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Einblick in Sisis Weihnachten liefert dieses Bild aus dem Jahr 1887.

Kaiserin Elisabeth Museum

Weihnachten dreht sich alles um Sisi

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An diesem Heiligen Abend jährt sich zum 180. Mal der Geburtstag von Kaiserin Elisabeth von Österreich. Wer war Sisi? Rosemarie Mann-Stein macht sich zwischen Anekdoten und Mythen auf die Suche nach der Wahrheit.

Possenhofen – Den 24. Dezember verbringt Rosemarie Mann-Stein oft im Kaiserin Elisabeth Museum Possenhofen. Wer an die unzähligen ehrenamtlichen Stunden der Museumsleiterin denkt, wird sich da kaum wundern. Aber selbst an Weihnachten? Jahr für Jahr wollen Senioren aus dem nordrhein-westfälischen Soest vor Heiligabend eine Führung haben. Am 24. Dezember, dem Geburtstag der Kaiserin Sisi. „Das ist für unsere Gäste immer etwas Besonderes“, sagt Mann-Stein. Also führt sie auch am Weihnachtsnachmittag durch die Räume im alten Bahnhofsgebäude.

„Inzwischen finde ich diese Frau hochinteressant“

Mann-Stein ist nicht nur in Possenhofen als Sisi-Expertin gefragt. Mails aus aller Welt erreichen sie. Oft sind es Schüler und Studenten aus Deutschland, Kanada oder den USA, die Mann-Stein für ihre Arbeiten über die Kaiserin ausfragen. Man hat das Gefühl, Mann-Stein weiß auf jede Sisi-Frage eine Antwort. Dabei hat sich die frühere Datenverarbeiterin den Großteil ihres Lebens gar nicht für Sisi interessiert. „Ich bin weltweit gereist, habe mich als Betriebsrätin und auch politisch als Gemeinderätin engagiert – meine Schwerpunkte waren ganz andere. Ich hatte nicht mal die Sissi-Filme gesehen.“

Ein Gebetsbuch: Das hat Gisela ihrer Mutter Sisi geschenkt – und nicht ihrem Vater, wie es teilweise berichtet wird.

So brauchte es einen durchaus technischen Startschuss für Mann-Steins Sisi-Fieber: eine Inventur. Ein halbes Jahr lang dokumentierte die Pöckingerin jedes Ausstellungsstück des Museums. Wo kommen die Objekte her? Was hatte die Kaiserin wirklich mit ihnen zu tun? Diese Fragen faszinieren Mann-Stein bis heute. „Inzwischen finde ich diese Frau hochinteressant“, sagt sie. Groß und schlank seien in der Familie alle gewesen. „Aber sie hat jeden Tag zwei Stunden trainiert, auch mit Männern gefochten. Einmal, wird berichtet, ist sie nach München geritten, zurück ist sie dann gelaufen.“ Mann-Stein klatscht in die Hände und sagt: „Die war so was von sportlich.“

Schattenseiten: Das Ende von Sisis Lebenswille

Erzherzogin Marie Valérie (v.l.), Kaiser Franz Josef, Kaiserin Elisabeth mit Kronprinzessin Stephanie und Kronprinz Rudolf, davor Erzherzogin Elisabeth.

So klingt ein echter Fan. Mann-Stein saugt alles auf, was zu Sisi erscheint. Die Filme hat sie mittlerweile alle und mehrmals gesehen, auch wenn sie eigentlich nur die mit Romy Schneider gut findet. Kommt ein neues Buch zur Kaiserin heraus, hofft Mann-Stein auf neue Informationen. „Das ist dann wie ein Krimi für mich.“ Dr. Bernhard Graf hat zuletzt so einen Krimi geschrieben, über die Geschwister Sisis.

Aber auf eines legt Mann-Stein Wert: „Bei uns gibt es keine Märchenstunde. Wir verherrlichen nichts. Dass Sisi Zicken hatte und fast narzistisch war, stimmt ja auch – sie konnte innerhalb kürzester Zeit hysterisch werden.“ Nach dem Tod von Sohn Rudolf und Schwester Sophie Charlotte habe sie Herzbeschwerden und Rheuma bekommen. „Ihr Lebenswille war zu Ende.“ Auch das gehört zur Geschichte.

Mann-Stein ärgert sich aber über Gerüchte, die im Umlauf sind. „Magersucht, schlechte Zähne – das ist inzwischen weitgehend widerlegt.“ Nach und nach würden geheime Archive geöffnet. „Da kommt immer mehr raus, das ist spannend. Wir versuchen, der historischen Elisabeth so nahe zu kommen wir nur möglich.“ Deshalb liest Mann-Stein auch gerne Gedichte, die Sisi geschrieben hat. „Da bekommt man einen guten Eindruck, wie sie wirklich gedacht hat.“

Mann-Stein widerlegt Mythen um Sisi

Einen goldenen Zweig mit Diamanten schenkte Sisi ihrer Tochter Marie Valérie

Rosemarie Mann-Stein will Unwahrheiten bereinigen. Manchmal gelingt der Museumsleiterin das auch mit einem neuen Exponat – zuletzt etwa mit einem Gebetsbuch. Das hat Gisela ihrer Mutter Elisabeth zum 35. Geburtstag geschenkt. „In der Literatur wird aber so getan, als hätte es keine Geschenke an Sisi gegeben und als ob sie sich mit Tochter Gisela gestritten hat.“ Mann-Stein schüttelt den Kopf. „Typisch für den Hof.“ Manche Historiker würden diese falschen Fährten übernehmen. „Manche stellten es so hin, als ob Gisela es ihrem Vater geschenkt hätte – aber an Sisis Geburtstag? Das macht keinen Sinn.“ Ein weiteres Geschenk innerhalb der Familie soll in der neuen Museumssaison in Possenhofen gezeigt werden: Ein goldender Zweig, mit Diamanten besetzt, den Sisi ihrer Tochter Marie Valérie geschenkt hat. „Die Familie hat sich große Mühe gemacht, sich zu beschenken“, erklärt Mann-Stein.

Ein Stück weit hat die Kaiserin aber auch selbst dazu beigetragen, dass ein Bild um sie inszeniert wurde. Ab dem Alter von 31 Jahren hat Sisi keine Fotos mehr von sich zugelassen: „Damit hat sie sich den Mythos von ihrer ewigen Schönheit selbst aufgebaut.“ Mann-Stein forscht weiter.

Heuer kommen die Gäste aus Soest an Weihnachten nicht nach Possenhofen. „Um ein freies Weihnachten bin ich aber nicht böse“, sagt Mann-Stein und lacht.

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