Aus dem Gerichtssaal

Betrunkene Frau attackiert ihre Helfer

Feldafing - „Polizei“ war offenbar das Reizwort, das eine stark alkoholisierte 34-jährige Feldafingerin im Juli 2015 völlig ausrasten ließ.

Die Frau war damals mit ihrem Pkw mitten in der Unterführung nahe der Johann-Biersack-Straße stehengeblieben und hatte auf die Insassen eines vorbeikommenden Schulbusses einen hilflosen Eindruck gemacht. Die vier Männer sprachen die am Steuer sitzende Lenkerin an und halfen ihr, den Wagen zur Seite zu schieben.

In dem Moment, als die Helfer den Zündschlüssel des Pkw abzogen und sich anschickten, Notarzt und Polizei zu verständigen, muss die 34-Jährige aus heiterem Himmel die Beherrschung verloren haben. Sie schlug und trat plötzlich wie eine Furie auf die Männer ein. Hiebe gegen Kehlkopf, Kiefer und Schläfe und ein Tritt in den Unterleib verletzten drei der Helfer zum Teil erheblich, die Frau musste sich deshalb nun wegen Körperverletzung und fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr am Starnberger Amtsgericht verantworten.

Dort traf man sich jetzt bereits zum zweiten Mal. Ein erster Prozessversuch wurde wegen Verhandlungsunfähigkeit der Mandantin abgebrochen. Auch beim zweiten Anlauf schien der Angeklagten die Tragweite ihrer Taten nicht so recht einzuleuchten. Erneut berief sie sich darauf, sich wegen der Alkoholisierung von 1,67 Promille nicht erinnern zu können. Das nahm ihr Richterin Christine Conrad nicht ab: „Jetzt können Sie sich ja sogar an andere Details erinnern.“

Die Feldafingerin suchte nun auf chaotische Weise zu erklären, warum das Stichwort „Polizei“ sie womöglich habe ausflippen lassen. Ihr Anwalt präzisierte für seine Mandantin: „Sie ist von der Polizei in München früher mal schlecht behandelt worden.“ Am Geschehen von Feldafing ließ sich damit nicht mehr rütteln. Die Beschuldigte sagte aus, sie habe schon an jenem Morgen eine Flasche Jägermeister geleert – und dann kam erneut ein Bagetellisierungsversuch: „Gelitten hat doch bloß mein Auto, weil ich nämlich die Kupplung kaputt gemacht habe.“ Von den Schlägen und Tritten gegen die hilfsbereiten Männer war zunächst keine Rede, obwohl diese im Zeugenstand alles ohne Belastungseifer bestätigten. Erst da entschuldigte sich die Frau bei einem ihrer Opfer, dem sie nach dem Tritt zwischen die Beine 1220 Euro Schmerzensgeld gezahlt hat.

Für Richterin Conrad war das damalige Verhalten der 34-Jährigen dennoch unentschuldbar: Sie verurteilte die Angeklagte wegen dreifacher Körperverletzung und Trunkenheit im Verkehr zu 2400 Euro Geldstrafe (120 Tagessätze à 20 Euro). 

ty

Rubriklistenbild: © dpa

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