Jung und alt, Frauen und Männer: Die Parteifreie Wählergruppe Pöcking (PWG) ist in ihrem 61. Jahr personell gut aufgestellt. Aktuell stellt sie neun von 20 Gemeinderäten, dazu kommt Bürgermeister Rainer Schnitzler (hinten r.). Ihr Vorsitzender ist Albert Luppart (vorne l.). Das Foto stammt von der Aufstellungsversammlung für die Kommunalwahl im Dezember 2019.
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Jung und alt, Frauen und Männer: Die Parteifreie Wählergruppe Pöcking (PWG) ist in ihrem 61. Jahr personell gut aufgestellt. Aktuell stellt sie neun von 20 Gemeinderäten, dazu kommt Bürgermeister Rainer Schnitzler (hinten r.). Ihr Vorsitzender ist Albert Luppart (vorne l.). Das Foto stammt von der Aufstellungsversammlung für die Kommunalwahl im Dezember 2019.

Seit 60 Jahren mit aller Kraft für Pöcking

  • vonSandra Sedlmaier
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Die Parteilose Wählergruppe Pöcking (PWG) will heuer ihr 60-jähriges Bestehen feiern. Sie blickt auf eine beispiellose Erfolgsgeschichte zurück. Auch, weil sie seit 60 Jahren den Bürgermeister stellt.

Pöcking – Pöcking ist dank der PWG, was es ist. Mit allen Vor- und Nachteilen. Die Parteifreie Wählergruppe Pöcking (PWG) gibt es seit 60 Jahren, und ebenso lange kommt der Bürgermeister der Westufergemeinde aus den Reihen der PWG. Das Jubiläum sollte ursprünglich schon im vergangenen Jahr gefeiert werden. Das hat coronabedingt nicht geklappt, jetzt hoffen die Mitglieder, dass sie am 17. Juli mit Weggefährten und Freunden ein Fest feiern können.

Solche Verhältnisse kennt man sonst nur von der CSU: In ihrem Gründungsjahr 1960 stellt die Parteifreie Wählergruppe Pöcking nicht nur eine Liste für den Gemeinderat auf, sondern mit Josef Grenzebach gleich auch noch einen eigenen Bürgermeisterkandidaten. Der gewinnt und bleibt 22 Jahre lang, bis zu seinem Tod, im Amt. Es folgt mit Johann Gilch ein weiterer PWG-Bürgermeister, der aber nach zwei Jahren zur Kommunalwahl zurücktritt, sodass ab 1984 Konrad Krabler im Rathaus wirken kann. Er führt die Gemeinde 18 Jahre lang, bis 2002 der aktuelle Bürgermeister Rainer Schnitzler –auch er von der PWG – gewählt wird.

Das ist aber nur die Chronologie, wie PWG-Vorsitzender und Vizebürgermeister Albert Luppart betont. Das Erfolgsgeheimnis der PWG sei, dass sie versuche, alle mitzunehmen. „Wir sind einerseits tief verwurzelt in Pöcking, andererseits haben wir viele Neubürger in unseren Reihen“, sagt Luppart. Und die rund 90 PWG-Mitglieder seien in Vereinen und Verbänden stark engagiert. „Wir haben Leute aus allen Bereichen bei uns. Wir schauen, dass es Pöcking gut geht“, unterstreicht der Vorsitzende. Das betrifft auch die unterschiedlichen Altersstufen. In den 60 Jahren hat es die PWG geschafft, die Jungen für sich zu begeistern. „Wir hatten bei der letzten Wahl eine der jüngsten Listen“, sagt Luppart. Das liege sicher auch daran, dass der PWG das dringendste Pöckinger Problem bewusst ist: „Wir müssen den jungen Leuten Möglichkeiten schaffen, dass sie am Ort bleiben können – das betrifft nicht nur den Wohnraum, sondern auch die Infrastruktur.“

Zum Erfolgsgeheimnis der PWG gehört sicher das gute Händchen der Bürgermeister, die eine starke eigene Fraktion im Gemeinderat hatten und haben, und natürlich ein bisschen Glück. „Unter Grenzebach hat Pöcking einen großen Aufschwung erfahren“, sagt Luppart. Anfang der 1970er-Jahre stand die Gebietsreform und damit ein Verschmelzen mit der Nachbargemeinde Feldafing im Raum. Bei aller Freundschaft mit den Feldafingern keine schöne Vorstellung für die Pöckinger. Grenzebach kam hier die Freundschaft und Verbundenheit mit dem damaligen Landrat Rudolf Widmann zugute und dass es in Pöcking die Möglichkeit gab, Platz für junge Familien zu schaffen. „Pöcking konnte nur mit ausreichend Einwohnern selbstständig bleiben“, erzählt Luppart. So entstanden die Grenzebach- und die Birkensiedlung, wo Wohnraum für Einheimische geschaffen wurde. Und die Siedlung am Lindenberg, wo allein über 1000 Menschen leben. „Der Lindenberg hat Pöcking die Selbstständigkeit gerettet“, stellt Luppart im Rückblick fest.

Dass Konrad Krabler Bürgermeister werden soll, sei bei Weißbierbowle in der „Alten Kanzlei“, dem heutigen „Garibaldi“, ausgekartelt worden. In der Stichwahl setzte sich Krabler durch und wurde danach dreimal wiedergewählt. In seiner Zeit stiegen die Gewerbesteuereinnahmen massiv, auch dank seines klugen Schachzuges, den Gewerbesteuersatz zu senken. „Er war als Bürgermeister sparsam, zielorientiert und auch strebsam“, sagt Luppart. Unter Krabler entstanden der Sportpark, die Umgehungsstraße und das Baugebiet Dorfmoos. Dazu kaufte er viele Grundstücke, unter anderem das Areal, wo heute das Beccult steht, und die Fläche für die Sozialstation am Ahornweg.

Krablers Nachfolger Rainer Schnitzler war und ist der erste hauptamtliche Bürgermeister in Pöcking. In seiner Amtszeit seit 2002 wurden die Ortsmitte umgebaut, viele Kindertagesstätten geschaffen, die Stiftung für Pöcking gegründet und auf die Bewahrung des Alten wert gelegt, wie an der Nutzung des Alten Pfarrhauses für die Bücherei und der Sanierung des Schauer-Anwesens zu sehen ist. Jetzt hofft die PWG, dass sie ihr Jubiläum feiern kann. So weit wie sie ist bisher nur die CSU in Krailling gekommen. Dort stellten die Christsozialen 71 Jahre lang den Bürgermeister, bis 2019 die FDP das Ruder übernahm.

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