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Das geplante Haus der Bürger und Vereine von Osten aus gesehen. Die aktuell veranschlagten Baukosten liegen bei 10,5 Millionen Euro.

Haus der Bürger in Pöcking: Schützen und Blaskapelle sollen zahlen

Vereine, bitte zur Kasse!

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Das Haus der Bürger und Vereine sorgt im Pöckinger Rat weiter für Diskussionen. Jetzt wurde klar, dass Schützen und Blaskapelle für den Neubau massiv mit zur Kasse gebeten werden sollen.

Pöcking – Eigentlich sind die Weichen im Spätherbst gestellt worden. Und doch sorgte das Haus der Bürger und Vereine, mit dessen Bau in Pöcking heuer begonnen werden soll, am Dienstagabend erneut für eine intensive Debatte im Gemeinderat. Auslöser war eine Folie, die Thomas Albinger von der Firma companeer, die mit der Projektsteuerung betraut ist, an die Wand projizierte. Diese zeigte die geschätzten Kosten für den Neubau.

Was dabei auffällig wurde: Bislang wurde im Rat in öffentlicher Sitzung immer nur davon gesprochen, dass der Bau rund 9,8 Millionen Euro kosten soll. Zwar sind die prognostizierten Kosten seit der Ratssitzung im Oktober schon wieder um 150 000 Euro gestiegen. Aber selbst das geriet in den Hintergrund. Denn neben der Spalte mit den zu erwartenden Kosten für die Gemeinde tauchten auf einmal auf Albingers Folie noch drei weitere Spalten auf. Darin war aufgeführt, welchen Anteil der künftige Betreiber der Gastronomie im Bürgerhaus sowie die beiden Vereine, die das Haus nutzen sollen – Schützen und Blaskapelle – beisteuern sollen. Und angesichts der dort aufgerufenen Beträge stockte so manchem Gemeinderat der Atem.

So ist vorgesehen, dass sich die Gastronomie mit 508 000 Euro an den Kosten beteiligen soll. Der Bärenanteil soll für die Haustechnik bezahlt werden. Den Schützen – die beiden Nutzervereine müssten noch fusionieren – sollen 83 000 Euro in Rechnung gestellt werden. Die Blaskapelle Pöcking müsste 38 000 Euro schultern.

Auf die entschiedene Nachfrage von Ute Nicolaisen-März (CSU), wie insbesondere die Vereine diese astronomischen Beträge schultern sollen, druckste Projektsteuerer Albinger herum: „Da kann vielleicht einiges in Eigenleistung erbracht werden. Zudem ist es eine Frage, wie hochwertig die Ausstattung der entsprechenden Räumlichkeiten werden soll.“

Auch Bürgermeister Rainer Schnitzler (PWG) blieb vage: „Die Schützen haben einiges gespart, zudem hat der Landesverband bereits einen Zuschuss avisiert.“ Allerdings mochte er nicht ausschließen, dass sich die Schützen schlussendlich doch mit der Bitte um weitere Unterstützung an die Gemeinde wenden würden. „Das ist aber nichts Neues“, so Schnitzler. In öffentlicher Sitzung ist dieses Thema allerdings bislang noch nie angesprochen worden.

Rechnet man die 9,878 Millionen Euro Gemeindeanteil mit den Kosten, die Gastronomie und Vereine beisteuern sollen, zusammen, dann wird klar, dass das Haus der Bürger und Vereine mittlerweile mindestens 10,5 Millionen Euro kosten wird. Das sind allerdings reine Planzahlen. Wie hoch die Kosten tatsächlich werden, vermag noch niemand zu sagen – der Bau ist noch nicht ausgeschrieben.

Diskussionen gab es auch wegen der Wohnungen, die über dem Haus der Vereine entstehen sollen. Das Landratsamt regte in seiner Stellungnahme zum Bebauungsplan an, hier genau zu formulieren, dass die Wohnungen ausschließlich „Hausmeister- beziehungsweise Bediensteten- oder Dienstleisterwohnungen“ sind. Die stark vereinfachte Befürchtung der Bauaufsicht in Starnberg: Ansonsten könnte angesichts der zu erwartenden Lärmbelastung durch Saal- und Gastronomiebetrieb, durch Schießtraining und Übungsstunden der Blaskapelle direkt unter den Wohnungen reichlich Ärger mit den Mietern drohen.

Von vornherein festschreiben, dass die Wohnungen den Angestellten der Gastronomie vorbehalten sein sollten, wollten aber weder Bürgermeister Schnitzler noch die Mehrheit des Gemeinderates. Einerseits steht dann in den Sternen, ob die Fördermittel des Freistaats Bayern für den Bau von bezahlbarem Wohnraum – immerhin 419 000 Euro – fließen würden, wenn im Gegenzug nur Dienstwohnungen für die Angestellten des künftigen Wirts entstehen. Zudem würden die immerhin rund 700 000 Euro teuren Wohnungen schlimmstenfalls leer stehen, wenn keiner der Gastronomie-Mitarbeiter dort einziehen mag.

Wie sorglos bei dem Projekt mittlerweile kalkuliert wird, belegte eine weitere Aussage von Projektsteuerer Albinger: „Man muss die Wohnbauförderung ja nicht annehmen, wenn sie anderswo Einschränkungen verursachen würde.“ Dann würde der Bau eben wieder einmal teurer.

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