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Fischer mit Friedenstauben hinter Banner versteckt: Jürgen Wegeners Wandgemälde ist nicht zu sehen. Der Eigentümer des ehemaligen Postgebäudes will einen großen Wohnkomplex errichten. 

Streit zwischen Immobilienmakler und Gemeinde

Provozierendes Plakat

Feldafing – Ein Banner auf ehemaligem Postgebäude greift die Gemeinde Feldafing an und verdeckt Jürgen Wegeners Wandfresko. Der Bürgermeister prüft rechtliche Schritte.

Immer wieder beschweren sich Bürger bei der Gemeinde wegen des Plakates des Immobilienbüros Dahlhoff, das über dem Wandgemälde des ehemaligen Postgebäudes hängt und mit riesigen Lettern wirbt. Das Wandbild, das einen Fischer umringt von Friedenstauben darstellt, stammt von Jürgen Wegener (1901-1984), der in Feldafing und Pöcking lebte. Der Maler erhielt 1930 einen Lehrauftrag für Wandmalerei an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Weimar und wurde während der Zeit des Nationalsozialismus als Vertreter der so genannten Deutschen Kunst bekannt. Er ist in Feldafing beerdigt.

Immobilienmakler zum Merkur: Möchte das Gebäude "keinesfalls" an Gemeinde verkaufen

„Wir haben das eindrucksvolle Fresko immer gerne betrachtet, seit es vor vielen Jahren von Jürgen Wegener auf dem Gerüst stehend, geschaffen wurde. Der jetzige Zustand ist für viele Feldafinger ein rechtes Ärgernis“, schreibt das Ehepaar Professor Dr. Jochen und Ursula Fricke an unsere Zeitung. Vor allem sorgt auch für Ärger, dass auf dem Plakat die Gemeinde angegriffen wird. „Hier würden wir Wohnungen bauen. Warum blockiert die Gemeinde?“ ist auf dem Banner über dem Gemälde zu lesen. Wie berichtet, hatte der Grundstückseigentümer bereits einen Bauantrag zum Bau mehrerer Wohnungen an dieser Stelle gestellt, das Bauvorhaben war aber dem Gemeinderat eindeutig zu groß. Er verhängte über das gesamte Areal eine Veränderungssperre, auch weil die Gemeinde das Areal gerne zur Gesamtgestaltung des Bahnhofplatzes einbeziehen würde.

Christian Dahlhoff lässt sich davon nicht beeindrucken. „Solange kein Bauantrag durchgewunken ist, bleibt das Plakat“, sagt er. „Es geht nicht um das Gemälde, sondern um Wohnraum für fleißige Christen aus ganz Europa. Wir wollen Mietwohnungen bauen für junge Familien.“ Nach seiner Vorstellung gingen 15 bis 20 Wohnungen problemlos auf das Areal. Der Immobilienmakler kündigte gegenüber unserer Zeitung auch an, dass er das ehemalige Postgelände „keinesfalls“ an die Gemeinde verkaufen werde. Im übrigen findet er auch, dass das Gemälde „weder schön noch wichtig“ sei. Er sei aber bereit, es an anderer Stelle aufmalen zu lassen.

Bürgermeister Sontheim möchte rechtliche Möglichkeiten prüfen

Die polemischen Anfechtungen auf dem Plakat stören Bürgermeister Bernhard Sontheim wenig. „Der Angriff ist mit grad egal“, schmettert der Ratschef den Vorwurf ab, zu wenig Wohnraum zu schaffen. „Es muss jeder selber wissen, wie er sich am besten blamiert. Unmöglich ist, dass er seine wirtschaftlichen Hauptinteressen mit der Kommunalpolitik vermischt.“

Die Streitigkeiten sind nicht neu. Dahlhoff ist einer der Initiatoren der Gruppierung Pro Feldafing, die monatelang gegen die Realisierung der Artemed-Klinik auf dem Konversionsgelände Sturm lief. Als er wegen des Bürgerentscheids zum Konversionsgelände an derselben Stelle plakatierte, hatten sich Bürger wegen der Platzierung des Plakats über dem Gemälde beschwert. Schon damals hat die Gemeinde prüfen lassen, ob sie verwaltungsrechtlich befugt ist, das Plakat zu entfernen. Da es sich aber um Plakate zum Bürgerbegehren zum Konversionsgelände handelte, konnte die Gemeinde dagegen nicht vorgehen.

Jetzt aber ist der Bürgermeister entschlossen, Maßnahmen zu ergreifen, und lässt gerade die rechtlichen Möglichkeiten prüfen. Grundsätzlich sind Werbeflächen ab einer bestimmten Größe genehmigungspflichtig, und die Banner sind sehr groß.

Von Astrid Amelungse-Kurth

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