Urinprobe
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Für einen Drogentest musste der Pöckinger Urin abgeben (Symbolbild)

Pöckinger vor Gericht

Urinkontrolle versäumt: Staatsanwältin fordert neun Monate Gefängnis

Weil ein Pöckinger angeblich die Urinkontrolle versäumt haben soll, fordert eine Staatsanwältin neun Monate Gefängnis. Die Richterin sieht das Ganze etwas anders.

Pöcking – Er habe die gerichtlich verhängte Urinkontrolle versäumt – deshalb musste sich ein Pöckinger (49) vor dem Starnberger Amtsgericht verantworten, genau gesagt wegen des Verstoßes gegen Weisungen während der Führungsaufsicht.

Laut Anklage kam der suchtkranke Mann nicht zum Drogenscreening. Nach verbüßter Haftstrafe und absolvierter Entziehungskur ist der arbeitslose Elektroanlageninstallateur seit August 2016 für fünf Jahre der Führungsaufsicht unterstellt, muss eine strikte Drogen- und Alkoholabstinenz einhalten und dies durch regelmäßige Urinscreenings belegen. Bei der Verhandlung stellte sich heraus, dass der Mann den vermeintlich versäumten Termin im Jahr 2018 nicht wirklich verschwitzte, sondern lediglich zu spät kam. Richterin Christine Conrad merkte an: „Ich weiß nicht, ob man einen absichtlichen Verstoß daraus machen kann. Zu spät kommen ist kein Nachweis für Vorsatz.“

Die Staatsanwältin kannte dennoch kein Pardon

Sein Bewährungshelfer führte aus, dass der Pöckinger normalerweise willig und zuverlässig sei: „Ich glaube, dass vergessene Termine mit Depressionen zusammenhängen.“ Generell sei man in der sogenannten Substitutionspraxis eher streng: „Wenn er kein Wasser lassen konnte, galt es als nicht abgelieferte Kontrolle. Die sind relativ rigide. Nachholtermine haben immer funktioniert“, so der Bewährungshelfer. Der Angeklagte betonte, wie „brutal“ sein Kampf gegen die Sucht sei: „Suchtkrankheit bleibt lebenslänglich. Wahnsinn, ein arger Kampf.“

Die Staatsanwältin kannte dennoch kein Pardon. Für seinen einmaligen Verstoß wollte sie den Angeklagten für neun Monate ins Gefängnis schicken und argumentierte: „Ob er zu spät kam und abgewiesen wurde, spielt keine Rolle. Er hat billigend in Kauf genommen, dass er gegen die Weisungen verstößt.“ Richterin Conrad sah die Sache anders: „Zuspätkommen ist eine Bagatelle, ein Versehen, das jedem Menschen passieren kann.“ Sie sprach den Mann in diesem Punkt frei. Ungeschoren kam er aber nicht davon. Obwohl ihm bereits im November 2008 die Fahrerlaubnis entzogen wurde, setzte er sich 2019 dreimal ans Steuer des Golfs seiner Freundin und wurde prompt erwischt. Folge: eine Geldstrafe von 3600 Euro.

Nilda Höhlein

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