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Traditionspflege wird groß geschrieben: Auch im vergangenen Jahr r ichteten die Stammschützen aus Pöcking im Gasthof Zur Post die Königsproklamation aus. Im Bild zu sehen: Bernadette Lutz, Sophia Stuhlmiller, Sabine Mengis, Wolfgang Lutz und der 2. Schützenmeister Peter Haberzettl. 

Pöckinger Haus der Bürger und Vereine

Stammschützen: „Irreale Kalkulation“

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Eher zufällig tauchte im Pöckinger Gemeinderat eine Kalkulation auf, die zeigt, wie viel die künftigen Nutzer des Hauses der Vereine für dessen Bau beisteuern sollen. Nun meldete sich der erste Vereinschef zu Wort.

Pöcking – Bei den Zahlen mussten auch gestandene Gemeinderäte schlucken: Neben den 9,8 Millionen Euro, die die Gemeinde für den Bau des Hauses der Bürger und Vereine aufbringen muss, soll der künftige Pächter der Gastronomie – nach Informationen unserer Zeitung verhandelt die Gemeinde gerade mit dem Sportverein darüber – mehr als eine halbe Million Euro für den Bau beisteuern.

Und damit noch nicht genug. Die beiden Schützenvereine, die den Schießstand im neuen Haus der Vereine nutzen sollen, müssten mit einer Baukostenbeteiligung von rund 83 000 Euro rechnen, der Blaskapelle, die direkt daneben ihren neuen Übungsraum beziehen möchte, will die Gemeinde immerhin 83 000 Euro in Rechnung stellen.

Zumindest bei einem Verein dürfte Bürgermeister Rainer Schnitzler (PWG) mit seiner Rechnung schon mal auf Granit beißen: „Ich habe ihm schon mehrfach gesagt, dass diese Summen, die da im Gespräch sind, vollkommen irreal sind“, meint der Vorsitzende der Stammschützen Pöcking, Alexander Wehnelt. Ihm ist völlig unklar, woher die Vereine diese Summen nehmen sollen. „Wir haben ein Baugeld von vielleicht 10 000 Euro, das wir zusteuern könnten, die Wildschützen, die ebenfalls die neue Anlage nutzen sollen, unter Umständen 5000 Euro mehr“, so Wehnelt. Da würden allerdings immer noch 58 000 Euro fehlen, um auf den von der Gemeinde berechneten Betrag zu kommen. Für Wehnelt ist klar: „Den Restbetrag muss die Gemeinde als Baukostenzuschuss übernehmen.“

Ohnehin hält er die Debatte darüber, wer wie viel zahlen soll, für verfrüht. „Wissen Sie, ich verfolge seit 30 Jahren die Debatten über den Bau des Bürgerhauses“, berichtet der 1. Schützenmeister. Noch würden die Zelte, in denen die Flüchtlinge untergebracht waren, auf dem Gelände stehen, auf dem das Bürgerhaus errichtet werden soll. „Es gab noch nicht mal einen Spatenstich“, so der Vertreter der Stammschützen weiter. Seine Schlussfolgerung: „Dass das wirklich gebaut wird, glaube ich erst, wenn es steht.“

Er stellt klar, dass sein Verein nicht um jeden Preis umziehen muss: „Wir üben seit fast 160 Jahren im Gasthof Zur Post. Und sind eigentlich auch sehr zufrieden mit den Gegebenheiten dort.“ Eine solche Tradition werfe man nicht einfach über den Haufen, nur weil die Gemeinde etwas Neues baut. Und schon gar nicht, wenn derart hohe Zahlungen nötig würden. „Das einzige, was uns derzeit fehlt, ist ein kleiner Aufenthaltsraum.“

Auch die immer wieder im Gemeinderat angesprochene Fusion der Wild- und der Stammschützen liegt für ihn in weiter Ferne. „Das waren ganz vage Absprachen, die die beiden ehemaligen Schützenmeister vor etlichen Jahren getroffen haben“, so Wehnelt. Mehr als eine Absichtserklärung sei das allerdings nie gewesen. Die Vereine hätten sich seitdem in verschiedene Richtungen entwickelt. „Ich sehe nicht, dass das von den Mitgliedern wirklich gewünscht wird“, so Alexander Wehnelt. Zudem gebe es ja auch wirklich keinen zwingenden Grund dafür, die Vereine zusammenzuführen.

Die Stammschützen zählen derzeit noch ungefähr 50 Mitglieder, die Wildschützen laut Wehnelt etwa das Doppelte. Gerade seinem Verein fehle allerdings der Nachwuchs: „Die Zahl der Freizeitangebote ist unüberschaubar groß, da kommen nur wenige zum Schützenverein.“

Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Ausschreibung des Baus vom Haus der Bürger und Vereine. Baubeginn könnte noch in diesem Jahr sein, wenn alles weiterhin glatt läuft.

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