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Eine Rille an dieser Stelle war ursächlich für den schweren Radunfall seiner Frau, sagt Jürgen Meynert.

Schwerer Unfall am Starnberger See

Radlerin mit Kieferbruch an „lebensgefährlicher“ Stelle: Ehemann erhebt schwere Vorwürfe

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Ein Ehepaar aus Heidelberg wollte schöne Urlaubstage am Starnberger See verbringen. Nach einem Fahrradunfall spielt sich der Urlaub aber im Krankenhaus ab. Schuld ist eine schlecht ausgebaue Straße in Pöcking, sagt der Ehemann.

Pöcking – Jürgen Meynert (63) fährt mit seinem weißen Tourenrad auf der Feldafinger Straße aus Pöcking heraus. 21.30 Uhr am Sonntag, es ist die Heimfahrt vom Tagesausflug. Ein Fußgänger winkt wild, hält den Heidelberger an und sagt, hinter ihm sei ein Unfall passiert. Kann nicht sein, denkt Meynert und dreht um. 20 Meter weiter sieht er seine Frau blutüberströmt am Boden liegen. Sie ist einige Meter weit geflogen – den Grund für den Sturz sieht Meynert erst später: eine Rille in der Straße.

„Die war lebensgefährlich“, sagt Meynert. Seine Frau Helene Schmitz (61) habe zum Glück einen Helm und Handschuhe getragen. Notarzt, Rettungswagen und Polizei waren schnell vor Ort. Schmitz konnte ihren Kopf nicht bewegen, die Rettungskräfte gingen mit äußerster Vorsicht vor. Eine Stunde dauerte es, bis die Frau im Rettungswagen lag und auf dem Weg in die Unfallklinik Murnau war. „Sie hat sich dreimal den Unterkiefer gebrochen, im Oberkiefer sind so ziemlich alle Zähne ausgeschlagen“, sagt Meynert. „Ganz entsetzlich. Ich habe in der Nacht kaum geschlafen. Ich hatte immer dieses Bild im Kopf, wie meine Frau blutend da liegt.“ Meynert sagt aber auch: „Zum Glück ist sonst nichts passiert. Sie ist topfit, sonst hätte sie das nicht so weggesteckt.“

Vorwurf: „Äußerst laienhaft geflickt“

Das Ehepaar ist gerne am Starnberger See, jedes Jahr wieder. Das Programm: „Laufen, wandern, radeln.“ Am heutigen Freitag stand auch eine Hochzeit in der Familie auf dem Programm. Schmitz muss aber vorerst im Krankenhaus bleiben. Zwei Eingriffe hat sie bereits hinter sich. „Sie ist vollkommen abgeklärt“, sagt Meynert. „Ich musste ihr schon den Laptop bringen.“ Während die Software-Trainerin Mails beantwortet, hat Meynert Zeit zum Nachdenken. Er ärgert sich darüber, wie es zu dem Unfall kam. „Die Stelle konnte man nicht sehen. Daneben ist noch ein Schlagloch.“ Vielleicht sei seine Frau diesem ausgewichen und dabei durch die Rille gefahren. „Sie fährt vorsichtig. Aber 30 km/h hat man da locker drauf.“ Die Feldafinger Straße sei abschüssig, die Stelle für Radfahrer ähnlich gefährlich wie eine Straßenbahnschiene. „Äußerst laienhaft geflickt.“

Wenige Minuten nachdem Pöckings Geschäftsleiter Sven Neumann von dem Unfall erfährt, ist er vor Ort. „Da handeln wir unverzüglich“, sagt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Die Rille wurde bereits mit Kaltteer aufgefüllt. „Jetzt gibt es noch eine kleine Rille, aber ich sehe keine Unfallgefahr“, sagt Neumann. Zuvor habe es eine Vertiefung gegeben. „Aber die findet man überall. Man merkt auch, dass es verschiedene Teerdecken sind – da fahre ich mit Sorgfalt hin. Den Schaden kann ich von weitem erkennen.“

Ist eine beauftragte Baufirma schuld?

Bei gemeindeeigenen Straßen – wie in diesem Fall – ist die Gemeinde für die Sicherheit zuständig. „Die Frage ist, ob der Gefahrenpunkt so offenkundig ist, dass ich ihn wahrnehmen muss“, sagt Neumann. Ist die Gefahrenstelle nicht zu erkennen, müsse die Gemeinde mit einem Schild darauf hinweisen oder den Schaden beheben. Andernfalls könne sie in die Haftung genommen werden. Unfallopfer können demnach Schaden am Rad sowie am Körper geltend machen. Auch der Arbeitgeber könne sich an die Gemeinde wenden und Verdienstausfall geltend machen. In jedem Fall sei dann die Versicherung der Gemeinde zuständig. Solche Fälle gebe es ab und an, eher aber bei Fußgängern, die sich nach Stürzen über von Wurzeln angehobene Gehwege beschweren. Oft bekomme die Gemeinde recht, sagt Neumann und oft gebe es solche Fälle auch nicht: „Allgemein ist der Zustand der Hauptverkehrsstraßen super. Es gibt aber Nebenwege, die Frostschäden aufweisen.“

In dem Fall mit dem Ehepaar aus Heidelberg sind noch Fragen offen: Ist eine beauftrage Baufirma schuld? Hätte die Gemeinde den Schaden beheben müssen? War die Gefahrenstelle wahrzunehmen? Das Ehepaar möchte Anzeige erstatten, wie Meynert ankündigt: „Wir, der Arbeitgeber und die Krankenversicherung haben Interesse daran, dass es aufgeklärt wird.“ In einem Vierteljahr ist der unschöne Urlaub am Starnberger See vergessen, hofft Meynert.

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