Die Wunderfrau mit dem zweiten Buch der gleichnamigen Trilogie: Stephanie Schuster hat mit „Von allem nur das Beste“ über vier Frauen in den 1960er-Jahren den Nerv des Lesepublikums getroffen. Eine zentrale Rolle spielt ein Tante-Emma-Laden.
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Die Wunderfrau mit dem zweiten Buch der gleichnamigen Trilogie: Stephanie Schuster hat mit „Von allem nur das Beste“ über vier Frauen in den 1960er-Jahren den Nerv des Lesepublikums getroffen. Eine zentrale Rolle spielt ein Tante-Emma-Laden.

Zweiter Teil der Starnberger „Wunderfrauen“ auf Bestsellerliste

Mauerbau, Minirock und Contergan

Von null auf hundert, drunter geht es bei der Bestsellerautorin Stephanie Schuster nicht. Der zweite Band ihrer Wunderfrauentrilogie über die 1960er-Jahre ist am 24. Februar erschienen und schon auf der Spiegel-Bestsellerliste.

VON ASTRID AMELUNGSE-KURTH

Pöcking – Stephanie Schuster hat allen Grund zur Begeisterung. „Zu meiner großen Freude ist das Buch von null auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste gelandet, hält sich aktuell in der dritten Woche auf Platz vier, und auch Band eins der Trilogie ist nun auf Platz 16 nachgerückt“, schreibt sie in ihrer Antwort auf unsere Interviewanfrage. Wie schon im vergangenen Jahr und beim ersten Band der in Starnberg angesiedelten Romane findet ein Gespräch coronabedingt am Telefon statt.

Was ist das Erfolgsgeheimnis dieser Pöckinger Autorin, die als Kinder- und Jugendbuchillustratorin angefangen und dann unter verschiedenen Pseudonymen Thriller (als Stephanie Fey), Starnberger-See-Krimis (als Ida Ding) und einen historischen Roman (als Rebecca Abe) geschrieben hat? Unter ihrem bürgerlichen Namen Stephanie Schuster waren bereits ihr Roman über Leonardo da Vinci und ein Roman über die Geliebte von Franz Kafka erschienen, bevor sie den ersten Band ihrer Wunderfrauen-Trilogie schrieb, der im vergangenen Sommer ebenfalls sofort auf der Spiegel-Bestsellerliste landete.

Jetzt also Teil zwei der Trilogie. Die vier starken Freundinnen Luise, Marie, Helga und Bella sind im Starnberg der 1960er-Jahre angekommen. Vier Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen, obwohl Emanzipation noch ein Fremdwort ist.

Helga ist Ärztin in einer bekannten Entbindungsklinik am See. Marie arbeitet in Leutstetten in der Landwirtschaft. Annabel ist Hausfrau, verheiratet mit dem Leiter der Entbindungsklinik und bekommt ein Contergan-Kind, das ihr Schwiegervater mit den Worten begrüßt: „Vorzeigbar ist das Kind jedenfalls nicht.“ Und dann gibt es noch Luise mit ihrem Tante-Emma-Laden, den sie auf Selbstbedienung umstellen will.

Lebensnah bindet Stephanie Schuster ihre Heldinnen vom Starnberger See in die bundesrepublikanische Zeitgeschichte der 1960er-Jahre ein, erzählt von Mauerbau, Minirock und Gammleraufstand am See und zeichnet ein schillerndes, auf jeder Seite authentisches Gesellschaftspanorama. Wer die Zeit mitgemacht hat, wird beim Lesen dieses facettenreichen Romans wieder zum Teenager, alle anderen tauchen ein in die Aufbruchstimmung der Swinging Sixties. Alles ist da. Twist, Rock ’n’ Roll und der TV-Straßenfeger „Stahlnetz“, Afri-Cola und Tupperware-Partys, der Insel-Willi und die Obstsäfte in Dreieckstüten. Starnberg ist eben ein Ort, „wo es wirklich von der ganzen Welt ein Stück gibt“.

„Frauen von heute stehen auf dem Fundament, das die älteren damals erkämpft haben“

Frau Schuster, der zweite Band Ihrer Wunderfrau-Trilogie ist erst vor vier Wochen erschienen und schon auf der Spiegel-Bestsellerliste. Sind Sie eine Wunderfrau?

Die Leser waren neugierig, wie die Geschichte weitergeht. Der zweite Band jetzt wurde vom Verlag trotz Lockdown an sämtliche Buchhandlungen ausgeliefert und stand schon in der ersten Woche wegen der vielen Vorbestellungen auf Platz eins der Bestsellerliste. Aktuell wird die vierte Auflage vorbereitet, die ersten Übersetzungsanfragen aus dem Ausland sind auch schon da.

Trägt das Internet zum Erfolg bei?

Ja, natürlich. Die Literaturblogger rezensieren die Trilogie auf Instagram. Viele von ihnen sind zwischen 25 und 35 Jahre, gerade junge Leser und Leserinnen mögen die Reihe, weil sie viel über die 1960er-Jahre, die Generation ihrer Eltern und Großeltern erfahren. Sie staunen, wie wenig Rechte damals Frauen als Alleinerziehende hatten oder dass sie nicht einmal den Führerschein ohne Einverständnis ihres Mannes machen durften. Frauen von heute stehen auf dem Fundament, das die älteren sich damals hart erkämpft haben.

Wie gehen Sie beim Schreiben vor?

Mit meinem Mann Thomas zusammen entwickle ich einen groben Plot. Wo und wann spielt die Handlung? Was ist damals zeitgeschichtlich passiert? Dann fange ich an zu recherchieren. Bei diesem Buch war es beispielsweise konkret, welche Produkte es damals gab oder wie der Contergan-Skandal ablief. Schon zu Beginn weiß ich, wie das Ende des Romans sein wird, und schreibe das als erstes auf. Darauf steuere ich dann zu und schaffe zwischen den vier Perspektiven der Frauen Verbindungen.

Wie haben Sie jetzt in Corona-Zeiten trotz geschlossener Bibliotheken und Archive die vielen faszinierenden Details recherchiert?

Natürlich habe ich ganz viel in meinem Umfeld erfahren, habe gefragt, wie solche Läden ausgestattet waren. Wie wurde eingekauft? Was gab es zu kaufen? Ich habe mir Bücher über Lebensmittelkunde angeschafft, alte Illustrierte wie „Constanze“ und „Brigitte“ gekauft, darin die Reklame studiert und die „Hörzu“ durchforstet. Ich konnte diesmal nicht ins Starnberger Stadtarchiv oder in die Archive der Nachbargemeinden, hatte aber zum Glück schon vor dem Lockdown viel durchgesehen und fotografiert und mir so einen großen Fundus erarbeitet. Inzwischen habe ich auch eine Riesenbibliothek zu den drei Jahrzehnten, in denen die Reihe spielt.

Arbeiten Sie diszipliniert?

Ich habe einen Beruf, der mir viel Freude macht. Aber klar, ich brauche auch den Abgabedruck, um ganz diszipliniert zu sein. Dann sitze ich wirklich acht bis neun Stunden täglich am Schreibtisch, in der Schlussphase auch noch nachts. Und wenn ich nicht mehr weiter weiß, frage ich meinen Mann, den Schreiner Notnagel, dem fällt immer was ein. Er kommt auch in der Romanreihe vor.

Wann erscheint der dritte und letzte Teil der Wunderfrauen?

Im August dieses Jahres. Ich habe noch drei Wochen Zeit bis zur Abgabe des Manuskriptes.

Und was kommt dann?

Ich habe schon neue Ideen, aber verraten kann ich natürlich noch nichts.

Die Wunderfrauen

„Von allem nur das Beste“ von Stephanie Schuster ist im Fischer Verlag erschienen. ISBN 978-3-596-70565-8, 15,50 Euro, Instagram-Kanal: @leselieben

Astrid Amelungse-Kurth

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