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Geradlinig, humorvoll, verlässlich

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Von: Stephan Müller-Wendlandt

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Letzte Ehre für Konrad Krabler: Im Beisein zahlreicher Fahnenabordnungen, von Freunden, Familie und Vertretern der Pöckinger Vereine setzte Pfarrer Leander Mikschl die Urne mit den sterblichen Überresten des Altbürgermeisters bei.
Letzte Ehre für Konrad Krabler: Im Beisein zahlreicher Fahnenabordnungen, von Freunden, Familie und Vertretern der Pöckinger Vereine setzte Pfarrer Leander Mikschl die Urne mit den sterblichen Überresten des Altbürgermeisters bei. © Dagmar Rutt

Die Gemeinde Pöcking hat gestern Abschied genommen von ihrem Altbürgermeister und Ehrenbürger. Konrad Krabler war, wie berichtet, Ende Januar zu Hause friedlich für immer eingeschlafen, kurz vor Vollendung seines 93. Lebensjahres. Mehr als 100 Trauergäste erwiesen dem Verstorbenen in St. Pius die letzte Ehre.

Pöcking - Krabler pflegte stets ein gutes Verhältnis zu den Pöckinger Vereinen, als Bürger und auch später als Bürgermeister. Ein besonderes Verhältnis verband ihn mit der örtlichen Blaskapelle. Krabler liebte die Musik. Er besuchte die Auftritte der Kapelle und freute sich über die zahlreichen Ständchen, die das Ensemble ihm zu Ehren darbot. Zu seinem Abschied spielten die Blasmusiker nun ebenfalls auf. Während der Messe intonierten sie nicht nur die Lieder aus dem Gotteslob. Zum Auftakt boten sie einen Marsch, bei der Kommunion ließen sie den Rod-Stewart-Hit „I am Sailing“ erklingen und zum Abschluss das weltberühmte Kirchenlied „Amazing Grace“.

Zu dem Gottesdienst hatten sich etwas mehr als 100 Besucher eingefunden. Neben zahlreichen Mitbürgern waren auch ehemalige politische Weggefährten Krablers erschienen, wie etwa sein damaliger Bürgermeister-Stellvertreter Ernst Schilcher, der die Lesung und die Fürbitten vortrug. Frühere und aktuelle Gemeinderäte waren unter den Trauergästen, ebenso Altlandrat Karl Roth sowie sein Nachfolger Stefan Frey, der Bürgermeister von Feldafing, Bernhard Sontheim, und dessen Vorgänger Günter Gerhard. Fahnenabordnungen der Ortsvereine gruppierten sich vor dem Altarraum.

Coronabedingt übersichtlich: Die gut 100 Trauergäste in der Kirche St. Pius mussten Abstand halten. 
Coronabedingt übersichtlich: Die gut 100 Trauergäste in der Kirche St. Pius mussten Abstand halten.  © Dagmar Rutt

Pöckings Bürgermeister Rainer Schnitzler bescheinigte in seiner Trauerrede seinem politischen Ziehvater und direkten Vorgänger im Amt, Spuren in Pöcking hinterlassen zu haben. Projekte wie der Sportpark, die Umgehungsstraße, der Kindergarten an der Keltenstraße sowie der moderne Wertstoffhof, ein neuer Friedhof und die Wasserversorgung seien mit Krablers Namen verbunden. Schnitzler erinnerte auch an das ehrenamtliche Wirken Krablers in zahlreichen Ortsvereinen, etwa seit 1951 bei den Wildschützen und seit 1947 im Trachtenverein. „Mir hat neben seiner geradlinigen Art auch sein trockener Humor gefallen“, sagte Schnitzler. Wer zum Beispiel zu ihm gesagt habe, „Gsund schaun S’ aus“, habe oft zur Antwort bekommen: „Ja, im G’sicht fehlt ma ja nix.“

Für die Parteilose Wählergruppe (PWG) würdigte deren Vorsitzender Albert Luppart das Wirken des Verstorbenen und erinnerte an dessen kommunalpolitischen Stationen. Seit den 1970er-Jahren war Krabler auf den Kandidatenlisten der PWG zu finden, belegte aber regelmäßig die hinteren Plätze. Wegen der Anforderungen an seinen Beruf als selbstständiger Handwerker wollte er nicht unbedingt auch noch ein Gemeinderatsmandat ausfüllen. 1984 ließ sich Krabler von seinen Mitstreitern zur Bürgermeisterkandidatur überreden. Er sei skeptisch gewesen, ob er für dieses Amt wegen seiner geringen politischen Erfahrung überhaupt geeignet sei, sagte Luppart. Die Pöckinger sahen das anders. Sie wählten ihn zum Bürgermeister und wiederholten das 1990 und 1996. „Er war der richtige Mann zur richtigen Zeit“, betonte der PWG-Vorsitzende.

Abschied von einem Freund und Förderer: Viele Pöckinger Vereine kamen zur Beerdigung.
Abschied von einem Freund und Förderer: Viele Pöckinger Vereine kamen zur Beerdigung. © Dagmar Rutt

Pfarrer Leander Mikschl zog in seiner Predigt Parallelen zwischen dem Verstorbenen und Petrus. Wie der erste Stellvertreter Gottes auf Erden aus einfachen Verhältnissen seinen Weg bis zum ersten Apostel gegangen sei, habe Krabler sich hochgearbeitet zu seiner eigenen Installationsfirma und später zum ersten Bürger Pöckings. Beide seien Menschen gewesen, die die Gemeinschaft gelebt hätten. Krabler habe das im öffentlichen Leben herausragend gemeistert, ebenso wie im privaten Bereich, zuerst mit seiner zu früh verstorbenen Frau Rosina und dann mit seiner zweiten Frau Lore.

Die Urne mit den sterblichen Überresten Krablers wurde auf dem Friedhof zwischen St. Pius und der alten Pfarrkirche St. Ulrich zur letzten Ruhe gebettet.

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