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Blickfang: Manfred Buchner mit einem „Motormaschinen“-Prototyp in seiner Werkstatt in Possenhofen.

Italien weckte seine Kaffee-Leidenschaft

Irre Erfindung: Oberbayer bastelt aus Harley-Motoren hochwertige Espressomaschinen

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Manfred Buchner baut Espressomaschinen im Harley-Motor-Design. Ein Besuch bei einem leidenschaftlichen Schrauber – und einem Mann mit Prinzipien, der oft Kaffee bestellt, ihn aber selten austrinkt.

Possenhofen Eine große Weltkarte, eine knallrote Zapfsäule, ein Bild der Mutter Jesu, eine Shovel-Harley, bunte Nostalgie-Blechtafeln mit alten Motorrädern: Blickfänge gibt es in Manfred Buchners Werkstatt in Possenhofen genug. Und trotzdem bleibt man an den Prototypen, ganz hinten links in dem schlauchartigen Raum, hängen. Harley-Motor und Espressomaschine? Es dauert schon einige Sekunden, beides in Gedanken zusammenzubringen. Buchner schafft das in der Realität: Er baut „Espresso-Motormaschinen“.

Der 55-Jährige mit dem weißen Vollbart hat sich unter anderem seinen Lieblingsmotor tätowieren lassen. Mit dem „Knucklehead“ auf dem Handrücken sagt der leidenschaftliche Harley-Schrauber: „Der eignet sich unfassbar gut für Kaffeemaschinen.“ Nachdem er instrumentale Entspannungsmusik aufgelegt hat, macht Buchner Cappuccino. Mit seinen kräftigen Fingern dosiert er sanft das Pulver, eine Prise mehr oder weniger verändere so viel. Am imposantesten sind vielleicht die beiden schwarzen Zylinder des Knucklehead-Motors, zwischen denen eigentlich der Vergaser sitzt. In diesem Fall sitzt dort aber die verchromte Brühgruppe der Kaffeemaschine. Das Druckmanometer erinnert an einen Tacho, die Tassen liegen im einseitig geöffneten Tank.

tück ist massiv und filigran zugleich

Massiv und gleichzeitig filigran erscheint das Designerstück, das Buchner gerne für 10.000 Euro anbieten würde. Aber das funktioniert in der Praxis nicht. „Die Herstellung kostet noch zu viel“, sagt er. Auf der Internetseite seiner Ein-Mann-Firma „Da Vincie Motors“ bietet er die Motormaschine für rund 19.990 Euro an. Aber nicht jedem: „Wer eine will, muss sich bei mir bewerben“, betont Buchner. Er will überzeugt werden. Er will, dass seine Arbeit in guten Händen ist. Er will „kein seelenloses Serienprodukt“ für jemanden bauen, nur weil es sich derjenige leisten kann. Buchner bezeichnet sich als „Customizer“. Heißt: Er stellt nur Maßanfertigungen her – das gilt auch für die Motorräder. Er hat einen Namen in der Szene. „Einmal wollte jemand, dass ich ihm einen E-Starter in seine Harley einbaue. Damit möchte ich nichts zu tun haben. Ich habe ihn wieder heimgeschickt. Eine Harley wird gekickt.“

Buchners Erscheinung und auch seine direkte Art flößen Respekt ein. Man merkt, dass er ganz genau weiß, was er will – spätestens seitdem er den Krebs vor etwa drei Jahren besiegt hat. „Ich musste herausfinden: Für was lebe ich eigentlich?“, sagt er. Die Antwort war klar: einerseits als fünffacher Vater mit elfjährigen Drillingen für die Familie, andererseits für die detailversessene Arbeit in der Werkstatt. „Sechs Tage buckeln“ will er ohnehin schon lange nicht mehr, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Seine Firma, mit der er einst Häuser renovierte und in Customizer-Manier Lebensräume gestaltete, sperrte er deshalb zu.

Ausgefallene Kaffeemaschine vom Starnberger See: Die Idee entstand bei einem Aushilfsjob

Hund Gonzo, ein bald sechs Jahre alter Albino-Boxer, braucht jetzt Aufmerksamkeit. Buchner hievt ihn auf seinen Schoss, knuddelt ihn, während er über seine Prinzipien spricht. Die klare Vorstellung, Motormaschinen zu bauen, reifte in ihm bei einem Aushilfsjob. Auf Anfrage „eines Spezls“ vertrat er in einem Münchner Laden einen Techniker, der Kaffeemaschinen repariert. Der Spezl stieg mit ein. Seitdem verbinden sie das Beste aus dem Harley- und dem italienischen Espresso-Universum.

Die Italiener haben Buchner ausgebildet, sagt er. Um Borrani-Felgen zu besorgen, fuhr er in den 80er-Jahren in den Süden und hatte so manches Erweckungserlebnis. „Da gab es auf einmal einen Latte Macchiato“, erinnert sich Buchner. „In jedem kleinen Nest“ sei der Kaffee mit Hingabe zubereitet worden. Aber der Motormaschinen-Macher hat auch ein Problem mit „den Italienern. Sie machen ihre Maschinen nicht fertig“. Nur ein Beispiel sind für ihn spitze Kanten an gelaserten Löchern. „Das bearbeite ich doch nach. Bei einer teuren Maschine erwarte ich das.“ Den Kopf schüttelt Buchner auch beim Anblick des großen Knopfes auf seiner „Lieblingsmühle. Das geht doch nicht“.

Der Harley-Liebhaber: „Der Deutsche steckt einen Thermostat rein, der Italiener hört der Milch zu“

These: Bei Kaffee, Cappuccino und Co. hat sich in Deutschland ganz schön was getan. Mit Siebträgermaschinen werten immer mehr Leute ihre Haushalte auf. Buchner dazu: „Das ist eine typisch deutsche Entwicklung. Hirn- und herzlos. Alles wird am Preis festgemacht – woher die Bohnen kommen, ist den meisten egal.“ Wenn der 55-Jährige mit seiner Harley unterwegs ist, macht er gerne Zwischenstopps. „Ich bestelle oft Kaffee, ich trinke ihn aber selten aus.“ Schäumt eine Bedienung die Milch zu lange, ist sie bei Buchner schon durchgefallen. Er will mehr Leidenschaft. Dramatische Formulierung: „Der Deutsche steckt einen Thermostat rein, der Italiener hört der Milch zu. Sie singt, wenn sie stirbt.“ 15 bis 18 Sekunden lässt der Possenhofener den Espresso durchlaufen. Denn: „Ab 30 Sekunden haben sich alle Aromen gelöst.“

Die Herstellung seiner Motormaschinen ist – vor allem wegen der Bearbeitung der Einzelteile – ein großer Akt. Und die alten Knuckleheads überhaupt herzubekommen auch. Aber Buchner hat Hoffnung für die Zukunft: „Wir sind an einer Firma dran, die sie für unsere Zwecke herstellen könnte.“

Video: Sechs Tipps - So schmeckt dein Kaffee noch besser!

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