Über das notdürftig reparierte Fenster wollten sich die Täter Zugang verschaffen.
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Über das notdürftig reparierte Fenster wollten sich die Täter Zugang verschaffen.

„Du kannst nicht mehr abschalten“

Zwei Einbrüche innerhalb weniger Wochen: Kioskbesitzer mit Nerven am Ende - „hat uns komplett fertiggemacht“

  • Katja Brenner
    vonKatja Brenner
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Ein Kiosk in Possenhofen war am Wochenende erneut das Ziel Krimineller. Das hat nicht nur Spuren am Kiosk, sondern auch bei dessen Besitzern hinterlassen.

  • In weniger als drei Wochen wurde in einem Kiosk in Possenhofen zweimal eingebrochen.
  • Gefasst wurde der unbekannte Täter bisher nicht.
  • Der Besitzer hofft nun auf eine Video-Überwachung am S-Bahnhof.
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Possenhofen – Constantin Alexandru ist mit den Nerven am Ende. Vor anderthalb Jahren haben er und seine Frau Lydia all ihr Geld zusammengekratzt und zusätzlich einen Kredit aufgenommen, um den Kiosk mit Bistro nahe der S-Bahn in Possenhofen zu kaufen. Jetzt wurden die beiden innerhalb von weniger als drei Wochen gleich zweimal Opfer von Kriminellen.

Schon in der Nacht auf den 9. November brachen Unbekannte in den Kiosk ein, erbeuteten Geld, Zigaretten und ein Laptop (wir berichteten). Schadenshöhe laut Constantin Alexandru: rund 5000 Euro. In der Nacht auf Sonntag versuchten bislang unbekannte Täter an dem Kiosk wieder, einen metallenen Fensterladen aufzuhebeln.

Kiosk in Possenhofen: Zwei Einbrüche in weniger als drei Wochen - Alarmanlage verhindert Schlimmeres

Diesmal blieb es jedoch beim Versuch. Knapp eine Woche nach dem ersten Einbruch installierten Lydia und Constantin Alexandru eine Alarmanlage in ihrem Kiosk. Die wurde ausgelöst, Lydia Alexandru bekam eine halbe Stunde nach Mitternacht von der Anlage einen automatischen Hinweis auf ihr Handy, dass in ihrem Kiosk ein Alarm ausgelöst wurde. Sie verständigte die Polizei.

Die Beamten konnten jedoch nur noch die Spuren des Einbruchs aufnehmen, da die Täter wohl wegen des Alarms die Flucht ergriffen hatten. Constantin Alexandru geht davon aus, dass es wieder der oder dieselben Täter wie beim ersten Einbruch waren. Der Tathergang legt das nahe.

Einbruch in Possenhofen: Kioskbesitzer äußert Verdacht zu Täter - hat er die Familie ausspioniert?

Beim zweiten Mal haben die Einbrecher es erneut am selben Fenster versucht, das schon beim Einbruch vor drei Wochen in Mitleidenschaft gezogen wurde. Damals wurde der Fensterladen aufgehebelt und die Fensterscheibe eingeschlagen. Sachdienliche Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer (0 81 51) 36 40 entgegen.

Was Constantin Alexandru besonders komisch vorkommt: An dem Tag der zweiten Tat war bei der Familie vormittags ein Mann vor der Tür gestanden. Alexandrus 12-jähriger Sohn war allein zuhause, die Eltern mit dem Auto beim Kiosk. Der Fremde klingelte, als der Sohn statt gleich zu öffnen zur Sicherheit erst einmal aus dem Küchenfenster schaute, lief der Fremde weg.

Possenhofen: Einbrüche haben bei Kioskbesitzern Spuren hinterlassen - „Du kannst nicht mehr abschalten“

„Wahrscheinlich hat der uns mehrere Tage beobachtet“, sagt der Familienvater. Er geht davon aus, dass der Mann geläutet habe, um zu sehen, ob er bei Alexandrus daheim einbrechen könne – schließlich stand das Auto am Kiosk.

Die Vorfälle haben ihre Spuren hinterlassen. Kaum hatten die Alexandrus sich zumindest etwas vom Schock des ersten Einbruchs erholt, kam am ersten Adventswochenende der Einbruchsversuch. „Der Zweite hat uns komplett fertiggemacht“, sagt Constantin Alexandru. Der 53-Jährige, der vor 30 Jahren aus Rumänien nach Deutschland kam, klagt über Kopfschmerzen, Albträume und Schlafprobleme. „Du kannst nicht mehr abschalten“, sagt er.

Nach Einbrüchen in Kiosk: Besitzer hofft auf Video-Überwachung am S-Bahnhof

Dennoch möchte er den Kiosk nicht aufgeben. „Das ist mein Traum“, sagt der gelernte Koch. Selbst noch mehr in die Sicherheit des kleinen Ladengeschäfts investieren, kann er nicht. Corona, Lockdown, der Einbruch und der noch nicht abbezahlte Kredit beuteln ihn und seine Familie schon genug.

Er hofft auf die Gemeinde, bei der er demnächst mit seinem Anliegen vorstellig werden will. Die solle mehr in die Sicherheit im öffentlichen Raum investieren. Dem Kiosk-Besitzer schwebt mehr Video-Überwachung vor der S-Bahnstation vor. „Am Bahnhof kann immer etwas passieren“, gibt Constantin Alexandru zu bedenken.

Wüst sieht es auch auf der Terrasse des Starnberger Jungendtreffs Nepomuk aus: Unbekannte haben nachts Möbel des Jugendzentrums verbrannt - und damit einen immensen Schaden angerichtet. Knapp ein Dreivierteljahr begleitet die Corona-Krise den Alltag der Menschen bereits. Für Jugendliche ist das gefühlt eine halbe Ewigkeit. Die Jugendzentren im Landkreis Starnberg haben großen Zulauf.

(Von Katja Brenner)

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