Bilder mit Ausdruck kreiert die Pöckinger Künstlerin Isolde Grözinger schon ihr Leben lang.
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Bilder mit Ausdruck kreiert die Pöckinger Künstlerin Isolde Grözinger schon ihr Leben lang.

Ausstellung im Beccult

Pöckinger Künstlerin zeigt Lebenswerk

Das Kulturhaus Beccult stellt Isolde Grözingers Landschaftsbilder, Skizzen und Selbstporträts noch bis Sonntag aus.

Pöcking – Großformatige Blumenbilder zieren noch bis Sonntag das Foyer des Pöckinger Beccult. „Erwachen“ heißt eines der Werke, und es steht für das Werden der außergewöhnlichen Künstlerin Isolde Grözinger, die frei und locker aus dem Handgelenk Blüten auf die Leinwand wirft, in leuchtendem Zitronengelb und strahlendem Paradiesgrün.

Die Malerin, die seit 1973 in Pöcking lebt, kommt aus einem künstlerischen Haushalt. Ihr Großvater Paul Frantzen war ausgebildeter Kirchenmaler in Würzburg, ihr Onkel Bildhauer, ihr Vater ein Geografielehrer, der sein Leben lang gemalt und gezeichnet hat. Dass die Tochter Kunst studiert, das wollte er dann aber doch nicht. Sie sollte schon einen „gescheiten Beruf“ lernen. Also hat sich Isolde Grözinger in Betriebswirtschaft eingeschrieben und nach Abschluss des Studiums 34 Jahre lang an der Salvator-Realschule in München unterrichtet. Klingt brav, wäre da nicht ihr Skizzenbuch, das zum steten Begleiter in ihrem Leben wurde. Darin hielt sie Menschen und Landschaften fest, skizzierte mit sicherer Handschrift, oft mit Kugelschreiber, tagebuchartig Momentaufnahmen hinein und blieb sich all die Zeit im Innersten treu. Bis heute führt sie die Zeichentagebücher, die auf der Bühne zum Durchblättern ausliegen. Die Werkschau umfasst Skizzen, Zeichnungen und Malerei in Acryl auf Papier und Mischtechnik, ihr Lebenswerk.

Von Selbstporträts über Großmutters Korsett bis zur freien Malerei

Man findet die erste Kinderzeichnung von 1947, ein „Eigchezhien“ (Eichkätzchen), sechs Jahre war sie da alt. Aber auch eine Serie Selbstporträts, Großmutters Korsett oder die Serie „Ohne Furcht und Tadel“, die sich mit dem Tod auseinandersetzt. Man begegnet Rilke und Minotaurus, düsteren Kindheitserinnerungen mit verdunkelten Räumen und Fliegeralarmen oder einer Hausfront, deren Außenwand wegbombardiert wurde. Zwei blaue Stühle stehen in der Ruine. Die Ausstellung zeigt aber auch heitere Landschaften und Urlaubserinnerungen, Porträts von Menschen aus fremden Ländern. Außerdem wird eben auch die Minotaurus-Sage in einem Bilderzyklus erzählt, eine Serie herausragender Arbeiten.

Zur freien Malerei fand die Künstlerin 1997, als sie bei Juschi Bannaski zum ersten Mal einen Malkurs belegt. Dort lernte sie, den schwarzen Zeichenstift gegen einen Pinsel einzutauschen. Sie fand den Zugang zur Gegenstandslosigkeit. Heute ist sie auf diesem Gebiet eine Meisterin, verwandelt Papiere in Leder, Metall, Textiles, bringt Stofflichkeit und Materialität haptisch auf die Leinwand und öffnet Farbwelten von flirrender Bildtiefe.

In die Ausstellung „Rückschau“ von Isolde Grözinger kann man nur noch bis Sonntag eintauchen. Geöffnet ist das Beccult täglich von 16 bis 19 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung z (0 81 57) 16 85.  ak

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