Das Bild zeigt die Kaiserin Elisabeth vor dem Schloss in Possenhofen. Es ist ein Gemälde von Carl Piloty und Franz Adam.
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Das Bild zeigt die Kaiserin Elisabeth vor dem Schloss in Possenhofen. Es ist ein Gemälde von Carl Piloty und Franz Adam.

„Kaiserin Elisabeth ganz privat“

Neues Buch über Kaiserin Sisi: Dieser Frau vertraute sie Geheimnisse an

„Kaiserin Elisabeth ganz privat“: So heißt ein neues Buch über Sisi. Autorin Beatrix Meyer widmet sich darin der Vertrauten und Vorleserin der Kaiserin.

Possenhofen – Wieder gibt es ein neues Buch über Sisi. Und wieder wurde es von der ungarischen Historikerin Beatrix Meyer geschrieben, die schon einen Band über „Kaiserin Elisabeth und ihr Ungarn“ herausgegeben hat (wir berichteten). Darin spielte Ida Ferenczy, die 1864 in den Dienst des kaiserlichen Hofes trat, eine wichtige Rolle. In „Kaiserin Elisabeth ganz privat“ beleuchtet die Sisi-Forscherin nun das besondere Verhältnis zu ihrer engsten Vertrauten Ida Ferenczy, die 1839 in Kecskemét geboren und im November 1864 zur Gesellschafterin der Kaiserin berufen wurde.

Elisabeth lernte gerade Ungarisch und suchte jemanden für ihre Sprachübungen. Ihre neue Gesellschaftsdame Ferenczy soll sie mit den Worten „Ich glaube, wir werden sehr gute Freundinnen“ begrüßt haben. Dreimal täglich wurde sie zu ihrer Herrin gerufen – zum Frisieren, zum Vorlesen und zum Spazierengehen. Aber in den offiziellen Rang einer Hofdame schaffte Ferenczy es nicht, weil sie nur die Tochter eines einfachen Landadeligen war. Kaiser Franz Joseph ernannte sie wenigstens zur Ehrendame, womit ein gewisser gesellschaftlicher Aufstieg verbunden war.

Das Verhältnis von Elisabeth zu ihrer Vorleserin entwickelte sich rasch zu einer engen und vertrauensvollen Freundschaft. Die Frauen duzten sich, Ida „erledigte für ihre Herrin all das, was sie niemandem anvertrauen wollte“, schreibt Meyer. Bis Mitte der 1870er Jahre begleitete Ida die Kaiserin auf Reisen. Als ihre Gesundheit keine Strapazen mehr erlaubte, blieben die beiden in Briefkontakt. Die Freundschaft hielt bis zum Tod Sisis. Nach ihrer Ermordung durch einen italienischen Anarchisten ordnete Ida mit Erzherzogin Marie den Nachlass der Kaiserin, musste aber aus der Wiener Hofburg ausziehen. 1928 starb Ferenczy mit 89 Jahren in Wien.

Basis des Buches: 50 Briefe aus Wiener Staatsarchiv

Meyer hat für die Veröffentlichung über 50 deutschsprachige Abschriften der Korrespondenz herangezogen, die im Staatsarchiv in Wien liegen. Die Briefe wurden um Erklärungen ergänzt, die auf politische, gesellschaftliche und biografische Zusammenhänge eingehen. Einige der Briefe schrieb Sisi in Feldafing und Tutzing. „Ganz gedankenlos lebe ich hier, so wie ich es liebe“, schrieb sie etwa am 15. Juli 1869 aus Feldafing. Sie beschreibt ihren sehr unaufgeregten Tagesablauf: Frühstück im Garten „mit meiner kleinen Valerie“, Baden am See, Mittagsschlaf, Briefe schreiben. Und weiter: „Vorigesmal fuhr ich auch im Kahn, natürlich immer in Begleitung der englischen Dame, die (unter uns gesagt) mir noch immer unsympathisch ist.“ Die englische Dame war Mary Throckmorton, die eine Woche zuvor ihren Dienst angetreten hatte.

Schön ist auch, dass man erfährt, dass Elisabeth „von maßlosem Mitleid für diesen armen König (gemeint ist Ludwig II., Anm.d.Red.) erfüllt“ war, „der nicht genug verrückt ist, um eingesperrt zu werden und wieder zu abnormal ist, um in der Welt mit vernünftigen Menschen zufrieden zu verkehren“. „Der Arme war ganz exasperirt und wusste gar nicht mehr, was mit sich anfangen“, schrieb sie.

Der letzte Brief stammt vom 15. Juli 1898. Darin regelt Sisi einen Teil ihres Nachlasses: „In Wien im Toilettezimmer an der Etagere befindet sich ein Petschaft mit eingravierter Seemöwe, mit dem soll man alles versiegeln. Diese Cassette ist erst in 60 Jahren vom Jahre 1890 an zu eröffnen. Die innere Cassette ist dann uneröffnet an die darauf angegebene Adresse zu befördern“. Den Anweisungen entsprechend gelang die Cassette zunächst an Ferenczy und schließlich in das Schweizerische Bundesarchiv in Bern. Drin waren Sisis tagebuchartigen Gedichte, entstanden zwischen 1886 und 1890. Der literarische Nachlass wurde bereits 1987 von Brigitte Hamann publiziert.

Astrid Amelungse-Kurth

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