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Vierfachen Schutz bringt Peter D. an seinem Fenster gegen den nächtlichen Lichtstrahl an.

Laserpointer raubt Schlaf

Wenn es nachts taghell wird

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Peter D. kämpft um seinen Schlaf. Seit Monaten leuchtet in seinem Zimmer der Lichtstrahl eines Laserpointers auf. Mit dem Problem haben auch Piloten, Kraftfahrer oder Landwirte zu kämpfen – obwohl den Tätern harte Strafen drohen.

Landkreis – Als sein Schlafzimmer das erste Mal nachts durch einen Lichtstrahl hell aufleuchtete, dachte Peter D., 71, an einen Einbrecher. Der Maisinger flüchtete vom Schlaf- ins Wohnzimmer und rief die Polizei. Mitte September war das. Mittlerweile weiß der Rentner, dass es sich um einen Laserpointer handelt. Fast jede Nacht trifft dessen Lichtstrahl sein Fenster, berichtet Peter D.: „Das sind immer nur 15 Sekunden, dann bin ich hellwach.“ Immer zwischen 3 und 6 Uhr. „Am Anfang war es brutal.“

Auf Anraten der Polizei schlief er fortan auf dem Sofa im Wohnzimmer und fing an, Protokoll zu führen. Darin notiert er, wann und wie die Lichtstrahlen eintreffen – ob infrarot, als Blitz oder Lichtstrahl. Mittlerweile hat Peter D. einen Weg gefunden, doch durchschlafen zu können. Vor seinem Schlafzimmerfenster steht eine Metallplatte, dahinter sollen ein Rollo, doppelter Karton und ein schwarzer Vorhang schützen. Viel Licht kommt nicht mehr durch. „Und ich lasse mein Nachttischlicht an. Dann schrecke ich nicht mehr auf, wenn es hell wird.“

Irreparable Schäden möglich

Trotzdem ärgert sich der Maisinger. „Das ist ein Teil meiner Privatsphäre, der da gestört wird.“ An Heiligabend und Silvester wurde er je dreimal vom Lichtstrahl geweckt. Immer zu einer anderen Uhrzeit. „Ich habe ein paarmal volle Pulle rein geschaut“, sagt er und berichtet von Augenentzündungen. „Die Augentropfen habe ich früher nicht gebraucht.“

Tatsächlich warnen Ärzte und Optiker vor den Folgen der Laserpointer. „Das kann böse enden“, sagt Manuel Heck, Geschäftsführer von „pro optik“ in Gilching mit Blick auf fachärztliche Untersuchungen. Demnach kann bereits ein kurzer Blick in einen starken Laser dazu führen, dass die Netzhaut geschädigt wird. Sie werde regelrecht verbrannt, heißt es. Irrreparable Schäden können die Folge sein.

Wenige Fälle im Landkreis

Im Landkreis sind Laserpointer kein großes Thema, heißt es aus den Polizeiinspektionen. „Einen Fall gab es mal“, sagt der Herrschinger Polizeichef Erich Schilling, „aber der ist schon eine Zeit lang her.“ Kai Motschmann von der Starnberger Inspektion berichtet: „In unserem Dienstbereich ist mir so etwas nicht bekannt.“ Am Sonderflughafen in Oberpfaffenhofen gab es noch keine Zwischenfälle mit Laserpointern, erklärt ein Fluglotse des Betreibers EDMO. „Das müssen wir auch nicht haben“, fügt er hinzu. In Buchendorf wurde zuletzt eine Landwirtin bei der Arbeit durch einen Laserpointer gestört.

Die Täter erwarten harte Strafen, wie Kai Motschmann erklärt. Es handele sich um eine gefährliche Körperverletzung, für die es Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren geben kann. Bei einem gefährlichen Eingriff in den Bahn-, Luft- oder Straßenverkehr drohen bis zu sieben Jahre. „Je nach Einzelfall.“ Wird die Polizei wegen eines Laserpointers gerufen, würden die Beamten zunächst versuchen, die grobe Richtung des Lichtstrahls zu bestimmen und dann mit den infrage kommenden Grundstücksbesitzern sprechen.

Metallplatte als Schutz

Peter D. möchte kaum glauben, dass ihn Nachbarn schädigen könnten. „Wir verstehen uns sehr gut, die Leute sind so nett hier“, sagt er und erzählt von gemeinsamen Sommerfesten. „Wir sind wie eine große Familie.“ Einer hat ihm sogar die Metallplatte zum Schutz vor dem Laserpointer gegeben. „Ich möchte nicht wegziehen“, sagt Peter D. Er hofft darauf, dass sich der Fall klärt – und er einfach in Ruhe schlafen kann.

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