Asylbewerber im Landkreis Starnberg

Sexuelle Gewalt? Nein!

Starnberg - Nach den Massen-Übergriffen durch Ausländer auf Frauen in der Silvesternacht in Köln und anderswo kocht die Volksseele. Im Landkreis Starnberg sind solche Vorfälle nicht bekannt. 

Mehr als 120 Anzeigen von belästigten, sexuell genötigten und vergewaltigten Frauen sind bei der Kölner Polizei eingegangen. Dutzende mutmaßliche Täter sind festgenommen worden. Im Landkreis Starnberg haben mittlerweile mehr als 1800 Flüchtlinge eine vorübergehende Bleibe gefunden. Die meisten sind in Sammelunterkünften, Zeltstädten und Containersiedlungen untergebracht.

Ist mit der wachsenden Zahl von Flüchtlingen die Zahl sexueller Übergriffe gestiegen. Starnbergs Polizeichef Bernd Matuschek sagt klipp und klar: „Nein.“ Es habe in Pöcking einen Fall gegeben, wo sich ein Asylbewerber Frauen genähert habe – allerdings ohne strafrechtliche Relevanz. Einmal habe der Mann einer Frau in Possenhofen die Hand auf die Schulter gelegt. Die Fitnesstrainerin habe sich dagegen gewehrt, indem sie mit ihrer Handtasche um sich geschlagen habe. Der gleiche Mann sei ein anderes Mal einer 14-Jährigen nachgelaufen. Er habe sie aber weder angesprochen noch angefasst. Der Mann sei mittlerweile in den Kosovo, wo er herkam, abgeschoben worden, bestätigt Pöckings Bürgermeister Rainer Schnitzler.

Dennoch beschäftigen die Flüchtlinge die Ordnungshüter. „Wir haben mit den Asylbewerbern zu tun“, räumt Matuschek ein, „aber es muss keiner denken, dass alles zusammenbricht.“ Meistens würden seine Mitarbeiter gerufen, wenn es Probleme in den Unterkünften gebe. So hätten Polizeibeamte aktuell eine Schlägerei in der Zeltstadt in Tutzing schlichten müssen. Einen Asylbewerber mussten die Beamten jetzt in Kempfenhausen zur Räson bringen. Der Mann war im alkoholbedingten Delirium in die Schön-Klinik gebracht worden. Als er am nächsten Morgen wieder zu sich kam, wollte er das Krankenhaus partout nicht verlassen. Er verlangte nach Haus gefahren zu werden. Erst die herbeigerufene Polizei hat dem Mann beibringen können, dass er selbst sehen müsse, wie er nach Tutzing komme.

Herrschings stellvertretender Dienststellenleiter Albert Huber, bestätigt die Angaben seines Starnberger Kollegen: „Sexuelle Übergriffe gegen Frauen? Nein!“ Seine Inspektion sei vor allem damit beschäftigt, Streitigkeiten in den Flüchtlingsunterkünften zu schlichten.

„Bei uns ist das nicht vorstellbar“, sagt Ernst Wiedemann. Der Dienststellenleiter der Gautinger Polizei führt es auch auf die Arbeit der Helferkreise zurück, dass solche Übergriffe, wie sie in Köln und anderen Städten vorkamen, im Würmtal nicht vorstellbar seien. „Ich denke, die sprechen auch mit den Flüchtlingen“, sagt er.

Um bei den Asylbewerbern Verständnis für den Umgang miteinander in Deutschland zu wecken, hat das Landratsamt einen beidseitig bedruckten Flyer mit Verhaltensregeln herausgegeben (eine Seite für Frauen, die andere für Männer). Gut angekommen sei der Workshop Verhaltensnormen in der Zeltstadt in Tutzing, sagt Stefan Diebl, Sprecher der Kreisbehörde. Mit der Sicherheitsfirma und Mitgliedern des Helferkreises hat das Landratsamt den Flüchtlingen eineinhalb Stunden eine Orientierungshilfe mit nützlichen Tipps und Informationen über das Leben in Deutschland gegeben. Diebl: „Der Versuchsballon hat gezündet, jetzt soll dieser Workshop auch in anderen Unterkünften angeboten werden. Gearbeitet werde zudem an einem Konzept, das noch spezifischer aufzeigen soll, wie in den Herkunftsländern der Alltag abläuft und wie in Deutschland.

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