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Geld ist genug da in Pöcking. Aber die Ausgaben verzögern sich. 

Haushalt

Pöckings Finanzen: 80 Millionen Euro Rücklagen, 18,6 Millionen Kreisumlage und viele verschobene Ausgaben

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Die Gemeinde Pöcking steht finanziell gut da. Sorgen hat Kämmerer Michael Schmid trotzdem.

Pöcking – Welche Auswirkungen die boomende Baubranche auf die Finanzplanung einer Gemeinde haben kann, zeigt sich am Beispiel Pöcking: So manche Ausgabe, die 2019 vorgesehen war, fällt nun erst 2020 an. „Weil die Auftragslage der Firmen so gut ist, konnten wir bestimmte Projekte nicht durchziehen“, erklärt Pöckings Kämmerer Michael Schmid. Auf 406 Seiten hat er den Haushalt der Gemeinde sowie die Finanzplanung bis 2023 zusammengestellt.

Warten mussten zum Beispiel die Anwohner von Enzian- und Feldweg – auf die Sanierung der Wasserleitungen auf jeweils 300 Metern. Insgesamt 400 000 Euro sind dafür vorgesehen. Ins Geld geht laut Schmid auch die Fortführung des Straßensanierungsprogramms. Beispiel: Die Söckinger Straße wird ausgebaut. Die größte Investition betrifft aber das im November 2019 eröffnete Bürgerhaus Beccult. Die Außenanlagen mit Parkplätzen sind noch nicht fertig, für Tiefbauarbeiten und dergleichen müssen noch Rechnungen bezahlt werden. „Wir haben Abschlusskosten von gut zwei Millionen Euro“, sagt der Kämmerer. 1,5 Millionen Euro plant die Gemeinde für die energetische Sanierung von Wohnhäusern am Kinibauerweg ein. Sie stammen aus den 1960er Jahren. In dem Bereich sollen außerdem acht bis zehn neue Wohnungen entstehen, bis 2023 will Pöcking dafür weitere zwei Millionen Euro ausgeben. Für 3,5 Millionen Euro möchte die Gemeinde Grundstücke im Ort erwerben.

Für 2020 rechnet die Gemeinde mit „nur“ fünf Millionen Euro Gewerbesteuern

Pöcking ist reich: Das ist nicht nur ein Satz, den man bei Erwähnung des Ortes zuverlässig hört. Er stimmt auch. Das zeigen die zirka 80 Millionen Euro Rücklagen. Rund 30 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen im Jahr 2018 und etwa 27 Millionen Euro im Folgejahr landeten in der Kasse. Schmid erklärt die Summen mit Firmenverkäufen. „Die Erlöse müssen ja versteuert werden.“ Der Kämmerer spricht aber von „einmaligen Effekten“. Für 2020 rechnet die Gemeinde mit „nur“ fünf Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen. Wer viel von den Wirtschaftsbetrieben profitiert hat, muss dann auch viel an den Landkreis weitergeben. So zahlt Pöcking heuer rund 18,6 Millionen Euro Kreisumlage – Platz zwei hinter der Stadt Starnberg.

Wer glaubt, ein Kämmerer in Pöcking habe keine Sorgen, der irrt: Seit Jahren wartet die Gemeinde auf ein Urteil. Es geht darum, ob sie Gewerbesteuern plus Zinsen an eine finanzkräftige Firma zurückzahlen muss. Vorsorglich hat Schmid rund 33 Millionen Euro bei den Ausgaben für 2021 vermerkt. „Das ist der Worst Case, den wir hier annehmen“, erklärt er. „Aber die Investitionen dürfen deshalb nicht stehen bleiben.“ Tun sie laut Haushaltsplan auch nicht. Gerade für die Feuerwehren ist in den kommenden Jahren viel Geld vorgesehen. Schmid schätzt vorsichtig, dass rund 15 Millionen Euro für den Neubau des Pöckinger Feuerwehrhauses benötigt werden. Ob es ein gemeinsames Retterhaus mit der DLRG geben wird, ist noch ein Diskussionsthema. Für ein Feuerwehrhaus in Maising kalkuliert die Gemeinde mit 3,3 Millionen Euro für Planung und Neubau bis 2024.

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