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Manfred Schiffer vor dem Gasthof Schauer.

Gasthof Schauer

Possenhofen: Die Zeitkapsel wird geöffnet

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Possenhofen - Der Gasthof Schauer in Possenhofen – jahrzehntelang stand er leer. Am Wochenende soll das Inventar im Rahmen eines Flohmarkts versteigert werden. Wie es weiter geht, ist unklar.

Die Tür des Gasthauses steht offen. Ausnahmsweise. Manfred Schiffer wartet in der „guten Stube“. Obwohl das Gasthaus schon seit Jahrzehnten leer steht, sieht es hier immer noch aus, als ob jeden Moment Gäste kommen können. Es war der Raum, in dem die ehemalige Wirtin Philipina Schauer, die über 100 Jahre alt wurde, ihre Gäste zu empfangen pflegte, erinnert sich Manfred Schiffer.

Er ist von der Gemeinde beauftragt worden, eine Bestandsaufnahme in dem Gebäude zu machen. Der Bauingenieur, selbst 79 Jahre alt, hat jahrzehntelange Erfahrung mit denkmalgeschützten Bauten. Akribisch hat er alles durchgesehen, das Haus inspiziert, alles inventarisiert und geprüft. Bereits vor ihrem Tod vermachte Philipina Schauer das Gebäude in Possenhofen der Gemeinde Pöcking. Unter Auflagen, wohlgemerkt. Wenn die Gemeinde es veräußert oder selbst saniert, muss im Erdgeschoss wieder eine Wirtschaft eingerichtet werden.

Eine Herausforderung. Denn das Haus ist sanierungsbedürftig. Sehr sanierungsbedüftig. Und doch weht durch Gastraum und Gästezimmer im ersten Stock immer noch ein Hauch von Hautevolee. Um die Jahrhundertwende war der „Gasthof Schauer“, der vorher „Gasthof Possenhofen“ hieß, das erste Haus am Platz. Sommerfrischler aus München und von weither reisten mit ihren Kutschen und Gesinde an, um hier am Ufer des Sees die Sommermonate zu verbringen. Das gute Porzellan erinnert noch daran, ebenso die Biedermeier-Türen im Obergeschoss. Und die Treppe, die es Schiffer ganz besonders angetan hat. „Hier kann man noch schreiten, so etwas baut heute kein Mensch mehr“, schwärmt er. Und tatsächlich: Leichten Fußes wandelt man nach oben.

Flüchtlinge halfen beim Entrümpeln

Alles andere als leicht waren die Aufräumarbeiten, berichtet Schiffer. Denn obwohl sich immer noch Gemälde, Bücher, gebügelte Tischwäsche, Deko- und Küchenartikel in dem Haus stapeln, „wurden bereits 18 Container Müll abgefahren.“ Dabei packten auch die Asylbewerber aus Pöcking kräftig mit an (wir berichteten).

Alles, was nicht im Haus verbleiben soll – die vielen schönen Holzmöbel zum Beispiel – wird am Sonntag im Rahmen des Maifestes in Possenhofen bei einem Flohmarkt angeboten. Von 12 bis 16 Uhr kann sich dann jeder sein persönliches Erinnerungsstück an den Gasthof Schauer sichern. Seien es nun Teller, das gute Silberbesteck oder die Postkarten, die dereinst für das berühmte Gasthaus warben. Der Erlös kommt gemeinnützigen Zwecken innerhalb der Gemeinde Pöcking zugute.

Spätestens dann wird zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder richtig Trubel im Haus herrschen. Gleichzeitig aber wird dann auch endgültig das Ende der Ära Schauer in Possenhofen eingeläutet. Wie es mit dem Gebäude weitergehen soll, ist derweil noch nicht entschieden.

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