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Was tun mit dem Geld, wenn Strafzinsen drohen?

Kommunale Geldanlagen

Zwei Millionen im Bausparer

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  • Sandra Sedlmaier
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Wer Geld hat, hat momentan ein (Luxus-)Problem: Zinsen gibt es auf der Bank schon lange nicht mehr, nun drohen aber Aufbewahrungsentgelte. Wie gehen die Gemeinden damit um?

Landkreis – Die Gemeinde Feldafing ist finanziell nicht unbedingt auf Rosen gebettet. Und doch sparen Gemeinderat und Verwaltung seit Jahren emsig, wo immer es geht. 2020, wenn die Bundeswehr ihren Standort in Feldafing aufgibt, will sich die Gemeinde ein möglichst großes Stück vom Grundstückskuchen sichern, der dann verteilt wird. Lohn der Mühen: Im Feldafinger Sparstrumpf stecken mittlerweile rund 4 Millionen Euro.

Da schmerzt es natürlich besonders, wenn die Kreissparkasse auf einmal Strafzinsen für die schwer ersparten Euro aufruft. „Wir haben deshalb im vergangenen Jahr umgehend unser Geld von den Sparkassenkonten geholt“, berichtete Bürgermeister Bernhard Sontheim dem Gemeinderat.

Die VR-Bank habe ihm versichert, dass sie keine Strafzinsen für den Feldafinger Sparstrumpf verlangen werde, erzählte er. Allerdings stapelten sich nun auf den Konten der Volksbank laut Sontheim die Millionen aus den Rücklagen der Gemeinden. Und da die Bank selbst auch Strafzinsen berappen muss, wenn sie größere Summen bei der Zentralbank parken will, sei man ins Gespräch über geeignete Anlagen gekommen, so Sontheim. Eine solche Anlagemöglichkeit stellte er dem Gemeinderat vor. Die Feldafinger schließen einen Bausparvertrag bei der VR-Bank ab. „Wir legen jetzt zwei Millionen Euro an und können dafür 2020, wenn wir das Geld für das Konversionsmanagement der Kaserne brauchen, zusätzlich zwei Millionen Euro als Kredit zu günstigen Zinsen abrufen“, so Sontheim. Er betonte, dass sich diese besondere Form des Bausparvertrages ausschließlich an Kommunen richte. „Das ist nicht mit einem privaten Bausparer vergleichbar. Wir bekommen besondere Konditionen und die Verträge sind kurzfristig kündbar“, sagte Sontheim weiter. Sollten 2020 die Zinsen immer noch auf dem gleichen niedrigen Niveau wie heute liegen, dann könne man sich auch anderswo die zwei Millionen leihen und damit den Bausparvertrag auslösen. Da hatte auch der Gemeinderat nichts mehr zu meckern.

Doch wie halten es andere Gemeinden am Starnberger See? Bei der Gemeinde Berg geht es um knapp zweistellige Millionenbeträge, die auf der Bank liegen. Genauer gesagt, bei mehreren Banken. „Wir haben es bis jetzt immer noch so hingekriegt, dass wir nirgendwo Strafzinsen zahlen müssen“, sagt Bürgermeister Rupert Monn. „Dabei nehmen wir keine Rücksicht darauf, um welche Bank es sich handelt.“ Geachtet werde aber natürlich darauf, dass die Einlagen sicher sind.

Die Sicherheit der Anlagen ist natürlich auch in der Gemeinde Pöcking ein Dauerbrennerthema. Schließlich sitzt die Gemeinde auf Rücklagen von rund 60 Millionen Euro. Da gibt es viel zu tun für Kämmerer Michael Schmid. „Wir arbeiten ständig mit mehreren Geldinstituten zusammen und nutzen ganz verschiedene Anlageformen“, sagte Pöckings Bürgermeister Rainer Schnitzler im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.

Dabei gehe es heutzutage vor allem darum, Strafzinsen zu vermeiden. „Ich habe auch schon mehrere Bausparverträge für die Gemeinde unterzeichnet, wie es jetzt die Feldafinger machen“, so Schnitzler weiter. Sein Kämmerer kenne sich mit Geldanlagen mittlerweile bestens aus. Dennoch musste auch die Gemeinde Pöcking Einbußen hinnehmen, weil die Zinseinnahmen lange nicht mehr so sprudeln wie vor wenigen Jahren.

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