Ein Bild der Verwüstung bot sich Helfern und Passanten am 1. November 2019 auf der Seestraße beim Steg 1 in Possenhofen.
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Ein Bild der Verwüstung bot sich Helfern und Passanten am 1. November 2019 nach dem Unfall auf der Seestraße beim Steg 1 in Possenhofen.

Frontalkollision erneut vor Gericht

Raser-Unfall: War es ein verbotenes Rennen?

  • Angela Walser
    vonAngela Walser
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Ein schwerer Unfall in Folge eines illegalen Autorennens im November 2019 beschäftigt erneut das Gericht. Eine 58-jährige Frau wurde bei einem Frontalzusammenstoß schwer verletzt, ebenso ein Fahrer und sein Beifahrer. Das Urteil des Landgerichts steht noch aus.

Possenhofen/München – Ein Raser-Unfall, verursacht durch ein illegales Autorennen, ist gestern vor dem Landgericht München II ein zweites Mal verhandelt worden. In der Berufung wollten die beiden Angeklagten (19 und 20 Jahre) vom Vorwurf des verbotenen Straßenrennens freigesprochen werden. Noch gibt es kein Urteil. Die Verteidigung will einen Zeugen hören, der nicht geladen war.

„Ich dachte, das war’s.“ Eindrucksvoll schilderte Unfallopfer Sigrid M. (58) den Moment des Aufpralls. Völlig unerwartet war am 1. November 2019 ein Wagen in das Fahrzeug ihres Lebensgefährten geschleudert. Der 61-Jährige bremste zwar so stark, dass er sich einen Zeh anbrach, doch er krachte in das ausgebrechende Heck des Unfallfahrers. „Es gab einen wahnsinnigen Knall, Metall krachte und Glassplitter wirbelten durch die Gegend“, erinnerte sich die Frau. Danach musste sie eine gefühlte Ewigkeit auf dem Beifahrersitz ausharren, durch einen Rippenbruch in Atemnot. Ihr Wagen war so stark gegen die Leitplanke gedrückt worden, dass sie es erst mit Hilfe der Feuerwehr aus dem Auto schaffte. „Es war schlimm, ich hatte Todesangst“, erinnerte sie sich. Auf die körperlichen Schmerzen folgten die seelischen. Die 58-Jährige musste psychische Hilfe in Anspruch nehmen. „Ich bin schreckhafter geworden“, sagte sie.

Die beiden Männer, Cousins aus Feldafing und Starnberg, waren auf der Seeuferstraße unterwegs gewesen. Sie fuhren rasend schnell, sollten später die Zeugen aussagen. „Haben sie ein Rennen geführt?“, fragte die Vorsitzende Richterin Renate Urban die 58-Jährige. „Mein eigenes Empfinden war ja“, erwiderte die Frau.

Auch ein 16-jähriger Beifahrer des Unfallfahrers erinnerte sich an eine rasende Fahrt. Er hielt sich am Türgriff fest und rief zweimal den Vornamen des 20-Jährigen. „Hatten Sie Angst?“, fragte ihn die Richterin. „Nein“, sagte er tapfer, fügte dann aber hinzu: „Jetzt schon, damals nicht.“ „War es gefährlich?“, hakte die Richterin nach. „Ja“, sagte der Bursche, „weil da diese scharfe Kurve kam.“ Vor der habe er Angst gehabt. Er brach sich das Schlüsselbein und den Unterschenkel. Noch immer bereitet ihm das Gehen Schmerzen. Die Frage, ob ein Rennen verabredet war, beantwortete er mit nein. Allerdings habe der Fahrer früher mit seinem Auto Driftübungen gemacht, diese filmen lassen und sie auf Facebook gepostet.

Dass der Unfallfahrer wie auch sein Cousin im voranfahrenden Wagen offenbar Freude am Ausschwänzeln des Autohecks hatten, bestätigte ein 31-jähriger Ingenieur aus München, um dessen Auto der Unfallfahrer herumgeschleudert war. „Es sah aus, als wären sie deutlich zu schnell. An ähnlicher Stelle haben sie das gleiche Manöver gemacht und versucht, die Kurve quer zu fahren“, berichtete der Mann. Den Crash beobachtete er im Rückspiegel. Geschockt hielt er mit seiner sechs Monate alten Tochter im Kindersitz an und wollte den ersten Fahrer zur Rede stellen. „Was willst Du?“, wurde er rüde angeraunzt. Passanten hielten den Vater vor einer verbalen Eskalation ab. „Ich hatte unglaubliches Glück“, resümierte er seine Situation.

Der Unfallfahrer selber konnte sich aufgrund seiner Verletzungen an nichts erinnern. „Ich bin mir aber sicher, dass wir kein Rennen gemacht haben“, sagte er. In erster Instanz war er zu einem Freizeitarrest von zwei Tagen, 80 Stunden Sozialdienst und einem Jahr Führerschein-Entzug verurteilt worden. Zu gemeinnütziger Arbeit und einjährigem Führerschein-Entzug wurde auch sein Cousin verurteilt. Der Prozess soll am Donnerstag fortgesetzt werden.

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