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Sechs Tage lang wurde im April 2015 auf dem Starnberger See nach dem vermissten Schüler des Münchner Wilhelms-Gymnasiums gesucht.

Übungsleitern wurde nie der Prozess gemacht

Bub stirbt bei Ruder-Unfall auf Starnberger See: Eltern müssen weiter auf Gerichtsurteil warten

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Im April 2015 starb ein 13-Jähriger beim Rudern auf dem Starnberger See. Seine Eltern warten bis heute darauf, dass den damals zuständigen Übungsleitern der Prozess gemacht wird.

Starnberg – Vor viereinhalb Jahren starb der 13-jährige Schüler beim Rudern auf dem Starnberger See. Er war in ein Einer-Rennboot gesetzt und allein gelassen worden. Als er ins acht Grad kalte Wasser fiel, unterkühlte er sich und ertrank. Den beiden Übungsleitern wurde nie der Prozess gemacht – jetzt bahnt sich die Einstellung des Verfahrens an.

Als der Vater des Teenagers an jenem April-Abend 2015 gegen 19.30 Uhr sein Kind vom Training des Münchner Ruder Clubs (MRC) abholen wollte, fehlte jede Spur von dem 13-Jährigen. „Wissen Sie, wo Ihr Sohn ist?“, soll ihn einer der Übungsleiter gefragt haben. Doch der Junge war nirgendwo, auch nicht in den Umkleiden. Der Vater schlug Alarm. Um 20 Uhr wurde schließlich ein Notruf abgesetzt. Zunächst war noch das verspätete Anlegen eines Achters abgewartet worden. Zu diesem Zeitpunkt war das Kind längst tot. Um 20.10 Uhr machten sich beide Übungsleiter, von Beruf Mediziner, mit dem Motorboot auf die Suche. Das vollgelaufene Einer-Rennboot wurde rasch gefunden. Die Leiche des Jungen erst sechs Tage später in 35 Metern Tiefe und 425 Meter vom Starnberger Ufer entfernt.

Dramatischer Rettungseinsatz in Münsing: Am Donnerstagabend kenterte ein Boot im Starnberger See. Für einen jungen Mann kam jede Hilfe zu spät.

13-Jähriger verunglückt beim Rudern auf Starnberger See und stirbt 

Ein Privat-Gutachter, den die Familie beauftragte, hat das Unglück minutiös rekonstruiert. Am Ende seines 116 Seiten umfassenden Gutachtens kommt der Ingenieur, einst selbst Mitglied der Ruder-Nationalmannschaft und Ausbilder, zu dem Schluss, dass der tödliche Unfall unter Einhaltung der Sicherheitsleitlinien und der Sorgfaltspflicht vermeidbar gewesen wäre. Zu diesem Fazit war auch schon ein vom Gericht bestellter Gutachter gelangt. Demnach hatten sich die Übungsleiter über klare Anweisungen des Vereins und die Vorgabe des Ruderclubs hinweggesetzt, als sie den 13-jährigen Gymnasiasten in einen äußerst kippligen Einer setzten.

Erst im November 2014, also ein halbes Jahr vor dem Unglück, war vom Deutschen Ruder Verband (DRV) eine Sicherheitsleitlinie verabschiedet worden, wonach es streng verboten ist, Kinder in der Zeit zwischen April und Juni in Kleinbooten aufs Wasser zu schicken. Warum die beiden Übungsleiter an diesem April-Nachmittag mit widrigen Witterungsverhältnissen die Buben und Mädchen überhaupt aufs Wasser ließen, anstatt sie mit Lauf- und Ergometer-Training zu beschäftigen, ist ungeklärt – wie auch der Umstand, dass die insgesamt 20 Kinder nicht auf breite und sicherere Vierer-Mannschaftsboote verteilt wurden. Die hätten die beiden Übungsleiter leicht im Blick behalten können.

Amtsrichterin will Prozess einstellen

Dass der Prozess wegen fahrlässiger Tötung auch nach viereinhalb Jahren nicht terminiert werden konnte, liegt an vielerlei unglücklichen juristischen Entwicklungen. Zunächst einmal wurde die Anklage zum Landgericht München II erhoben und nicht zum örtlichen Amtsgericht Starnberg. Verglichen mit einem tödlichen Verkehrsunfall, der generell am Amtsgericht landet, erscheint das sehr hoch aufgehängt. Doch die Staatsanwaltschaft entschied sich 2015 aus Gründen des Opferschutzes dafür. Sie wollte die Angehörigen wie auch die sehr jungen Zeugen vor einem zweiten Tatsachen-Prozess bewahren, sprich einem aufwendigen Berufungsprozess in zweiter Instanz. Dem dramatischen Unfall, den viele Schüler miterlebt und miterlitten hatten, sollte in einem einzigen großen Prozess die Dramatik genommen werden. Der Plan scheiterte.

Das Verfahren blieb knapp drei Jahre beim Schwurgericht liegen, das wegen zweier großer Mordverfahren total überlastet war. Schließlich wurde es ans Amtsgericht Starnberg verwiesen. Nun verlangten die Verteidiger Einsicht in das Privat-Gutachten. Die Akten wanderten wieder zurück nach München und dann wieder nach Starnberg.

Die zuständige Amtsrichterin will jetzt wohl zugunsten der Angeklagten einen Schlussstrich unter das jahrelange Warten auf einen Prozess ziehen. Gegen Geldauflagen von 50 000 und 12 000 Euro für die Übungsleiter wird geprüft, das Verfahren wegen fehlenden öffentlichen Interesses nach Paragraf 153a einzustellen. Das ist rechtlich legitim, für die Ausbilder im MRC wäre es aber ein fatales Signal. Auch die Eltern wünschen sich im Sinne der Prävention ein Urteil. „Ich weiß nicht, wie sie mit einer Einstellung weiterleben können“, sagt ihre Nebenklage-Anwältin Annette von Stetten. In einem Bericht des TV-Magazins „kontrovers“ hatte die Mutter erklärt: „Wir finden es unmenschlich und entwürdigend, dass wir als Hinterbliebene eines Tötungsdeliktes so lange auf eine Aufarbeitung warten müssen, umso mehr, als das Opfer der Straftat unser einziges Kind ist.“ Und der Vater hatte todtraurig hinzugefügt: „Für uns ist eine Welt zusammengebrochen, man hat uns die Lebensfreude geraubt.“

Das Bayerische Fernsehen plant, am Mittwochabend, 21 Uhr, in „kontrovers“ erneut über das Verfahren zu berichten.

Zu einem tragischen Bade-Unfall kam es vor wenigen Tagen in einem Freibad im mittelfränkischen Schwabbach: Ein Junge (5) ist untergegangen. Ein Mann zog ihn aus dem Wasser. Das Kind musste wiederbelebt werden - starb jedoch zwei Tage später im Krankenhaus

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