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Der größte Brand in Pöcking seit mehreren Jahrzehnten: Die Flammen am Wohnhaus an der Straße Hohe Wurz vom 16. November. Die Feuerwehr rettete ein Ehepaar, die Frau starb später.

Mitgliederversammlung

Pöckinger Feuerwehr zieht Jahresbilanz: Sechs Alarme in 30 Stunden - „Da kommst du nicht zum Schlafen“

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Die Feuerwehr Pöcking war 2018 gut beschäftigt. 2020 stehen mehrere Wechsel in der Vorstandschaft an.

Pöcking – Um klarzumachen, wie beschäftigt die Pöckinger Feuerwehr im Jahr 2018 war, gab Kommandant Georg Kammerlocher einen Einblick in sein Privatleben. „Meine Frau fragt mich nicht mehr: Wann bist furt? Sondern: Wann bist dahoam?“, sagte er bei der Mitgliederversammlung am Freitagabend.

108-mal rückten die Pöckinger aus – zu 33 Bränden, 39-mal als technische Helfer bei Unfällen, fünfmal als Sicherheitswache und 31-mal wegen Fehlalarmen oder weil eine Brandmeldeanlage ausgelöst wurde. Der Vorsitzende Walter Erhard kommentierte: „Ich glaube, so viele Stunden hatten wir noch nie.“ 5926 waren es samt Übungen und Veranstaltungen im vergangenen Jahr.

Sehr oft wurden die Retter in Nachbarorte gerufen. Doch besonders einen Einsatz im eigenen Dorf werden sie nie vergessen: Freitag, 16. November. Ein Inferno, wie es Pöcking seit Jahrzehnten nicht erlebt hat, zerstört das Wohnhaus eines Ehepaars an der Straße Hohe Wurz. Die Feuerwehrler können das Gebäude nicht direkt anfahren, müssen über den Gartenzaun klettern. Sie retten das Paar, 81 und 82 Jahre alt. Die Frau erliegt später ihren schweren Verletzungen.

Bürgermeister Schnitzler kritisiert viele Fehlalarme

Kammerlocher berichtete auch von mehreren Alarmen an einem Tag. „Das kommt mittlerweile öfter vor. Da kommst du nicht zum Schlafen.“ Ein Beispiel: Waren die Pöckinger in der Nacht des 27. Augusts zum brennenden Bootshaus in Leoni geeilt, mussten sie am Mittag darauf schon zu einem qualmenden Haus in Feldafing. Dort hatten sie noch nicht fertig aufgeräumt, als die Meldung kam: Rauchentwicklung in Possenhofen. Am dichtesten war die Schlagzahl allerdings im November. Sechsmal innerhalb von 30 Stunden rückte die Feuerwehr aus, weil unter anderem die Brandmeldeanlagen im Seebad, im Landratsamt und im Klinikum Starnberg Alarm geschlagen hatten.

Gerade wenn sie in Tiefgaragen aktiviert werden, ist nicht unbedingt immer ein Großeinsatz nötig. Bürgermeister Rainer Schnitzler kritisierte, dass die Pöckinger so oft unnötig ausrücken müssen. Es gebe mittlerweile so viele Fehlalarme in Starnberg. „Ich frage mich, ob da bei der Einsatzplanung alles richtig läuft. Irgendwann reagiert man nicht mehr.“ Der ebenfalls anwesende Kreisbrandinspektor Helmut Schweickart berichtete, das Problem werde in überörtlichen Gruppen bereits diskutiert und habe sich durch die verpflichtenden Rauchmelder in Privathaushalten seit Anfang 2018 noch verschärft.

Lesen Sie auch: So wird 2019 in Pöcking

Finanziell geht es dem Verein gut – vor allem dank der fast 7500 Euro, die ihn 2018 erreichten. Das Gesamtvermögen: etwa 32 000 Euro, berichtete Kassier Alexander Lauterbach. Außerdem teilte er mit, dass er sich 2020 nur im Notfall zur Wahl stellen möchte. Mehrere Wechsel in der Vorstandschaft stehen an. Laut dem Vorsitzenden Erhard werden er selbst, sein Vize Josef Wiesenmayer, Schriftführer Hans Peter Baumer und Fähnrich Hans Ammerl nicht mehr kandidieren. „Bis Sommer wollen wir ein neues Team aufstellen“, sagte Erhard.

Rückblick auf ein doppeltes Jubiläum

So gut wie vollzählig vertreten war die Jugendabteilung bei der Mitgliedersammlung, die zwölf männliche und fünf weibliche Mitglieder zählt. Betreuer Tobias Mallmann erinnerte an den Jugendpokal im eigenen Ort – und im Jahr eines Doppeljubiläums: 140 Jahre Feuerwehr und 35 Jahre Jugendfeuerwehr feierten die Pöckinger. Für die Zukunft wünschen sich alle ein neues Feuerwehrhaus. „Das alte entspricht weder den Standards noch den Vorschriften“, sagte Bürgermeister Schnitzler. Es werde aber noch einige Zeit dauern. Immerhin: Die Planungen werden konkreter. Am 18. Februar kommt es zur nächsten Besprechung mit dem verantwortlichen Planungsbüro.

Einen netten Zufall erwähnte Erhard noch zum Schluss: „Die Mitgliederzahl ist leicht zu merken – 112, wie der Notruf. 

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