In die Pedale trat Bernhard Dresse bei den 7. Gautinger Energiespartagen. Angefeuert wurde er im Hintergrund von Hans Wilhelm Knape. foto: Andrea Jaksch

"Radlrevoluzzer" gegen "Klimakillergas"

Gauting - In die Pedale treten, zuhören und sich beraten lasse. Bernhard Dresse besuchte die 7. Gautinger Energiespartage und hatte auch noch Spaß dabei.

Fast auf die Zehen traten sich Besucher bei den 7. Gautinger Energiespartagen im oberen Rathaus-Foyer. Als sich am Samstagmittag die Tür zum großen Sitzungssaal öffnete, gesellten sich zu Bürgern und Gautinger Gymnasiasten zahlreiche Zuhörer verschiedener Vorträge zum Thema Energie, Umwelt und Bauen.

Vermessungs-Ingenieur Bernhard Dresse schenkte sich in diesem Jahr die Referate. Mit Energiesparanregungen aus Gauting hatte der Starnberger Hausbesitzer schon 2011 seine gesamte Heizung erneuern lassen. „Heuer kommen die Fenster dran“, erklärt Bernhard Dresse. Deshalb informierte sich der 62-jährige Hausbesitzer am Stand einer Gautinger Glaserei.

Sein Haus wurde 1935 errichtet. Ende der 1980er Jahre habe er dann für seine vierköpfige Familie angebaut, so der Eigentümer. „30.000 Euro habe ich letztes Jahr in die neue Heizung mit Brennwerttechnik, Solar-Dach-Unterstützung und Trinkwasseraufbereitung investiert“, erläutert Bernhard Dresse. Das neue System mit 1000-Liter-Wasser-Tank läuft seit September. Er werde damit übers Jahr 30 Prozent der bisherigen Energiekosten einsparen. Informationen, etwa über Fördermittel des Bundesamts für Wirtschaft und Außenkontrolle (BAFA), habe er sich bei den Gautinger Energiespartagen im vergangenen Jahr geholt, sagt der Starnberger.

Am Stand der „Radlrevoluzzer“ tritt der 62-Jährige kräftig in die Pedale. Als der Ingenieur die angeschlossene LED-Lampe mit seiner Muskelkraft zum Leuchten bringt, ist die Standleiterin Amy Croome sichtlich beeindruckt. Daraufhin spornt Hans Wilhelm Knape, Vorstand des Energiewendevereins Starnberg, den Radler auf dem Rolltrainer mit Lichtmaschine lachend an: „Weiter, weiter!“ Denn der Energiewendeverein hat für die Gautinger „Radlrevoluzzer“ die Patenschaft übernommen.

Auch der Technikkurs der 9. und 10. Klassen des Otto-von-Taube-Gymnasiums begeistert sich für das Projekt, berichtet Physiklehrer und Studiendirektor Hannes Stumpf. Denn Amy Croome hatte das System „Radlrevoluzzer“ dort bereits vorgestellt (wir berichteten). „In den nächsten Wochen bauen wir eine Anlage“, erläutert Hannes Stumpf. Im Sommer könnte dann am Otto-von-Taube-Gymnasium die erste „Radlrevoluzzer“-Filmvorführung steigen, ohne herkömmlichen Strom.

Nach einer ganzen Weile steigt Bernhard Dresse dann doch wieder vom Fahrrad. Feine Schweißperlen stehen auf seiner Stirn. Zeit um Kalorien nachzuladen: Fündig wird der Starnberger beim Bund Naturschutz - zumindest virtuell. Die Gautinger Ortsgruppenvorsitzende Jutta Kreuzer erläutert nämlich an Hand der Menükarte, wieviel CO²-Ausstoß der Verbraucher mit regionalen Produkten einspart: Eine Mahlzeit mit eingeflogenem Fleisch aus Argentinien füllt einen 5-Liter-Kanister mit dem „Klimakillergas“, das Essen mit Fleisch aus artgerechter Tierhaltung aus der Region erreicht hingegen bescheidene 100 Milliliter im Fläschchen. Bei Bernhard Dresse ist diese Aufklärungsarbeit allerdings nicht mehr nötig: „In meiner Familie achten wir schon lange auf den Kauf regionaler Produkte.“

cc

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