Kanadagans
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Eine Kanadagans auf Nahrungssuche. Ob sie im Wasser schläft, wollen Forscher am Starnberger See herausfinden.

Wissenschaftliches Projekt in Pöcking

Kann die Gans beim Schwimmen schlafen? Max-Planck-Forscher wollen es herausfinden

Das Max-Planck-Institut in Seewiesen richtet eine Forschungsgruppe „Vogelschlaf“ ein. Auf dem Eßsee ist ein großer Käfig geplant.

Seewiesen – Manche Vögel schlafen im Flug. Das ist wissenschaftlich erforscht und erwiesen. Aber wie verhält sich das bei den Wasservögeln? Schlafen die auch schwimmend auf der Wasseroberfläche? Dieser Frage wollen die Mitglieder der Forschungsgruppe „Vogelschlaf“ im Max-Planck-Institut (MPI) für Ornithologie in Seewiesen bei Pöcking nachgehen.

Die Antwort auf diese Frage wollen die Forscher nicht im Labor erhalten, sondern unter möglichst natürlichen Bedingungen. Nun können sie sich schlecht am Ufer eines Gewässers auf die Lauer legen, um die Tiere im Schlaf zu beobachten. Dafür ist es nächtens für das menschliche Auge zu dunkel, und zweitens ist zu befürchten, dass die Beobachter die Müdigkeit übermannt und sie selbst wegdämmern. Eine Schwimm-Volière soll den Vogelkundlern aus der Misere helfen, erklärt Dr. Sabine Spehn, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im MPI.

Und das soll so funktionieren: Ein 75 Meter langer, vier Meter breiter und zweieinhalb Meter großer Käfig wird am Ufer des Eßsees auf dem Institutsgelände positioniert und verankert. Denn nur ein kleiner Teil der Volière steht an Land, der weitaus größere Rest liegt im Wasser. Eine Futterstelle am Ende des Käfigs soll die Wasservögel anlocken, sich durch das Drahtgerüst auf den Weg zu den Leckereien zu machen. „Das müssen sie zunächst lernen, bevor der eigentlichen Zweck der Übung angepackt wird“, erklärt die PR-Referentin.

Wenn die Vögel ihre Basis-Information gelernt haben, geht es ans Eingemachte. Vom Anfang bis zum Ende der Volière werden Kameras installiert, die das Verhalten der Tiere dokumentieren sollen – rund um die Uhr.

Welche Wasservögel als Probanden in Frage kommen, steht noch nicht hundertprozentig fest, sagt Spehn. Allerdings spricht einiges für die Kanada-Gänse. Warum? „Diese Tiere haben einen dunklen Kopf, allerdings auch dunkle Augäpfel“, antwortet Spehn, „aber wenn sie die Augen schließen, erscheint ein weißes Lid, und das zeigt in der Kameraaufnahme an, dass die Gans schläft.“ Nicht zuletzt hat die Gattung Gans Seewiesen weltweit berühmt gemacht – dank Verhaltensforscher Konrad Lorenz, der dort im Rahmen seiner Forschungsarbeit unter Gänsen lebte. Allerdings bevorzugte er Graugänse.

Mit ihrem auf vier Jahre angelegten Forschungsprojekt hat sich das MPI an die Gemeinde Pöcking gewandt. Da es sich bei der Volière mutmaßlich um ein Bauwerk handelt, das zudem noch im Außenbereich angesiedelt sein wird, hatte sich der Bau- und Umweltausschuss am Montagabend mit dem Bauantrag zu befassen. Die Ausschussmitglieder fackelten nicht lange, äußerten sich amüsiert über das „Sleepswimming in Seewiesen“ und gaben grünes Licht.  

Stephan Müller-Wendlandt

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