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Wissen eine Menge über Mopsfledermäuse: Dr. Holger Goerlitz (r.) und Dr. Daniel Lewanzik vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen.

Forschung

Zwei Männer und die Mopsfledermaus

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Wie Mopsfledermäuse ihre Beute austricksen, mit dieser Frage haben sich Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen befasst. Sie haben das Rätsel gelöst – mit Angelschnur, Nachtfaltern und Mikrofonen. Seit gestern darf das Ergebnis veröffentlicht werden.

von hanna von prittwitz

Seewiesen – Da hängt er ahnungslos an der Angelschnur, der Nachtfalter. „Das dauert nur wenige Sekunden, dann schnappt sich die Fledermaus ihre Beute“, beruhigt Dr. Holger Goerlitz. Der 40-Jährige ist seit 2012 als Biologe in Seewiesen beschäftigt und Forschungsgruppenleiter. Die tierischen Sinnessysteme haben ihn immer schon fasziniert, bereits 2012 hat Goerlitz den Versuch rund um die Mopsfledermaus beantragt. Diese Fledermausart gibt es auch bei uns, wenngleich nicht so häufig. Ein Tier ist gerade mal 4,5 bis 5,8 Zentimeter groß bei einer Spannweite bis 29 Zentimeter, wiegt nur sieben bis zehn Gramm und ist in der Dämmerung vornehmlich im Wald fern der Seen zu beobachten. Aus der Nähe betrachtet hat sie ein besonderes Gesichtchen, ein bisschen zerknautscht, mopsartig halt.

Fledermäuse rufen im Allgemeinen sehr laut, um sich zu orientieren und ihre Beute zu fangen. Auf der Dezibelskala liegt das schon im Bereich eines Presslufthammers, erzählt Goerlitz. Weil es sich aber um Ultraschall handelt, kann das menschliche Ohr den Lärm nicht hören. Die Mopsfledermaus jedoch ist akustisch mit Tarnkappe unterwegs – „sie ist so ungefähr zehnmal leiser als ihre Artgenossen, also etwa wie eine Kettensäge“, beschreibt es Goerlitz. Im Laufe der Evolution haben sich bei den Insekten wiederum Ohren entwickelt, mit denen sie ihre Angreifer hören können. Im Gegensatz zum menschlichen Trommelfell, das über zig Sinneszellen verfügt, haben die Insekten nur zwei, die gerade mal laut oder leise wahrnehmen. Das reicht aber aus, um den Angreifer ausmachen und ausweichen zu können.

Wie kommt nun die leisere Mopsfledermaus trotzdem an ihre Beute? Dieser Frage sind Goerlitz und sein Mitarbeiter Dr. Daniel Lewanzik (35) vom Institut in Seewiesen in den vergangenen Jahren nachgegangen. Sie führten 2014 in einem Wald bei Halle Versuche mit freifliegenden Mopsfledermäusen durch sowie 2015 in einem Labor in Seewiesen mit vorübergehend gefangenen Tieren. Über vier Mikrofone zeichneten sie die Rufe der Fledermäuse auf und berechneten darüber wiederum die Flugbahn. Gleichzeitig ließen sie den anfangs erwähnten Nachtfalter von der Angelschnur baumeln. Bei der Auswertung der Versuche in den vergangenen Monaten stellte sich heraus, dass die ohnehin zurückhaltende Mopsfledermaus bei ihrem Angriff auf den Nachtfalter immer noch leiser und leiser wird – aber immer noch laut genug, dass es der Nachtfalter im letzten Moment hört.

Wirklich überrascht hat diese Erkenntnis die Wissenschaftler allerdings nicht – im Gegenteil „Wir wissen nun, wie laut es für den Nachtfalter ist“, sagt Goerlitz und kommt gleich zu der nächsten Frage, die nun beantwortet werden will. Der Falter müsste die Mopsfledermaus hören – „aber trotzdem weicht er nicht aus“. Warum handelt er so? Ihre bisherigen Ergebnisse haben Goerlitz und sein Mitarbeiter schon vergangenen Sommer in der Fachpresse eingereicht. Gestern nun wurde die Studie im Fachmagazin „Functional Ecology“ veröffentlicht.

Auf die Frage nach dem Sinn dieser Erkenntnisse ist Goerlitz vorbereitet. „Es liegt im Wesen der menschlichen Natur, neugierig zu sein und Fragen zu stellen“, sagt er. Der Mensch wolle die Dinge wissen und verstehen, „nur deswegen sind wir heute dort, wo wir sind“. Ganz abgesehen davon sind Echoanwendung und -ortung sowie Ultraschall durchaus Themen beispielsweise in der Autoindustrie: Jeder Rückfahrsensor ist mit Ultraschall ausgerüstet.

Für den Versuch in Seewiesen hatten die Wissenschaftler in einer Mine bei Bodenmais acht Mopsfledermäuse mit Netzen eingefangen. Beteiligt hätten sich schließlich nur fünf der Tiere, berichtet Goerlitz. Mopsfledermäuse können offensichtlich auch eigen sein. Und sie wurden natürlich nach ihrem Auftritt für die Wissenschaft freigelassen.

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