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Bernhard Zillner und sein Partner Stefan Seerieder sind die neuen Gondolieri.

Roseninsel

Hermann, der Fährmann

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Pöcking - Bernhard Zillner und sein Partner Stefan Seerieder sind die neuen Gondolieri – Simmerding-Werft baut neue Zille

Ganz bedächtig gleitet die Fähre dem Ufer entgegen. Schnell noch kurz den Rückwärtsgang zum Bremsen eingelegt, um ganz sanft anzulegen, und schon ist das 11,5 Meter lange Holzboot am Steg im Feldafinger Lennè-Park geparkt. Bernhard Zillner, der überall nur Hermann gerufen wird, hat so langsam den Bogen raus, um das Fahrgastschifferl sicher von der Roseninsel an Land und wieder zurück zu steuern. Der 47-jährige Pöckinger und sein Partner Stefan Seerieder (48) sind die neuen Fährmänner für die jährlich von bis zu 40 000 Gästen besuchte Roseninsel.

Einsteigen darf am Glockensteg allerdings noch niemand, obwohl an diesem Donnerstagnachmittag bei herrlichem Frühlingswetter schon viele Ausflügler unterwegs sind und am liebsten gleich mitfahren würden. „Tut mir leid, aber die Saison beginnt erst am 1. Mai“, vertröstet Zillner die Sonnenanbeter. Außerdem muss er noch ein bisschen An- und Ablegen üben, schließlich steht nächsten Freitag die Prüfung zum Erwerb der Lizenz zur Personenbeförderung an.

Über 30 Jahre lang hatte Norbert Pohlus die Besucher auf die Roseninsel chauffiert. Als er im Herbst vergangenen Jahres das Ruder endgültig an den Nagel hängte, musste die Stelle als Fährmann von der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung neu ausgeschrieben werden. Für Zillner die Chance seines Lebens. „Ich liebe den See, habe ihn schon durchschwommen, war auf ihm mit dem Segelboot und dem SUP und habe dort fast meine ganze Freizeit verbracht. Was gibt es also Schöneres, als auf dem See zu arbeiten?“, sagt der 47-Jährige. „Schon vor zehn Jahren dachte ich mir, diesen Job will ich irgendwann einmal machen.“ Da er die Aufgabe nicht alleine stemmen wollte, fragte er seinen Großcousin Stefan Seerieder, ob er sich gemeinsam mit ihm für den Posten als Fährmann bewerben wolle. „Ich dachte zunächst, das sei ein Witz“, lacht Seerieder, der auch als Gästeführer arbeitet und schon alleine deswegen den Fahrgästen allerhand Wissenswertes zur Roseninsel und zum Starnberger See erzählen kann. Nach kurzer Bedenkzeit gab das Duo seine Bewerbung ab – und erhielt prompt den Zuschlag. Die beiden Pöckinger gründeten eine GbR und sind nun selbstständige Fährleute. „Ich freue mich riesig, dass ich jetzt auch beruflich auf den See darf“, sagt Zillner.

Jede Menge Buchungen

Langweilig wird ihm und seinem Kompagnon sicher nicht werden. Sie haben für diese Saison, die am 1. Mai beginnt und am 15. Oktober endet, bereits viele Vorbuchungen, und an den Wochenenden geht es ohnehin rund. „Insgesamt werden in diesem Jahr 68 Trauungen auf der Roseninsel stattfinden, das heißt, an 17 Tagen stehen je vier Hochzeiten an“, erklärt Seerieder. Und Braut und Bräutigam samt Hochzeitsgesellschaft wollen alle trockenen Fußes auf das kleine Eiland kommen. Apropos Hochzeiten: Normalerweise läuft der Fährbetrieb von 10 Uhr morgens (im Mai ab 11 Uhr) bis 18 Uhr, „wenn aber Hochzeiten anstehen, dann können die sonstigen Besucher erst ab 12 Uhr mitfahren“, sagt Zillner. Wenn viel Betrieb ist, werden die beiden Gondolieri mit zwei Booten die rund 170 Meter zwischen Roseninsel und Glockensteg befahren.

Simmerding baut die neue Zille

Als dringlichste Voraussetzung für den Job hatte die Schlösser- und Seenverwaltung von den künftigen Fährleuten zwei Beförderungsboote gefordert, die für 30 Personen ausgelegt sind. Da Vorgänger Pohlus nur eines mit dieser Kapazität besaß, gaben Zillner und Seerieder den Bau einer neuen Zille – so werden diese Art flacher Holzboote in Bayern genannt – in Auftrag. „Für uns kam nur in Frage, dass ein Bootsbauer aus der Region zum Zug kommt“, erzählt Zillner. Den Auftrag erhielt die Traditionswerft Simmerding in Leoni, die seit einigen Monaten das Boot nach den Plänen einer renommierten Bootsbauingenieurin anfertigt. Die neue Zille wird ein Schmuckstück. Spanten, Planken, Bodenbohlen, Seitenwände und Aufbau bestehen aus hochwertigem Mahagoniholz aus dem Kongo – „aus zertifiziertem Anbau, kein Wildschlag“, betont Seerieder.

Ob die neue Zille, deren Namen die beiden Pöckinger partout noch nicht verraten wollen, rechtzeitig zum 1. Mai vom Stapel laufen kann, ist noch nicht sicher. Mittlerweile ist der Rumpf des knapp 12 Meter langen, 2,56 Meter breiten und rund drei Tonnen schweren Bootes fertig und erstmals lackiert. Für die Jungfernfahrt jedenfalls hat sich bereits ein prominenter Gast angesagt: Heimatminister Markus Söder, „praktisch unser oberster Dienstherr“ (Seerieder), will sich die erste Spritztour in der neuen Zille nicht entgehen lassen. Und bis dahin haben Hermann Zillner und Stefan Seerieder das An- und Ablegen sicherlich perfektioniert.

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