Gruppenfoto vor der Gedenkmesse (vo.v.l.): Vertreter der Schützenkompanie Zirl, Theresa von Bayern, die Habsburg-Töchter Gabriela und Andrea Maria, Eva Demmerle, der Hochmeister des Deutschen Ordens und Hauptzelebrant Frank Bayard, Herzog Franz von Bayern, weitere Vertreter des Deutschen Ordens und der Paneuropa-Union sowie (zwischen Andrea Maria und Eva Demmerle) der ungarische Generalkonsul Gábor Tordai-Lejkó.
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Gruppenfoto vor der Gedenkmesse (vo.v.l.): Vertreter der Schützenkompanie Zirl, Theresa von Bayern, die Habsburg-Töchter Gabriela und Andrea Maria, Eva Demmerle, der Hochmeister des Deutschen Ordens und Hauptzelebrant Frank Bayard, Herzog Franz von Bayern, weitere Vertreter des Deutschen Ordens und der Paneuropa-Union sowie (zwischen Andrea Maria und Eva Demmerle) der ungarische Generalkonsul Gábor Tordai-Lejkó.

Messe für Otto von Habsburg in Pöcking

Gedenken an einen großen Europäer

  • Stephan Müller-Wendlandt
    VonStephan Müller-Wendlandt
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Einigen, nicht trennen: Die Maxime des leidenschaftlichen Europäers Otto von Habsburg bestimmte die Gedenkmesse zu dessen zehnten Todestag. Die beeindruckende Feier in der Pöckinger Pfarrkirche war die Blaupause des ersten Requiems an selber Stelle während der Trauerfeiern im Juli 2011.

Pöcking – Mit einer feierlichen Gedenkmesse in der Pöckinger Pfarrkirche St. Pius ist am Freitagabend des zehnten Todestages von Otto von Habsburg gedacht worden. An der Feier nahmen Vertreter der Familie teil, darunter die älteste Tochter des Habsburgers, Andrea Maria (*1953), sowie deren Schwester Gabriela (*1956). Auch die Enkel- und Urenkel-Generationen waren vertreten sowie Mitglieder der ungarischen Habsburg-Linie.

Als höchster Repräsentant des Adels war Herzog Franz von Bayern, Chef des Hauses Wittelsbach, nach Pöcking gekommen. Neben ihm in der Kirchenbank saß Theresa von Bayern, Witwe von Prinz Rasso (†2011), die aus dem Haus Habsburg stammt. Weitere Vertreter des Hochadels, der ungarische Generalkonsul in München, Gábor Tordai-Lejkó, Landrat Stefan Frey, Pöckings Bürgermeister Rainer Schnitzler, dessen Stellvertreter Albert Luppart sowie Kreis- und Gemeinderäte gedachten ebenfalls des Erzherzogs.

Otto von Habsburg, als ältester Sohn des letzten österreichischen Kaisers und Königs von Ungarn, Karl I., potenzieller Thronfolger, hatte 1961 auf alle Herrschaftsansprüche aus der ehemaligen K.-u.-k.-Monarchie verzichtet. Der vielreisende Verfechter eines vereinten Europas hatte seinen Lebensmittelpunkt in Pöcking. In der Villa Austria wohnte er fast 60 Jahre bis zum seinem Tod 2011. Die kirchliche Feier in der nach Corona-Regeln vollbesetzten Kirche gestaltete Generalabt Frank Bayard, Hochmeister des Deutschen Ordens, mit drei Konzelebranten. Dazu zählte der Hausgeistliche der Familie Habsburg, Pfarrer Dr. Michael Menzinger.

Eva Demmerle hatte die Gedenkmesse organisiert. Die letzte Büroleiterin Otto von Habsburgs hält die Erinnerung an den Mitgestalter eines geeinten Europas hoch, heute mehr denn je. „Seine Stimme fehlt!“, schrieb die Feldafingerin in ihrer Einladung zum zehnten Todestag. „2011 dachte so mancher, dass die europäische Einigung in Stein gemeißelt ist. Doch zehn Jahre später müssen wir mit ansehen, dass das großartige Einigungswerk dieses Kontinents, an dem Dr. Otto von Habsburg nicht unerheblichen Anteil hatte, diskreditiert wird.“ Sie bat darum, in Habsburgs Sinne für ein starkes und christliches Europa zu beten.

In ihrem ungewohnt politischen Grußwort vor dem Schlusssegen akzentuierte Demmerle ihre Sorgen aus dem Einladungsschreiben. Sie nannte als Beispiele für ein drohendes Desaster den Brexit, wieder erstarkte nationalistische Kräfte, „übermächtige und übergriffige Staaten mit einer verantwortungslosen Finanzpolitik und nicht zuletzt die Umdeutung von zersetzenden Werten in angeblich europäische Werte“. Demmerle zitierte den Erzherzog mit dessen Leitmotiv „einigen, nicht trennen“ und sagte: „In diesem Zusammenhang ist es beschämend zu erleben, welcher Geist die heutige EU beherrscht. Es ist beschämend zu erleben, wie Ungarn, dem wir unendlich viel zu verdanken haben, gerade in den letzten Tagen und Wochen von führenden Politikern behandelt wird.“

Der ungarische Generalkonsul würdigte den Einsatz Habsburgs für sein Land. „Wir werden Otto von Habsburgs geistiges Erbe weiterhin pflegen“, versicherte Gábor Tordai-Lejkó und schloss mit einem Zitat des Verstorbenen: „Je weiter wir die Grenzen der Freiheit nach Osten verschieben, umso sicherer wird die Mitte Europas.“

Zum Auftakt der Messe hatten Fahnenabordnungen von Schützenkompanien aus Zirl (Tirol) und Brixen (Südtirol) im Altarraum Aufstellung genommen sowie ungarisch-stämmige Schüler, die die Fahne ihrer Vorfahren hochhielten. Generalabt Bayard zog mit seinen Konzelebranten durch den Haupteingang in die Kirche ein. Voran schritten so genannte Familiare. In ihren schwarzen Mänteln mit dem schwarzen Kreuz auf weißem Grund im Wappen boten die Mitglieder der Laienorganisation des Deutschen Ordens ein eindrucksvolles Bild. Eva Demmerle ist Mitglied der Familiaren. Zum Abschluss erklangen die Bayernhymne („Gott mit dir, du Land der Bayern…“), die Volkshymne, auch Kaiserhymne genannt („Gott erhalte, Gott beschütze unsern Kaiser, unser Land!“) sowie die ungarische Nationalhymne.

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