+
Große Pläne hat Pöckings Bürgermeister Rainer Schnitzler (r.) im kommenden Jahr. Neben dem Gewerbegebiet am Schmalzhof beginnt auch der Bau des Bürgerhauses, erklärt er Merkur-Redakteur Sebastian Tauchnitz.

Pöcking: So wird 2018

Das Jahr der Großbaustellen

  • schließen

Jahre-, teils jahrzehntelang wurde geplant, verworfen, gestritten und geschlichtet, jetzt ist es soweit: In Pöcking fällt 2018 der Startschuss für gleich mehrere Großprojekte.

Pöcking – Es war kein ganz einfaches Jahr für die Gemeindeverwaltung in Pöcking. Bürgermeister Rainer Schnitzler macht da im Gespräch mit dem Starnberger Merkur keinen Hehl draus. Im Sommer gingen die Gemeinde und der damalige Bauamtsleiter sowie der Technische Leiter im Bauamt getrennte Wege (wir berichteten). Nachfolger zu finden, ist angesichts des angespannten Arbeitsmarktes nicht leicht.

Und das ausgerechnet in dem Jahr, in dem die Vorbereitungen für gleich zwei Großprojekte intensiv vorangetrieben werden mussten, die 2018 starten sollen – der Bau des Hauses der Bürger und Vereine und die Erschließung des neuen Gewerbegebietes am Schmalzhof. Im Rathaus musste improvisiert werden: Schnitzler selbst, der dereinst als Bauamtsleiter gearbeitet hatte, übernahm Aufgaben, die verbliebenen Mitarbeiter im Bauamt mehr Verantwortung. So konnten die drängendsten Aufgaben erledigt werden.

Neue Bauamtsleiterin kommt vom Landratsamt

Die neue Bauamtsleiterin Mirjam Hoyer, die vom Landratsamt nach Pöcking wechselte, hat dennoch noch genügend Sachen zu erledigen, die liegen geblieben sind. Dabei dreht es sich vor allem um die Bauleitplanung. „Da schieben wir viel vor uns her“, räumt Schnitzler ein. Aber die Erstellung von Bebauungsplänen wird auch von Jahr zu Jahr komplizierter. Ein Thema, das den Bürgermeister hörbar frustriert: „Selbst ein kleiner B-Plan umfasst mittlerweile locker 30 Seiten“, berichtet er.

Einer der Gründe dafür sei eine Vollkaskomentalität der Träger öffentlicher Belange, die im Zuge des Verfahrens gehört werden. „Die sichern sich alle ab und stellen Maximalforderungen, die sich teilweise widersprechen. Da verlangen die einen einen riesigen Wendehammer für die Feuerwehr, während die anderen eine minimale Versiegelung der Flächen fordern. „Und für die Gemeinde, die schlussendlich den Plan erstellen muss, gilt wieder: den Letzten beißen die Hunde.“ Dennoch soll 2018 das Jahr werden, in dem zahlreiche Großprojekte endlich umgesetzt werden sollen.

Gewerbegebiet

„Die Verträge für das Gewerbegebiet am Schmalzhof sind allesamt unter Dach und Fach“, berichtet Schnitzler. Nur die wasserrechtliche Erlaubnis steht noch aus. Im Januar sollen die Erschließungsarbeiten ausgeschrieben werden. „Dann beginnt das Baupreislotto“, witzelt Pöckings Bürgermeister. Denn heutzutage ist es ein Glücksspiel. Mal erzielt man ordentliche Baupreise, dann wiederum melden sich nur wenige Firmen und verlangen horrende Preise. Dennoch muss gebaut werden – zahlreiche Firmen aus Pöcking warten händeringend auf Erweiterungsmöglichkeiten.

Bürgerhaus

Ein Traum wird wahr: So soll der Saal im neuen Bürgerhaus aussehen.

Der Bauantrag liegt seit Ostern beim Landratsamt, die Genehmigung wird heute per Post an die Gemeinde geschickt, berichtet der Sprecher des Landratsamtes in Starnberg, Stefan Diebl. Daher kann wie geplant „das große Paket“, das rund 60 Prozent der Bauleistungen umfasst, ausgeschrieben werden. „Momentan brummt die Baukonjunktur. Da kann man nur hoffen, dass das Bürgerhaus mit seiner modernen Holzkonstruktion für die Betriebe so attraktiv ist, dass sie damit werben wollen“, sagt Bürgermeister Schnitzler. Parallel zur Ausschreibung sollen im Frühjahr schon die Erdbauarbeiten für den Neubau mit seinen beiden Gebäuden – dem Haus der Bürger mit seinem Saal und der Gastronomie und dem Haus der Vereine, in das die Schützen und die Blaskapelle einziehen sowie Wohnungen entstehen sollen – beginnen. Ein offizieller Spatenstich wird allerdings erst erfolgen, wenn die Ergebnisse der großen Ausschreibung vorliegen und die Firmen beauftragt sind. „Der Hochbau wird sich dann ohnehin bis ins Jahr 2019 ziehen“, so Schnitzler. Damit in der Verwaltung dennoch noch Kapazitäten für die weiteren Vorhaben bleiben, hat die Gemeinde bereits seit einiger Zeit einen Projektsteuerer beauftragt, der in ihrem Auftrag insbesondere Kosten und Termine im Auge behält.

Finanzen

Pöcking steht mit rund 56 Millionen Euro in der Rücklage nach wie vor blendend da. Die Steuereinnahmen waren 2017 deutlich höher als gedacht, Schulden hat die Gemeinde keine. Das wird auch 2018 aller Voraussicht nach so bleiben, selbst wenn die Gewerbesteuerrückzahlung in Millionenhöhe, die seit Jahren droht, wirklich fällig würde. Dann würde das Finanzpolster zwar dramatisch abschmelzen, dennoch kreist nicht der Pleitegeier über dem Rathaus, versichert Schnitzler. Die Gemeinde investiert derweil nach wie vor in Grund und Boden, wo es möglich ist. 

Das bedeutet auch, dass Pöcking nach Möglichkeit keine Flächen verkauft, sondern nur im Rahmen von langfristigen Erbbaupachtverträgen vergibt: „Grund und Boden hat uns der liebe Gott gegeben, ich finde es beklagenswert, dass sie nun zum Spekulationsobjekt werden“, so der Bürgermeister. Und stellt klar: „Wir werten nicht Land zu Bauland auf, damit es anschließend 1000 Euro pro Quadratmeter kostet und unsere Bürger nichts davon haben.“ Daher gilt auch weiter: Wer hoffen will, dass seine Flächen Bauland werden, tritt einen Teil davon zu marktüblichen Preisen an die Gemeinde ab, die dort bezahlbaren Wohnraum schafft oder Einheimischenmodelle umsetzt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Eingestürztes Gerüst - offenbar ein Materialfehler
Ein Materialfehler ist offenbar Ursache für das umgefallene Gerüst in Starnberg. Die Polizei ermittelt nicht weiter.
Eingestürztes Gerüst - offenbar ein Materialfehler
Der Imker, Museumswärter und Waldbesitzer
Vor genau 55 Jahren hat Peter Lederer in der Gemeinde Tutzing seinen Dienst begonnen. Sein ganzes Berufsleben ist er ihr treu geblieben, die Laufbahn führte ihn bis an …
Der Imker, Museumswärter und Waldbesitzer
Mann versucht Mofa zu stehlen - und kommt nicht weit
Ein unbekannter Täter ist in Söcking an einer Hofeinfahrt zwei Zeugen aufgefallen. Sie nahmen die Verfolgung auf.
Mann versucht Mofa zu stehlen - und kommt nicht weit
Bis zum Neubau unter Beobachtung
Die Brücken im Landkreis sind zum größten Teil in einem akzeptablen bis guten Zustand. Einige jedoch stehen unter besonderer Beobachtung, Neubaupläne laufen. Dazu …
Bis zum Neubau unter Beobachtung

Kommentare