze nördlich des Gebäudekomplexes ist die Erschließung über den Oberen Seeweg vorgesehen. Die Gewerbeflächen sollen laut Neumann vielfältig genutzt werden. Er zählte Künstlerateliers auf, Büros, Tagungsräume, Labor, Tagesbar und Einzelhandel. Um kritischen Fragen zum Thema Einzelhandel auf der grünen Wiese vorzubeugen, verwies Neumann auf den rechtskräftigen Bebauungsplan, der diese Nutzung bereits erlaube. Die dort festgesetzten 300 Quadratmeter für Einzelhandel sollen der aktuellen Planung zufolge zwar auf 400 Quadratmeter erweitert werden. Allerdings werde auf Lebensmittelhandel verzichtet, es sei denn, die Lebensmittel würden vor Ort produziert, beispielsweise in dem vorgesehen Restaurationsbetrieb. Verzichtet werde zudem auf Beherbergungsbetriebe. In der Hofstelle seien für Einzelhandel maximal 150 Quadratmeter vorgesehen, so Jurist Spieß.

Vizebürgermeister Albert Luppart (PWG) begrüßte die Entwicklung im alten Schmalzhof. Er wollte noch detaillierter über die Gewerbenutzung informiert werden. Hauptpächter werde ein Produzent von ätherischen Produkten, vornehmlich Duftöle, sein, teilte Neumann ergänzend mit. Der wolle im Erdgeschoss einen Shop (124 Quadratmeter), einen Raum zum Verpacken der Produkte (148 Quadratmeter), Produktionsflächen, einen Tagungsraum sowie im Obergeschoss 250 Quadratmeter für Büroräume pachten. Ferner werde es nach derzeitigem Stand im Erdgeschoss die Tagesbar mit Küchenbereich, eine Bildergalerie und einen metallverarbeitenden Kunsthandwerker geben.

In der Diskussion hinterfragten vor allem die beiden Vertreter der Grünen, Sabine Stolicka und Hans-Christoph von Gronau, die Erschließung des Gutsgeländes kritisch. Sie fürchten eine nicht gewollte Belastung des kurvigen und engen Oberen Seewegs. Jan Linnemann (PWG) vermisste in der Präsentation die Einbindung der Pläne für die Hofstelle in den Gesamtzusammenhang des Handwerker- und Gewerbehofs. Der Hinweis der Planer, dass der Bebauungsplan für die weiteren Gewerbeflächen vom Gemeinderat bereits abgesegnet sei, auch wenn die Nutzung einzelner Bereiche noch nicht feststehe, überzeugte Linnemann nicht. Er votierte wie seine Ratskollegen von den Grünen gegen den Entwurf für die Bebauungsplanänderung.

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