Begeistert von der Schönheit der Natur auf dem Pöckinger Ministerhügel: Vizebürgermeister und Marketingreferent Albert Luppart. Die neun Buchen spannen sich im Sommer wie ein Zeltdach über die Kuppe. 
+
Begeistert von der Schönheit der Natur auf dem Pöckinger Ministerhügel: Vizebürgermeister und Marketingreferent Albert Luppart. Die neun Buchen spannen sich im Sommer wie ein Zeltdach über die Kuppe. 

Neun wackere Buchen an historischer Stelle

Pöckinger Naturdenkmal erinnert an Eiszeit und Entmachtung von König Ludwig

  • Tobias Gmach
    VonTobias Gmach
    schließen

Mehr als 20 Bäume oder Baumgruppen im Land-kreis sind Naturdenkmäler. Was sie so besonders macht, erklären wir in ei-ner Serie mit loser Folge. Heute: neun Buchen, die es nicht leicht haben. Sie stehen an einem Ort in Pöcking, der sowohl an die Entmachtung König Ludwigs II. als auch an die letzte Eiszeit erinnert.

Pöcking – Wie ein Zeltdach spannen die neun Buchen ihre Blätterkleider im Sommer über den Pöckinger Ministerhügel. Könnten sie sehen, würden sie in den blätterlosen Monaten den Starnberger See und die Alpenkette dahinter erblicken. Dass die Bäume dort oben in dieser Pracht seit geschätzt 100 bis 150 Jahren stehen, ist keine Selbstverständlichkeit.

Für Albert Luppart, der seit seinem fünften Lebensjahr in Pöcking lebt, sind die neun Buchen aber genau das: selbstverständlich, schon immer da gewesen und als Naturdenkmal vor allem schützenswert. Der 59-Jährige ist nicht nur Vizebürgermeister und Kulturreferent, sondern auch Marketingreferent des Gemeinderats. Sein erster Satz beim Treffen auf dem Ministerhügel: „Das ist einer der schönsten Punkte Pöckings.“ Als Kind raste Luppart dort den Hang hinunter, als Erwachsener hebt er nun eine zerquetschte Dose vom Boden auf und sagt: „Bei mir ist immer Ramadama.“ Ansonsten ist er während der halben Stunde am Hügel ausschließlich mit Schwärmen beschäftigt. Über die neun Buchen. „Das ist der Hammer. Wir sind glücklich, dass wir so etwas bei uns haben. Die Natur bildet ihre eigene Schönheit, das kann man nicht schaffen.“ Luppart fände es gut, wenn die Gemeinde als Grundstücks- und Bäumeeigentümer eine Tafel anbringen würde, um über das Naturdenkmal und was dahinter steckt aufzuklären. „Viele wissen das nicht.“

Jürgen Ehrhardt schon. Er ist Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege. „Alles was wir in der Landschaft sehen und lieben, ist insbesondere durch die letzte Würmeiszeit entstanden“, sagt er. Und so sei es auch mit dem Ministerhügel. Er gehöre zu den Hinterlassenschaften der Seitenmoräne eines Gletschers – ein lineares Band, das sich am Westufer des Sees entlangziehe und an dieser Stelle besonders ausgeprägt sei. Die Hochphase der Eiszeit war vor etwa 20 000 Jahren.

Besonderes Exemplar: eine der Buchen, die sich nach oben hin auffächert. 

Wie alt die neun Buchen genau sind, lässt sich laut Ehrhardt sehr schwer bestimmen. „Es gibt jüngere Bäume, die genauso dick sind wie sie“, sagt er. „Die Lage auf der Kuppe ist ein Magerstandort. Sie bekommen nur das Wasser, das tatsächlich dort oben landet.“ Und sie sind jedem Sturm direkt ausgesetzt. „Eine Buche ist schon mal abgebrochen“, erinnert sich der Landespflege-Fachmann. Auf gut Deutsch: Die neun Buchen haben es nicht leicht auf dem Ministerhügel. Aber sie halten sich wacker. Den Status Naturdenkmal verdanken sie vor allem der besonderen Kuppenlage. „Aber als 0815-Bäume hätten sie ihn trotzdem nicht bekommen“, sagt Ehrhardt. Besonders auffallend ist jene Buche mit dem monströsen Stamm, der sich auf 1,50 Metern Höhe in drei Stämme teilt. Und die, die sich, an ein Kettenkarussell erinnernd, auffächert.

Doch wenn der Ort schon so eine große Rolle spielt – warum heißt der Ministerhügel eigentlich wie er heißt? Weil der bayerische Minister Johann Michael Adam Freiherr von Lutz 1875 dort um die Ecke, an der Feldafinger Straße 18, in eine gelbe, dreigeschossige, spätklassizistische Kreuzgiebelvilla zog. Auch sie ist ein Denkmal. „Lutz war neben Maximilian von Montgelas einer der bedeutendsten Gestalter Bayerns. Er hat Bayern verändert, ihm seine Signatur aufgeprägt wie kaum ein anderer“, schrieb Christine Peuker vom Pöckinger Gemeindearchiv in einem Aufsatz über ihn. Lutz stieß zum Beispiel wichtige Schulreformen an. Er fühlte sich dem Staat verpflichtet und konnte einer weiter steigenden Schuldenlast, durch König Ludwig II. verursacht, nicht zustimmen. Peuker schreibt weiter: „Als strebsamer Bürokrat, der in Heller und Pfennig denken gelernt hatte, konnte Lutz nie verstehen, dass jemand Millionen Gulden für Schlossbauten zum Fenster hinauswarf. Nach Verhandlungen mit Prinz Luitpold, dem Onkel und Nachfolger Ludwigs, gab er Gutachten von Nervenärzten in Auftrag, die den König für lebenslang regierungsunfähig einstufen und entmündigen sollten. Lutz hatte somit am tragischen Ende von König Ludwig II. erhebliche Schuld. Gegenüber seinen Freunden behauptete er, diese Entscheidung sei die schwerste seines Lebens gewesen.“ Lutz starb 1890 in seiner Villa.

Oberhalb davon, auf dem Hügel, zeigt sich nun bald die Vergänglichkeit, wenn die Blätter fallen. Die Buchen aber, sie bleiben.

Das Landkreiswetter

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare