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Einen ausgezeichneten Birnbaum haben Tilla und Ludwig Eppinger, sagt PWG-Vorsitzender Albert Luppart. 

Umweltpreis

Ein Birnbaum für Pöcking

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In Pöcking werden zwei Familien für den Erhalt von Birnbäumen mit dem Umweltpreis der PWG ausgezeichnet. Das Ehepaar Eppinger spricht über das Besondere bei ihrem Exemplar.

Pöcking – Das Ereignis für die ganze Nachbarschaft der Familie Eppinger kündigt sich Jahr für Jahr lautstark an. „Man hört die Stare immer schon kommen, dann sitzen sie oben auf dem Birnbaum und machen Brotzeit“, sagt Ludwig Eppinger (88). „Die werden gut gefüttert für die weite Reise.“ Eine kreischende Schar wird seinen Birnbaum bald wieder anfliegen, bevor es weiter in den Süden geht. „Die ernten Seite für Seite ab, wie abgesprochen“, sagt Nachbarin Susanne Seerieder. Sie ist als Mitglied des Bund Naturschutz dabei, wenn der Birnbaum von Ludwig Eppinger und seiner Frau Tilla am Samstag ausgezeichnet wird. Die Parteilose Wählergruppe (PWG) zeichnet das Ehepaar mit dem Umweltpreis dafür aus, den Baum über Jahrzehnte erhalten zu haben.

„So ein großer Baum hat viele Funktionen“

„Die Auszeichnung freut mich so wie sich auch die Leute unterm Jahr über den Baum freuen“, sagt Ludwig Eppinger. Die unzähligen Früchte des 20-Meter-Baums reichen, um Birnenkuchen, -saft und -kompott zu machen, auch dann bleiben noch einige übrig. „Jeder bekommt unsere Birnen“, sagt Eppinger. So es ist ein Birnbaum für alle Pöckinger. „Man fährt jeden Tag an ihm vorbei“, sagt Albert Luppart. Der PWG-Vorsitzende verleiht mit seiner Gruppierung zum zweiten Mal den Umweltpreis. Auch 2016 hatte sich die Jury aus Gartenbauverein und Bund Naturschutz für Anwohner der Hauptstraße entschieden: Die Familien Engesser und Schmid erhalten dort ortsprägende Bauerngärten mit altem Obstbaumbestand.

Heuer wird neben dem Ehepaar Eppinger auch die Familie Pohler mit ihrem ebenfalls mindestens 80 Jahre alten Birnbaum (Gellerts Butterbirne) ausgezeichnet. Für manche Jury-Mitglieder seien es zunächst einmal einfach schöne Bäume, sagt Luppart. Wilhelm Seerieder vom Bund Naturschutz betont auch den ökologischen Nutzen „So ein großer Baum hat viele Funktionen.“

Was er damit genau meint, zeigt er am Birnbaum des Ehepaars Eppinger. „Er ist superfit. Volle Krone, super Früchte, tiefgrünes Blatt.“ Ein so alter Baum sei wie ein Biotop. „Er zersetzt sich ein wenig, das ist ganz normal.“ In einem Ast nistet eine Meise, in einem anderen gibt es Pilze und Käfer. „Deswegen sind alte Bäume wichtiger als junge. Und der hier hat noch 100 Jahre vor sich.“ Das liegt auch am Standort: „In der freien Natur werden Birnbäume nicht größer als zehn Meter. Er stand von Anfang an frei, bekommt morgens, mittags und abends Sonne.“

Kindheitserinnerungen: „Früher sind wir hochgestiegen“

Das Ehepaar Eppinger hat den Birnbaum über die Jahrzehnte einfach wachsen lassen. Ihn aus Platzgründen zu entfernen? „Daran haben wir nie einen Gedanken verschwendet.“ Einmal, die Pöckinger Hauptstraße war noch eine Bundesstraße, da war es knapp. Ein Auto fuhr durch den Zaun und kam erst kurz vor dem Birnbaum zum Stehen. „Da wäre eher das Auto hin gewesen als der Baum“, sagt Ludwig Eppinger. Er verbindet auch Kindheitserinnerungen mit dem Baum, der kurz nach der Errichtung des Hauses gepflanzt wurde. „Früher sind wir hochgestiegen.“ 

Heute steigt Eppinger nur noch mit seiner Leiter rauf, um die Birnen zu pflücken. Der Kronenbereich gehört den Staren, der Boden den Igeln, die sich gerne an den heruntergefallenen Birnen bedienen. Ob es sich bei dem Baum um eine Vereinsdechantsbirne handelt, können Experten nicht zu hundert Prozent bestimmen. In jedem Fall ist es ein Baum, der früher gepflanzt wurde, um Familien zu ernähren, seitdem Pöckinger Bürger erfreut – und prägend für das Ortsbild ist.

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