Haben das Sagen in der Küche: Wirt Christoph Ziesel (l.) mit seiner rechten Hand Jonas Eberwein bei der Zubereitung von Saiblingsmaultaschen.
+
Haben das Sagen in der Küche: Wirt Christoph Ziesel (l.) mit seiner rechten Hand Jonas Eberwein bei der Zubereitung von Saiblingsmaultaschen.

Historische Wirtschaft saniert

Gasthaus Schauer startet Betrieb im Lockdown: „Wir wollen uns nicht verstecken“

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
    schließen

Rindertartar, Saiblingsmaultaschen und Rehragout: Im frisch renovierten historischen Gasthaus Schauer wird trotz Lockdown ab sofort gekocht. Essen und Getränke zum Mitnehmen soll es außerdem an zwei Buden vor der Wirtschaft geben.

Possenhofen – Nicht nur Pöckings Vizebürgermeister Albert Luppart hatte schon reserviert: Am Samstag sollte das von Grund auf sanierte Gasthaus Schauer in Possenhofen wieder eröffnen – nach 40 Jahren Leerstand. Doch der Lockdown, der gerade die Gastronomie hart trifft, macht die feierliche Einweihung zunichte.

Vom Kochen abhalten lassen will sich das Wirtepaar Verena und Christoph Ziesel aber nicht. „Wir wollen uns nicht verstecken, sondern uns zeigen“, sagt Letzterer. Die Nachfrage sei schon jetzt riesig: „Jeden Tag schauen die Leute zum Fenster rein oder fragen, was es bei uns gibt.“ Deshalb starten die Ziesels nun mit einem To-Go-Angebot. Ausgewählte Gerichte der Speisekarte, die eines Tages zur Eröffnung aufgelegt wird, kann man nun schon beim Schauer abholen: ein handgeschnittenes Rindertartar mit Waldpilzen und Kräutersalat, Saiblingsmaultaschen mit Rahmkohlrabi, Rehragout mit Spätzle und Rote-Beete-Salat, Kürbis-Risotto mit Ziegenfrischkäse und die Fischmeister-Suppe. Als Essensausgabe dient ein großes Fenster im Stüberl direkt neben der Küche – dort reichte man übrigens schon in früheren Zeiten das Bier in den Wirtsgarten.

Die Gaststuben sind fertig: Restaurantleiterin Jana Nienaber (l.) und Wirtin Verena Ziesel freut’s.

Damit nicht genug: Vor dem Haus will das Wirtepaar zwei Buden aufstellen und Spaziergänger mit Fischsemmeln, gezupftem Schweinebraten, Aperol Spritz und Richtung Advent auch mit Glühwein anlocken. Die Buden werden – je nach Wetter – am Wochenende geöffnet sein (11.30 bis 17 Uhr), das Abholangebot gilt täglich bis 21 Uhr – montags bis freitags allerdings erst ab 17 Uhr.

Fünf einheitlich gekleidete Männer schnippeln schon Kohlrabi, Karotten und Kartoffeln oder rollten den Teig für die Maultaschen aus. Insgesamt soll im Schauer ein 14-köpfiges Team die Gäste versorgen. Momentan sind noch einige in Kurzarbeit. „Aber wir haben keine Verträge aufgelöst“, betont Verena Ziesel.

Sie sitzt in einer der beiden Gaststuben und erklärt das Konzept. Die Holzvertäfelungen an den Wänden wurden originalgetreu nachgebaut, ein Kirchenmaler ahmte die denkmalgeschützten Maserungen nach. Dazu kommen Eichenholztische, moderne Lampen – teilweise im Frisbeescheibenformat – und klassische, schwarze Wirtshausstühle. „Wir verbinden Tradition und Moderne. Der Gemütlichkeitsfaktor ist uns wichtig“, sagt die Gastronomin.

Den Platz am Gasthof Schauer hat die Gemeinde neu gestaltet. Auf der Terrasse ist ein Wirtsgarten geplant.

Die Familie ist schon in die komfortable Wohnung über der Wirtschaft eingezogen. Außerdem haben die Investoren Florian Huber und Manuel Kindervater Räumlichkeiten an einen Unternehmensberater vermietet. Das „Loft-Büro“ im Dachgeschoss ist noch zu haben. Ganz oben befindet sich auch ein eigener kleiner Raum für die Lüftungsanlage. Spätestens mit Corona ist klar, dass sich der Einbau der neusten Technik gelohnt hat. „Die Luft wird vier- bis fünfmal in der Stunde komplett ausgetauscht“, erklärt Christoph Ziesel.

„Gasthaus zum Fischmeister Karl Schauer“: Den historischen Namen, wie er denkmalgeschützt über dem Eingang steht, behalten die Wirte. Vor dem Gebäude wird noch gebaggert, die 21 Besucherparkplätze sollen bis Dezember so gut wie fertig sein. Dem Gebäude gegenüber, einst von den Schauers als Hotel genutzt, nimmt sich die Gemeinde laut Vizebürgermeister Albert Luppart im nächsten Jahr an. Es wird von außen saniert. Innen sei das bereits geschehen. Luppart kündigte an: „Die Gemeinde denkt darüber nach, die Wohnungen für die Mitarbeiter des Gasthauses zur Verfügung zu stellen.“

Lesen Sie auch:

Ein Denkmalschutzbuch pro Zimmer führen und jedes Brett nummerieren: Wie herausfordernd es war, ein geschütztes Gebäude zu sanieren und es auch noch mit neuester Technik auszustatten, zeigte sich am Gasthaus Schauer in Possenhofen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare